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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Welt24. August 2026

Belgien kann Gaza‑Studierende nicht evakuieren, obwohl Italien Erfolg hatte

Belgien teilt 13 Stipendiaten aus Gaza mit, dass eine Ausreise nach Brüssel und Antwerpen nicht möglich sei, während Nachbarländer bereits ähnliche Evakuierungen durchgeführt haben.

Belgien kann Gaza‑Studierende nicht evakuieren, obwohl Italien Erfolg hatte

Belgien hat einer Gruppe von dreizehn Gaza‑Studierenden mitgeteilt, dass es nicht in der Lage sei, ihre Abreise für Studienplätze in Brüssel und Antwerpen zu sichern, obwohl benachbarte europäische Staaten ähnliche Stipendiaten aus dem Enklavegebiet herausgeholt haben.

Stipendien und erster Appell

Die Studierenden, die leistungsbasierte Stipendien für die KU Leuven und das Institut für Tropenmedizin in Antwerpen erhalten haben, wandten sich im Juli an das Königspalast. Der Palast leitete die Bitte an Außenminister Maxime Prévot weiter, doch am 10. August antwortete das Ministerium, dass keine weiteren Maßnahmen möglich seien.

Visum‑Engpass als Haupthemmnis

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte am 20. August, dass eine Anpassung des Visumverfahrens, etwa durch Online‑Anträge, das Kernproblem nicht lösen würde: "die Möglichkeit, Gaza tatsächlich zu verlassen". Das Ministerium fügte hinzu, dass bei einer Verbesserung der Lage "andere besonders gefährdete Gruppen, Kinder zum Beispiel, wahrscheinlich zuerst berücksichtigt werden müssen".

Enttäuschung der Studierenden

Für die Studierenden ist die Botschaft eine bittere Enttäuschung. Salwa Abu Elhaj, 23, aus Al‑Maghazi, die in einem Flüchtlingszelt lebt, erhielt einen Masterplatz in Kommunikation an der KU Leuven. "Wir bitten nur um einen vorübergehenden, praktischen Weg, um unsere Universitäten zu erreichen, nicht um eine dauerhafte Einwanderung", sagte sie Reportern aus Gaza.

Ihr Mitstipendiat Ahmed Abu Jami, 28, Arzt, dem ein Master in Tropenmedizin verliehen wurde, wiederholte das Gefühl. Nach einer 30‑Stunden‑Schicht in einem Feldlazarett sagte er über eine wackelige Telefonleitung: "Ich sage nicht, dass Belgien Studenten statt Kindern retten soll, aber warum muss es überhaupt eine Wahl sein?"

Andere europäische Länder finden Wege

Diplomaten weisen darauf hin, dass Belgiens Haltung nicht unvermeidlich sei. Ein niederländischer Gesandter erklärte, dass "mehrere Dutzend" Gaza‑Studierende nach einem "begrenzten diplomatischen Aufwand" über Jordanien ausgeflogen seien. Das Vereinigte Königreich hat bereits Reisen für mehr als einhundert Gaza‑Studierende für das akademische Jahr 2026/2027 organisiert.

Italien, das eine kleine Koalition europäischer Staaten anführt, hat gezeigt, dass Evakuierungen trotz der aktuellen Blockade machbar sind. Italienische Beamte haben mit jordanischen Behörden und humanitären Korridoren koordiniert, um die Wissenschaftler sicher zu europäischen Hochschulen zu bringen.

Begrenzte Rolle des Königspalastes

König Philippe, der jährlich etwa 60 000 Briefe erhält, hat keine formale Befugnis, über das Weiterleiten von Bitten an das Außenministerium hinaus einzugreifen. Eine informierte Quelle nahe dem Palast sagte, der Monarch habe "alles getan, was in seinem Rahmen möglich war". Der König bleibt "tief besorgt" über die humanitäre Lage, doch seine verfassungsrechtliche Rolle beschränkt ihn auf symbolische Fürsprache.

Prévot und frühere Evakuierungen

Prévot, der am 8. April einen israelischen Luftangriff in der Nähe der belgischen Botschaft in Beirut überlebte, bei dem über 350 Menschen starben, hat seit 2023 die Evakuierung von mehr als 1 000 Palästinensern überwacht, hauptsächlich aus medizinischen Gründen. Dennoch hat das Ministerium diesen Rahmen nicht auf die Studentengruppe ausgedehnt und argumentiert, dass der Visum‑Engpass ein separates rechtliches Hindernis darstelle.

Folgen für die europäische Solidarität

Der Vorfall wirft Fragen zur Konsistenz der europäischen Reaktion auf die Gaza‑Krise auf. Während die EU humanitäre Hilfe zugesagt und zivile Opfer verurteilt hat, erscheint die praktische Unterstützung für Einzelpersonen, die Bildung suchen, ungleich verteilt.

Gewerkschaftsvertreter argumentieren, dass die Förderung der Mobilität von Studierenden sowohl eine Frage der Gerechtigkeit als auch des langfristigen Wiederaufbaus sei. "Diese Wissenschaftler werden Fähigkeiten erwerben, die für den Wiederaufbau von Gazas Gesundheits- und Kommunikationssektoren nach dem Krieg unerlässlich sind", sagte ein Sprecher einer europäischen Lehrergewerkschaft. "Die Verweigerung der Einreise schadet nicht nur den Individuen, sondern beraubt die Region auch zukünftiger Expertise."

Italiens Erfolgsmodell

Italienische Beamte betonen, dass ihr Erfolg möglich war, weil sie "gezielte diplomatische Kanäle" mit Jordanien nutzten und EU‑Finanzmittel für Notfallreisen einsetzten. Sie schlagen vor, dass Belgien einen ähnlichen Ansatz verfolgen könnte, sofern der politische Wille vorhanden ist.

Ausblick

Humanitäre Organisationen drängen weiterhin auf einen vereinfachten Visumweg für Gaza‑Studierende. Einige schlagen ein temporäres humanitäres Visum vor, das die üblichen konsularischen Verfahren umgeht und den Studierenden erlaubt, zunächst in ein Drittland zu reisen, bevor sie in die EU einreisen.

Derzeit bleiben die dreizehn Studierenden in Gaza und wissen nicht, ob sie jemals belgischen Boden betreten werden. Ihr Fall verdeutlicht die breitere Spannung zwischen dem Wunsch, europäische Werte von Bildung und Mobilität zu wahren, und den logistischen sowie politischen Zwängen eines anhaltenden Konflikts.

Während der Krieg weiterzieht, könnte die Diskrepanz zwischen den Erfolgen Italiens und des Vereinigten Königreichs und Belgiens Behauptung, es könne nicht handeln, zu einem Streitpunkt innerhalb der EU‑Diplomatie werden. Das Ergebnis könnte bestimmen, wie Europa humanitäre Gesten mit den praktischen Anforderungen von Visumssystemen in Konfliktzonen in Einklang bringt.

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