● LIVEECB RATE 2.4%·EUR/USD 1.1539·EUR/GBP 0.8558·BRUSSELS 20°C — OVERCAST·VON DER LEYEN WILL WETTBEWERBSFÄHIGKEIT MIT EUROPÄISCHER STRATEGISCHER AUTONOMIE VERKNÜPFEN·KI-GENERIERTE INHALTE ÜBERSCHWEMMEN DAS NETZ UND TREIBEN GRASSROOTS-ANTI‑BOT‑TOOLS VORAN·HITZEWELLEN SCHWÄCHEN KONZENTRATION UND WOHLBEFINDEN IN EUROPA, SAGEN WISSENSCHAFTLER·EUROPÄISCHE STÄDTE MACHEN ÖFFENTLICHE BÄUME ZU KOSTENLOSEM ESSEN FÜR DIE BEWOHNER·KI DOMINIERT DAS NETZ, NUTZER SUCHEN NACH WEGEN, MENSCHLICHE INHALTE ZU SCHÜTZEN·ESSBARE STADT: WIE BÜRGER OBST VON ÖFFENTLICHEN BÄUMEN ERNTEN UND WAS DAS FÜR EUROPA BEDEUTET·WOCHE 38 · VOL. XV · N°259·● LIVEECB RATE 2.4%·EUR/USD 1.1539·EUR/GBP 0.8558·BRUSSELS 20°C — OVERCAST·VON DER LEYEN WILL WETTBEWERBSFÄHIGKEIT MIT EUROPÄISCHER STRATEGISCHER AUTONOMIE VERKNÜPFEN·KI-GENERIERTE INHALTE ÜBERSCHWEMMEN DAS NETZ UND TREIBEN GRASSROOTS-ANTI‑BOT‑TOOLS VORAN·HITZEWELLEN SCHWÄCHEN KONZENTRATION UND WOHLBEFINDEN IN EUROPA, SAGEN WISSENSCHAFTLER·EUROPÄISCHE STÄDTE MACHEN ÖFFENTLICHE BÄUME ZU KOSTENLOSEM ESSEN FÜR DIE BEWOHNER·KI DOMINIERT DAS NETZ, NUTZER SUCHEN NACH WEGEN, MENSCHLICHE INHALTE ZU SCHÜTZEN·ESSBARE STADT: WIE BÜRGER OBST VON ÖFFENTLICHEN BÄUMEN ERNTEN UND WAS DAS FÜR EUROPA BEDEUTET·WOCHE 38 · VOL. XV · N°259·
Brüssel · Gegr. 2012
Unabhängiger europäischer Journalismus

Unionpress

Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
Start/Europa/eine-sprache-vier-namen-und-wie-viele-bersetzerinnen
Europa30. Juli 2026

Der EU‑Beitritt Montenegros wirft Fragen zur Sprachpolitik auf

Montenegros Wunsch, als 28. Mitgliedstaat der EU beizutreten, stellt die Aufnahme einer neuen Amtssprache in den Fokus.

Der EU‑Beitritt Montenegros wirft Fragen zur Sprachpolitik auf

Der Europäische Rat hat im April Montenegros Antrag genehmigt, mit der Ausarbeitung eines Beitrittsvertrags zu beginnen. Der kleine Balkanstaat strebt an, bis 2028 das achtundzwanzigste Mitglied der Europäischen Union zu werden und wirbt unter dem Slogan "28 bis 28" für das Vorhaben.

Sprachlicher Status in der Diskussion

Die Amtssprache Montenegros ist Montenegrinisch, und die Regierung könnte beantragen, diese als fünfundzwanzigste Amtssprache der EU aufzunehmen. Montenegrinisch und Kroatisch sind gegenseitig verständliche Standardvarianten der ehemaligen Sprache Serbokroatisch, zu der auch Bosnisch und Serbisch gehören. Nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er‑Jahren haben die Nachfolgestaaten eigene Sprachstandards geschaffen, um die nationale Identität zu stärken, doch die Sprecher der vier Standardvarianten verstehen sich im Alltag im Großen und Ganzen.

Kroatien hat aktiv ein eigenständiges kroatisches Vokabular gefördert und Begriffe vermieden, die als Serbismen wahrgenommen werden, um die sprachliche Unabhängigkeit zu betonen. Die Volkszählung von 2023 in Montenegro zeigt, dass mehr Befragte Serbisch als Muttersprache angeben, obwohl Montenegrinisch die offizielle Sprache ist. Montenegrinische Schulen verwenden den Begriff Muttersprache und Literatur, um sprachpolitische Kontroversen zu umgehen.

