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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Welt16. Juli 2026

China‑Russland‑Plan zur Untergrabung von Starlink wirft Sicherheitsbedenken für Europa und NATO auf

Eine gemeinsame Untersuchung von The Insider, Der Spiegel und Le Monde deckt einen dreistufigen Plan Chinas und Russlands auf, der die Funktionsfähigkeit von SpaceX' Starlink-Netzwerk einschränken soll.

China‑Russland‑Plan zur Untergrabung von Starlink wirft Sicherheitsbedenken für Europa und NATO auf

Eine gemeinsame Untersuchung von The Insider, Der Spiegel und Le Monde hat Protokolle geheimer Sitzungen in Guangzhou, China, erhalten, in denen Ingenieure der führenden Raumfahrt- und Verteidigungsorganisationen des Landes einen dreistufigen Plan zur Reduzierung der Betriebsfähigkeit von SpaceX' Starlink‑Netzwerk darlegten.

Phase eins: diplomatischer Druck

Die erste Phase sieht eine koordinierte diplomatische Kampagne von Russland und China vor, um die Vereinten Nationen und nationale Regulierungsbehörden zu strengeren Regeln für Satelliten im niedrigen Erdorbit (LEO) zu bewegen. Als Begründung sollen Kollisionsgefahren und angebliche Verstöße gegen das Weltraumrecht angeführt werden, um engere Kontrollen von Frequenzbändern und Orbitalpositionen zu rechtfertigen, die Starlink nutzen will.

Phase zwei: Frequenzbelegung und Störsender

In der zweiten Phase wird vorgeschlagen, die für Starlink vorgesehenen Frequenzbänder und Orbitalpositionen zu besetzen und ein gemeinsames elektromagnetisches Störsender‑System zu errichten. Dieses System soll die Datenübertragungsrate senken, ohne einzelne Satelliten zu zerstören, und so den Dienst degradieren, ohne offene Zerstörung zu provozieren.

Phase drei: Cyber‑ und kinetische Bedrohungen

Die letzte Phase sieht Cyber‑Operationen und die Entwicklung kostengünstiger Anti‑Satelliten‑Waffen vor, die Satelliten physisch zerstören können. Die Untersuchung fand keine Beweise dafür, dass solche kinetischen Waffen bereits eingesetzt wurden, aber die Forschung an entsprechenden Methoden sei im Gange.

Starlinks Rolle im Ukraine‑Konflikt hat das Netzwerk zu einem zentralen Ziel des Plans gemacht. Seit 2022, nachdem das ukrainische Verteidigungsministerium unter Mykhailo Fedorov eine Partnerschaft mit SpaceX geschlossen hatte, werden tragbare Satellitenterminals an Frontlinieneinheiten geliefert. Die Terminals sind klein genug, dass Infanteristen sie tragen können, und bieten Hochgeschwindigkeits‑Breitband, wo russische Truppen die bodengebundene Kommunikation gestört oder zerstört haben. Ukrainische Beamte sagen, die Terminals ermöglichen Echtzeit‑Video, Befehls‑ und Kontrollkommunikation sowie die Koordination von Drohnenangriffen auf russische Logistik. Fedorov lobte den Dienst und bezeichnete Elon Musks Unternehmen als echten Unterstützer der Freiheit.

Später führte Fedorov eine technische Kontrolle ein, die nur vorab genehmigte Terminals zulässt und damit die Nutzung durch von Russland kontrollierte Kräfte effektiv blockiert. Das Mittel habe nach Angaben russischer Quellen russisch kontrollierte Einheiten abgeschnitten und eine Pause russischer Offensiven in mehreren Sektoren erzwungen.

