EU-Beobachter melden schwere Unregelmäßigkeiten bei sambischer Präsidentschaftswahl im Kontext des Lobito-Korridors
Die EU‑Wahlbeobachtungsmission kritisiert Angriffe auf Auszählungszentren und mutmaßliche Einflussnahme der UPND, während das 2‑Milliarden‑Euro‑Projekt Lobito Corridor im Fokus steht.

Die Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union erklärte, dass die sambische Präsidentschaftswahl von einer Reihe von Unregelmäßigkeiten überschattet wurde, darunter bewaffnete Angriffe auf Auszählungszentren und angebliche Eingriffe von Mitgliedern der United Party for National Development (UPND). Der erste Lagebericht, der am 13. August veröffentlicht wurde, stellte fest, dass 43 % der besuchten Auszählungszentren sehr gut funktionierten, doch nachfolgende Ereignisse führten zu einem deutlichen Rückgang der Gesamtauszählung.
Bewaffnete Einsätze und Aussetzung der Auszählung
Am 15. August drang eine bewaffnete Gruppe in ein zentrales Auszählungszentrum in Lusaka ein und entfernte Ergebnisformulare aus fast allen Wahllokalen der Stadt. Einen Tag später berichteten Beobachter von glaubwürdigen Zeugenaussagen, dass UPND‑Kader zwei von drei Auszählungszentren in Kabwe überfielen und den Auszählungsprozess stoppten. Die Wahlkommission Sambias (ECZ) verzeichnete gewaltsame Vorfälle gegen Wahlhelfer und mutmaßlichen Diebstahl von Stimmzettelkasten, was am 14. August zur Aussetzung der Stimmenauszählung führte.
Als die Auszählung wieder aufgenommen wurde, stellten die Missionsbeobachter fest, dass die Qualität der Auszählung erheblich nachgelassen hatte. Die Mission bewertete 12 % der beobachteten Zentren als schlecht oder sehr schlecht und 27 % als sehr gut. Fast die Hälfte der Beobachtungen vermerkte lange Unterbrechungen, wobei die zurückkehrenden Wahlleiter offenbar auf Anweisungen der ECZ warteten, bevor sie Ergebnisse verkündeten. Zudem wurde ein Rückgang bei der Überprüfung beobachtet, ob digitale Ergebnisse mit den papierbasierten Auszählungsblättern übereinstimmten, nachdem die Aussetzung beendet war.
Wahlergebnis und rechtliche Anfechtung
Präsident Hakainde Hichilema von der UPND wurde am 18. August mit etwa 60 % der Stimmen zum Sieger erklärt, während der Oppositionskandidat Brian Mundubile rund 38 % erhielt. Am 19. August kündigte Mundubile an, das Ergebnis vor Gericht anzufechten, und berief sich dabei auf dokumentierte schwere Unregelmäßigkeiten, Inkonsistenzen und Umstände im Zusammenhang mit Durchführung, Auszählung, Übermittlung und Bekanntgabe der Ergebnisse.
Strategischer Kontext: Der Lobito‑Korridor
Die Wahl fand statt, während Sambia den Lobito‑Korridor beherbergt, ein 2‑Milliarden‑Euro‑Schienenprojekt, das Sambia und die Kupferregion der Demokratischen Republik Kongo mit dem Tiefwasserhafen in Angola verbindet. Der Korridor ist Teil der EU‑Politik, den Zugang zu kritischen Mineralien zu sichern, wobei Sambia und die DR Kongo zu den weltweit größten Kupferproduzenten zählen. Im November kündigte die Europäische Kommission einen separaten Zuschuss von 50 Millionen Euro zur Weiterentwicklung des sambischen Schienennetzes an, der die umfangreichere Finanzierung des Lobito‑Korridors ergänzen soll.
Finanzierungsbeschuldigungen und Unternehmensreaktion
Im Juli veröffentlichte die NGO Global Witness einen Bericht, der den kanadischen Bergbaukonzern First Quantum Minerals beschuldigte, in den letzten zehn Jahren erhebliche Beiträge an Hichilema und die UPND geleistet zu haben, darunter ein versprochenes Darlehen von 50 Millionen Dollar vor der Wahl. Die Partei wies ausländische Finanzierung zurück. First Quantum Minerals verwies die Vorwürfe als völlig unbegründet und auf unbestätigte Spekulationen zurück. Das Unternehmen betonte zudem, dass es im Jahr 2025 3,46 Milliarden Dollar an Steuern an die sambische Regierung gezahlt habe und damit der größte Einzelsteuerzahler des Landes sei, und versicherte, dass es die Kampagne Hichilemas nie finanziert habe.
Weitere Bedenken
Europäische Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Gruppen äußerten Sorge, dass die gemeldeten Unregelmäßigkeiten die gesellschaftliche Akzeptanz großer Infrastrukturprojekte, die auf Gemeinschaftsunterstützung und faire Arbeitsbedingungen angewiesen sind, gefährden könnten. Die sambischen Gerichte werden über die Berechtigung von Mundubiles Rechtsstreit entscheiden, und die EU‑Beobachtungsmission wird die Verfahren weiter verfolgen, da das Ergebnis die EU‑Strategie zur Sicherung kritischer Lieferketten für Mineralien durch stabile demokratische Partner beeinflussen könnte.