In Bosnien‑Herzegowina werden drei Amtssprachen, Bosnisch, Serbisch und Kroatisch, anerkannt, was bedeutet, dass viele staatliche Dokumente in drei Versionen erstellt werden müssen. Die EU bestimmt Amtssprachen nach den Mitgliedstaaten und lässt sie durch den Rat genehmigen; die Entscheidung basiert nicht auf linguistischer Distanz.

Finanzielle und praktische Folgen

Die Aufnahme einer neuen Amtssprache erzeugt zusätzlichen Bedarf an Übersetzungs‑ und Dolmetschdiensten. Die EU gibt jährlich etwa eine Milliarde Euro für Übersetzungs‑ und Dolmetschaktivitäten aus. Im Jahr 2025 wurden rund 2,5 Millionen Seiten übersetzt, wobei mehr als die Hälfte juristische Texte betraf. Würde Montenegrinisch als offizielle EU‑Sprache eingeführt, müsste ein neuer Pool von Übersetzern und Dolmetschern aufgebaut werden, obwohl viele Texte bereits auf Kroatisch vorliegen.

Einige Beobachter bezweifeln, ob die zusätzlichen Kosten gerechtfertigt sind, und verweisen auf die Ähnlichkeit zwischen Montenegrinisch und Kroatisch. Andere argumentieren, dass jede Amtssprache den gleichen rechtlichen Status hat und Bürgerinnen und Bürger mit den EU‑Institutionen in ihrer Muttersprache kommunizieren können müssen. Die EU betrachtet sprachliche Gleichheit als Grundprinzip.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien nutzte eine kombinierte Arbeitssprache, die als BKS, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, bezeichnet wurde, und erlaubte Dolmetschern, über nationale Sprachstandards hinweg zu arbeiten. Kritiker des Ansatzes behaupteten, Zeugen könnten Dolmetscher aus anderen ethnischen Gruppen nicht verstehen; Linguisten wiesen diese Behauptung zurück.

Mögliche Vorgehensweisen und breitere Auswirkungen

Die EU‑Sprachpolitik ist ein rechtlicher Mechanismus; jede Amtssprache hat das gleiche rechtliche Gewicht und unterstützt die demokratische Teilhabe. Eine 2017 unterzeichnete Erklärung zur gemeinsamen Sprache, unterzeichnet von über zweihundert Linguisten, Schriftstellern und öffentlichen Persönlichkeiten aus Bosnien‑Herzegowina, Kroatien, Montenegro und Serbien, bezeichnete die vier Standards als polyzentrische Sprache. Befürworter schlagen vor, dass die Erklärung ein Modell für eine flexiblere Sprachpolitik werden könnte, falls Montenegro der EU beitritt.

Einige Praktiker schlagen vor, Montenegrinisch als Amtssprache anzuerkennen, aber zunächst auf vorhandene kroatische Übersetzungen zurückzugreifen, um die Kosten zu begrenzen, mit dem Plan, später einen eigenen Übersetzungskorpus aufzubauen. Die Einführung einer neuen Amtssprache hätte finanzielle und politische Auswirkungen für die EU und würde Anpassungen im Übersetzungsbudget erfordern. Mitgliedstaaten, die bereits mehrere Amtssprachen verwalten, wie Belgien, Finnland und Irland, könnten hier wertvolle Erfahrungen einbringen.

Die Debatte könnte das Bewusstsein für sprachliche Vielfalt innerhalb der EU stärken und als Präzedenzfall für zukünftige Beitrittskandidaten mit eng verwandten Sprachen dienen. Für montenegrinische Bürgerinnen und Bürger könnte die Verfügbarkeit von EU‑Recht in Montenegrinisch die Klarheit erhöhen und den Zugang zu EU‑Förderprogrammen erleichtern. Höhere Verwaltungskosten könnten schließlich in höheren Beiträgen der Mitgliedstaaten oder in reduzierten Fördermitteln resultieren.

Die Beitrittsverhandlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium, und die Entscheidung über den Status von Montenegrinisch als EU‑Amtssprache wird nach den Beratungen im Rat getroffen werden. Bis eine Entscheidung getroffen ist, bleibt unklar, ob die EU zusätzliche Mittel bereitstellen wird, um die sprachliche Gleichheit für ein neues Mitglied zu gewährleisten.

■ ENDEEuropa© UnionPress 2026