Ehemaliger ungarischer Handelsminister wechselt zu BYD, während die EU ein Staatshilfen‑Verfahren einleitet
Der frühere Minister gibt sein Parlamentariermandat auf, um bei BYD zu arbeiten, während die Europäische Kommission die Subventionen für das Werk bei Szeged prüft.

Am Dienstag kündigte der ehemalige ungarische Minister für Handel und auswärtige Angelegenheiten an, dass er sein Parlamentariermandat aufgeben wird, um eine Führungsposition bei BYD, dem chinesischen Hersteller von Elektrofahrzeugen, zu übernehmen. BYD hat in der Nähe von Szeged eine Fabrik errichtet, die mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert wurde.
EU‑Untersuchung zu Subventionen
Die Europäische Kommission hat ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet, um die finanziellen Beiträge der ungarischen Regierung und chinesischer Behörden zum Szeged‑Werk zu prüfen und festzustellen, ob sie gegen die EU‑Staatshilferegeln verstoßen. Die Untersuchung folgt auf ein Antisubventionsverfahren, das Ende 2023 eröffnet wurde und zu einem zusätzlichen Aufschlag von 17 % auf BYD‑Fahrzeuge führte, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 %. Frankreich und Italien haben die Zölle unterstützt, während Deutschland und Spanien vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen warnten. Ungarn und die Slowakei haben den zusätzlichen Zoll abgelehnt.
Revolving‑Door‑Problematik
Ungarn verfügt über keine gesetzliche Karenzzeit für ehemalige Minister und kein verpflichtendes Offenlegungsformular für Tätigkeiten nach dem Regierungsamt, was das Land zu einem von sieben EU‑Staaten macht, die keine formellen Regeln für die Tätigkeit nach dem Ausscheiden aus dem Amt haben. Transparenzorganisationen warnen, dass das Fehlen solcher Schutzmechanismen einen Revolving‑Door‑Effekt begünstigt und das Vertrauen der Öffentlichkeit untergräbt, weil ehemalige Amtsträger die Politik zugunsten privater Unternehmen beeinflussen können.
In einer kurzen Stellungnahme bezeichnete der ehemalige Minister die Position bei BYD als "außerordentlich ehrenvoll" und betonte, dass er künftig nicht mehr aus Steuergeldern für seine Tätigkeit als öffentlicher Bediensteter bezahlt werde. Premierminister Péter Magyar wiederholte dies und stellte klar, dass der ehemalige Minister nun von einem privaten Arbeitgeber und nicht mehr von ungarischen Steuerzahlern bezahlt werde.
Arbeits‑ und Umweltprobleme in Szeged
Das Werk in Szeged war bereits mehrfach Gegenstand von Kontroversen. Anfang des Jahres starben dort zwei Beschäftigte. China Labour Watch berichtete über mutmaßliche Zwangsarbeitspraktiken, die chinesische Wanderarbeiter betreffen, darunter lange Schichten, einwöchige Arbeitswochen, verspätete Lohnzahlungen, Schulden aus Vermittlungsgebühren und beschlagnahmte Ausweisdokumente. Der Subunternehmer, der in diesen Vorwürfen genannt wird, steht in Verbindung mit einer chinesischen Baufirma, die vom brasilianischen Arbeitsminister als "vergleichbar mit Sklaverei" an einem anderen BYD‑Standort beschrieben wurde.
Ungarische Behörden wurden aufgefordert, die Arbeitsvorwürfe zu untersuchen, doch die Europäische Kommission erklärte, dass die Angelegenheit in die nationale Zuständigkeit falle. Das Werk wurde zudem mit einer Geldstrafe von 10 Millionen Forint, etwa 28.700 €, belegt, weil Bodenverschmutzungen die Zerstörung nahegelegener Feldfrüchte erforderlich machten.
Breiterer Kontext chinesischer EV‑Investitionen
Während der Amtszeit von Szijjártó von 2014 bis 2022 zog Ungarn rund 25 % aller chinesischen Investitionen in der EU an und war das öffentliche Gesicht von Ministerpräsident Viktor Orbáns Strategie der "Östlichen Öffnung". Der Verkauf chinesischer Elektrofahrzeuge macht inzwischen mehr als 15 % des europäischen Marktes aus, was mehrere Hersteller veranlasst hat, die Produktion in die EU zu verlagern, um Zölle zu umgehen. Beispiele sind BYDs ungarische Fabrik, Cherys Joint‑Venture in Spanien und Leapmotors Montage in Polen.
EU‑Finanzierung und Rechtsstaat‑Debatte
Mitglieder der Haushaltsausschüsse des Europäischen Parlaments haben die Angemessenheit der jüngsten Korruptionsreformen in Ungarn infrage gestellt und fordern strengere Schutzmaßnahmen, bevor die Kommission bis zu 16 Milliarden € an derzeit eingefrorenen Mitteln freigibt. Die Kommission schätzt, dass bis zu 600 000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten, wenn der europäische Automobilsektor nicht schnell genug auf das Wachstum von Elektrofahrzeugen und die chinesische Konkurrenz reagiert.
Die neue ungarische Regierung hat eine Kursänderung in Fragen des Rechtsstaats signalisiert, was vom Rechtsstaatsbeauftragten Michael McGrath als klare Richtungsänderung bezeichnet wurde. Premierminister Magyar erklärte, er werde chinesische Investitionen prüfen, aber weder blockieren noch beenden, und damit die Offenheit für chinesisches Kapital beibehalten.
