Deutsche Ermittler decken russische „Operation Matroschka" auf, die Wahl in Sachsen‑Anhalt beeinflussen soll
Ein von Russland gesteuertes Bot‑Netz verbreitet KI‑Videos, um die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen‑Anhalt zu destabilisieren.

Deutsche Behörden haben eine koordinierte russische Desinformationskampagne mit dem Namen Operation Matroschka identifiziert, die auf die Landtagswahl in Sachsen‑Anhalt am 6. September abzielt.
Wie die Kampagne funktioniert
Die Operation wird von russisch kontrollierten Bot‑Netzwerken betrieben, die KI‑generierte Videoclips auf den sozialen Plattformen X, Bluesky und TikTok verbreiten. Die Videos tragen das Branding etablierter Sender wie der BBC und der ARD und werden überwiegend in Englisch produziert, um eine internationale Verbreitung zu erleichtern und Plattformmoderatoren zu umgehen.
Das Material wird als Nachrichten präsentiert und enthält Bildunterschriften, die Korruption unter deutschen Politikern behaupten, vor einem drohenden Bürgerkrieg warnen und harte EU‑Maßnahmen vorhersagen. Ziel ist es, Deutschland als gespalten und chaotisch darzustellen und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben.
Betroffene Parteien
Die Kampagne richtet sich gegen das CDU/CSU‑Bündnis, die SPD, die Grünen und Die Linke, während die AfD vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhält.
Umfragen vor der Wahl deuten darauf hin, dass die AfD etwa 40 % der Stimmen in Sachsen‑Anhalt erhalten könnte. Die Partei wirbt dafür, eigenständig eine Regierung zu bilden, ein erstes Szenario seit dem Zweiten Weltkrieg, in dem eine Partei mit nachgewiesenen rechtsextremen Verbindungen ein deutsches Bundesland regiert. Der Landesverfassungsschutz stuft die AfD als rechtsextrem ein. AfD‑Politiker werden als eng mit Moskau verbunden beschrieben und haben öffentlich eine intensivere Zusammenarbeit mit Präsident Wladimir Putins Regime gefordert. Deutsche Beamte warnten, dass der Kreml ein starkes Wahlergebnis der AfD im eigenen Interesse habe.
Analyse der Ziele
Analysten bewerten, dass die Desinformation darauf abzielt, etablierte Parteien zu schwächen, die sich gegen russischen Einfluss stellen, und damit den Aufstieg der AfD zu erleichtern. Ein Analyst des Centre for Monitoring, Analysis and Strategy in Berlin erklärte, dass die Kampagne sich stärker auf kritische Parteien als auf die AfD selbst konzentriere. Das übergeordnete Ziel sei, Deutschland als gespalten darzustellen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische Prozesse zu erodieren.
Hintergrund und technische Details
Vier Quellen, die mit der Untersuchung vertraut sind und von Reuters zitiert wurden, geben an, dass die Operation zentral aus Russland gesteuert und über mehrere Tarnfirmen ausgeführt wird. Der Großteil des Inhalts wird in Englisch produziert, um die internationale Verbreitung zu erleichtern und die Erkennung durch Plattformmoderatoren zu erschweren. Sicherheitsdienste stellten fest, dass die Bots zu einem größeren Ökosystem gehören, das weitere russische Troll‑Projekte wie Doppelgänger und Storm‑1516 umfasst, die während der Bundestagswahl 2025 aktiv waren. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, dass diese früheren Kampagnen testeten, wie plausibel falsche Inhalte erscheinen können.
Das Bundesinnenministerium bestätigte, dass es den Anstieg der Desinformation beobachtet, bislang jedoch keine aktiven Gegenmaßnahmen umgesetzt hat; es prüfe das Ausmaß und werde eingreifen, wenn das Material rechtliche Grenzen überschreitet. In den kommenden Wochen sollen weitere technische Details zum Bot‑Netz veröffentlicht werden, und es wird über engere Zusammenarbeit mit den sozialen Medien nachgedacht, um gefälschte Nachrichten einzudämmen.
Reaktionen
Gewerkschaftsvertreter äußerten Bedenken, dass falsche Narrative die Wahlbeteiligung unter Arbeitenden senken könnten. Ein Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes sagte, Desinformation schädige die normalen Bürger, indem sie das Vertrauen zerstöre und die politische Teilhabe reduziere.
Der EU‑East‑StratCom‑Task‑Force, der Desinformation überwacht, hat bereits gewarnt, dass russische Akteure lokale Wahlen nutzen, um Taktiken zu erproben, die später bei EU‑weiten Wahlen eingesetzt werden könnten. Das Ergebnis der Wahl in Sachsen‑Anhalt wird als Indikator dafür dienen, wie wirksam solche ausländischen Desinformationskampagnen die Wahlergebnisse beeinflussen können.


