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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Welt16. Juli 2026

Ehemaliger Außenminister Péter Szijjártó verlässt das Parlament für leitende Position bei BYD und löst Debatte über ungarische China‑Beziehungen aus

Péter Szijjártó tritt aus dem ungarischen Parlament zurück, um bei dem chinesischen Elektroauto‑Hersteller BYD zu arbeiten, was die Diskussion über Budapests wachsende Abhängigkeit von China neu entfacht.

Ehemaliger Außenminister Péter Szijjártó verlässt das Parlament für leitende Position bei BYD und löst Debatte über ungarische China‑Beziehungen aus

Am Mittwoch kündigte Péter Szijjártó an, dass er sein Mandat im ungarischen Nationalrat aufgeben wird, um eine leitende Position bei BYD, dem chinesischen Hersteller von Elektrofahrzeugen, zu übernehmen. Der Schritt beendet sein kurzlebiges Comeback nach der Parlamentswahl 2024 und schneidet ein wichtiges Bindeglied zwischen Budapest und Peking ab, während die regierende Fidesz‑Partei sowohl mit innenpolitischer Unruhe als auch mit Untersuchungen der Europäischen Union konfrontiert ist.

Vom Außenminister zum Unternehmensbotschafter

Szijjártó war von 2014 bis 2022 Ungarns Außenminister und gehörte während dieser Zeit zu den regelmäßigen Teilnehmern internationaler Gipfel. Er war ein lautstarker Verfechter der Regierungsstrategie „Öffnung nach Osten". Nach der Niederlage bei der Wahl 2024 sank seine Anwesenheit im Parlament, und sein Facebook‑Feed war eher von Fußball‑Posts als von legislativen Aktivitäten geprägt.

In seiner neuen Funktion bei BYD wird er die internationale Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens leiten und die Einführung neuer Geschäftsbereiche in Europa koordinieren. Die Vergütung erhält er vom privaten Unternehmen und nicht von ungarischen Steuerzahlern.

Politische Reaktionen

Premierminister Viktor Orbán veröffentlichte eine kurze Nachricht auf seinem offiziellen Social‑Media‑Kanal, in der er Szijjártó Glück wünschte und den Wechsel zu BYD erwähnte. Der Beitrag wurde sowohl von Unterstützern als auch von Kritikern breit geteilt und machte die Ernennung zu einem Brennpunkt der Debatte über Ungarns wachsende Abhängigkeit von chinesischem Kapital.

Der ehemalige Oppositionsabgeordnete Péter Magyar sagte der Wochenzeitung HVG, Szijjártó habe nie die Interessen Ungarns, sondern die fremder Mächte verteidigt, dass sein neuer Job von einem chinesischen Arbeitgeber und nicht von ungarischen Steuerzahlern finanziert werde und dass die Ernennung einen ehemaligen hochrangigen Beamten in den Dienst der Kommunistischen Partei Chinas stelle.

Fidesz‑Kommunikationsdirektor Bertalan Havasi erklärte gegenüber HVG, Szijjártó habe kürzlich Orbán getroffen, beschrieb die Lage der Partei als „nicht gut und an manchen Stellen chaotisch", sagte, Orbán arbeite unermüdlich daran, die Situation zu stabilisieren, und äußerte Optimismus, dass die Partei die Krise überstehen werde.

Wirtschaftlicher Hintergrund

BYD eröffnete 2023 sein erstes europäisches Werk in Szeged und kündigte für 2025 den Aufbau einer regionalen Zentrale in Budapest an. Ungarische Behörden haben BYD Subventionen in Höhe von mehreren zehn Milliarden Forint gewährt, und die Orbán‑Regierung sicherte ein Darlehen von einer Milliarde Euro für chinesische Investitionsprojekte zu.

Das Werk in Szeged hat mehrere tausend Arbeitsplätze geschaffen, doch Gewerkschaften kritisieren eingeschränkte Tarifrechte und die hohe Zahl befristeter Verträge. Der Europäische Gewerkschaftsbund fordert strengere Kontrollen ausländischer Direktinvestitionen zum Schutz der Arbeitnehmerrechte.

EU‑Prüfungen und Nachhaltigkeitsbedenken

Die Europäische Kommission hat Untersuchungen zu staatlichen Beihilfen für BYD und andere chinesische Projekte eingeleitet, um festzustellen, ob Wettbewerbsregeln verletzt wurden. Bei Verstößen könnte die EU Geldbußen verhängen oder Rückzahlungen verlangen, was zusätzlichen Druck auf Ungarns öffentliche Finanzen ausüben würde.

Umwelt‑NGOs weisen darauf hin, dass die Produktion von Elektrofahrzeugen zwar als klimaschonend gilt, die Gewinnung von Batterierohstoffen jedoch häufig mit umweltschädlichem Bergbau im Ausland verbunden ist. Sie fordern strengere Nachhaltigkeitskriterien für EV‑Lieferketten, was mit Ungarns Bestreben, chinesische Investitionen anzuziehen, kollidieren könnte.

Folgen für Fidesz und die Regierungskoalition

Szijjártós Ausscheiden entfernt eine Schlüsselfigur, die als Bindeglied zwischen Budapest und Peking fungierte, und reiht sich ein in die vorherigen Abgänge, etwa des ehemaligen Verkehrsministers János Lázár. Analysten sehen die Abgänge als Schwächung der Gruppe, die bislang das öffentliche Gesicht des Regimes bildete.

Fidesz hält weiterhin eine Zweidrittel‑Mehrheit im Nationalrat, und verfassungsrechtliche Schutzmechanismen sowie interne Parteistrukturen erschweren das Ersetzen etablierter Funktionäre. Umfragen dieser Woche zeigen jedoch, dass Premierminister Orbáns Beliebtheit ein historisches Tief erreicht hat, während ein ehemaliger Bürgermeister namens Magyar an öffentlicher Unterstützung gewinnt.

Einige Kommentatoren vermuten, dass hochrangige Parteimitglieder die Partei verlassen könnten, wenn sie sich marginalisiert fühlen oder die Abhängigkeit von chinesischem Kapital zu einem inneren Aufschrei führt. Innerhalb der Partei könnte Szijjártós Rücktritt die Forderungen nach internen Reformen beschleunigen, etwa durch eine mögliche Neuordnung seniorer Positionen, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Parteimitglieder warnen, dass jede wahrgenommene Zugabe an ausländische Interessen die Spaltung zwischen harten Nationalisten und pragmatischen Technokraten vertiefen könnte.

Zukunft der „Öffnung nach Osten"

Die Orbán‑Regierung bewirbt weiterhin ihre Strategie der „Öffnung nach Osten" als Gegengewicht zu vermeintlichem westlichen Wirtschaftsdruck. Doch wachsende Wähler‑Unzufriedenheit, EU‑Prüfungen und das Risiko einer Parteispaltung deuten darauf hin, dass die Strategie an ihre Grenzen stößt. Analysten meinen, die kommenden Monate werden entscheiden, ob die Regierungspartei an der Macht bleibt oder ihre außenpolitische Agenda anpassen muss.

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