Als Reaktion kündigte das russische Verteidigungskonglomerat Rostec ein inländisches Satelliten‑Internet‑Projekt mit dem Namen „Starlink" an, um die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu verringern. Analysten weisen darauf hin, dass die bestehende russische Satellitenflotte bei weitem kleiner ist als die Konstellation von SpaceX. Der ukrainische Experte Yevhen Pronin sagte, ein Gleichstand würde enge Zusammenarbeit mit China erfordern, das über die industrielle Basis und Startkapazität für große Konstellationen verfügt.

Rostec stellte zudem ein System namens „Spiderweb" vor, ein verstärkter Metallkäfig, der Öltanks und Kraftwerke vor Drohnen bis zu 200 kg schützen soll. Das US Institute for the Study of War bezeichnete das Spiderweb‑System als rudimentäre Lösung, die breitere Mängel in der russischen Luftverteidigung aufzeige.

Europäische und NATO‑Implikationen

Die Europäische Union verfolgt eine Europäische Raumfahrtstrategie, die autonomen Zugang zum Weltraum, einen wettbewerbsfähigen Satellitenmarkt und den Schutz kritischer Kommunikation zum Ziel hat. Sollten Russland und China Regulierungsbehörden dazu bewegen, bestimmte Frequenzbänder zu beschränken, könnten europäische LEO‑Projekte wie die französisch‑deutsche OneWeb‑Erweiterung und das britisch‑geführte Project‑Kuiper‑Projekt zusätzliche Lizenzierungs‑Hürden erhalten.

Potenzielle kinetische Angriffe auf Satelliten könnten Versicherungsprämien erhöhen und private Investitionen im Sektor abschrecken. Der Bundestagsausschuss für digitale Angelegenheiten warnte, dass die Militarisierung kommerzieller Satellitenkonstellationen die Sicherheit und Stabilität des globalen Kommunikationsmarktes bedrohe. Der französische Senat forderte einen europäischen Rahmen, um zivile Satellitendienste vor feindlichen staatlichen Aktionen zu schützen.

Der Space Command des US‑Pentagons hob die Verwundbarkeit von LEO‑Konstellationen gegenüber elektronischer Kriegsführung und kinetischen Anti‑Satelliten‑Waffen hervor und verwies auf die Folgen für die kollektive Verteidigung der NATO. Ein hochrangiger US‑Verteidigungsbeamter informierte NATO‑Verbündete darüber, dass kommerzielle Weltraum‑Assets zu strategischen Zielen werden können und dass die NATO Doktrinen zum Schutz dieser Ressourcen entwickeln müsse.

Pronin sagte dem slowakischen Tagesblatt Denník N, die Bedeutung der Erkenntnisse liege im Vorteil, den Starlink der Ukraine verschafft habe, nicht in einer unmittelbaren Bedrohung einer totalen Unterbrechung. Die Ukraine strebe an, ihre Satellitenkommunikation zu diversifizieren, indem sie den EU‑Notfalldienst Copernicus nutzt und Partnerschaften mit anderen kommerziellen Anbietern prüft.

Die Generaldirektion CONNECT der Europäischen Kommission arbeitet an einer Raum‑Sicherheits‑Verordnung, die Satellitenbetreiber verpflichtet, Mindest‑Resilienz‑Standards zu erfüllen und Störversuche einer EU‑Behörde zu melden. Die Europäische Weltraumorganisation beschleunigt die Forschung zu laserbasierten Weltraummüll‑Entfernungs‑ und On‑Orbit‑Servicetechnologien, um beschädigte Satelliten zu reparieren oder zu entfernen.

Europäische Gewerkschaften setzen sich für Ausbildungsprogramme für Ingenieure, Cyber‑Sicherheitsspezialisten und Techniker im entstehenden Raum‑Verteidigungssektor ein, warnen jedoch vor einer übermäßigen Militarisierung.

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Russland‑China‑Partnerschaft einen kalkulierten Versuch darstelle, die Spielregeln im Weltraum zu ändern, mit potenziellen Auswirkungen auf die Sicherheit kommerzieller Satellitendienste und das breitere geopolitische Gleichgewicht.

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