EU fordert von Israel Entschädigung für 150 Millionen Euro beschädigter Projekte in Gaza und Westjordanland
Die Europäische Union verlangt von Israel die Rückzahlung von Schäden an EU‑finanzierten Projekten im Wert von rund 150 Millionen Euro.

EU‑Beamte haben Israel formell aufgefordert, für Schäden an Projekten zu zahlen, die mit EU‑Mitteln in Gaza und dem besetzten Westjordanland finanziert wurden. Der geschätzte Wert der zerstörten oder beschädigten Anlagen liegt bei etwa 150 Millionen Euro.
Hintergrund der Forderung
Die Aufforderung folgt einer Reihe formeller Schreiben, die die Europäische Kommission seit 2020 an die israelischen Behörden gesandt hat. In diesen Schreiben wurde die Wiederherstellung von Krankenhäusern, Schulen, Entsalzungsanlagen und anderer Infrastruktur gefordert, die während der jüngsten Kämpfe beschädigt oder zerstört wurden.
Rechtliche Grundlage
EU‑Kommissare berufen sich auf das Völkergewohnheitsrecht, das einen Staat, der eine völkerrechtswidrige Handlung begeht, verpflichtet, den daraus resultierenden Schaden zu reparieren. Derselbe Rechtsgrundsatz wurde von der Union in ihrer Unterstützung für die Ukraine angeführt, wobei das Register der Schäden des Europarates und die Internationale Schadenskommission als Mechanismen zur Erlangung von Entschädigungen von Russland genannt wurden.
Umfang der Schäden
Analysten schätzen, dass mindestens 150 Millionen Euro an EU‑gefördertem Bau in Gaza und dem Westjordanland zerstört wurden. Die Summe umfasst Projekte, die direkt aus dem EU‑Haushalt finanziert wurden, sowie bilaterale Hilfsprogramme einzelner Mitgliedstaaten. Zu den wichtigsten beschädigten Einrichtungen gehören eine Entsalzungsanlage, die Zehntausende Menschen mit Trinkwasser versorgt, ein Umspannwerk, das nach früheren Stromausfällen die Stromversorgung wiederherstellte, und mehrere Schulen, die nach vorherigen Konflikten wieder aufgebaut worden waren.
Zoll- und Mehrwertsteuereinnahmen
Die EU weist zudem darauf hin, dass Israel Zölle und Mehrwertsteuer, die es im Auftrag der Palästinensischen Autonomiebehörde nach dem Pariser Protokoll von 1994 erhebt, einbehält. Diese einbehaltenen Einnahmen seien die Hauptfinanzierungsquelle der palästinensischen Verwaltung, und EU‑Beamte argumentieren, dass Israel die vollständige und bedingungslose Übertragung der zurückgehaltenen Zoll‑ und Steuererlöse wieder aufnehmen sollte.
Politische Reaktionen
Abgeordnete des Europäischen Parlaments aus der Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten haben einen Entschließungsentwurf erstellt, der die Europäische Kommission auffordert, detaillierte Daten zu den Schäden zu veröffentlichen und rechtliche Wege für Entschädigungen zu prüfen. Gewerkschaften in ganz Europa unterstützen die Entschädigungsforderung und betonen, dass Staaten finanziell für Schäden an von europäischen Steuerzahlern finanzierten Infrastrukturen zur Verantwortung gezogen werden müssen.
Reaktion Israels
Die israelische Regierung hat bislang nicht auf die jüngste EU‑Anfrage reagiert. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums lehnte es ab, zu den konkreten Schadenszahlen Stellung zu nehmen, und bekräftigte Israels Verpflichtung zum Schutz und Wohlergehen aller Zivilisten in der Region.
Rechtliche und finanzielle Folgen
Würde Israel die EU entschädigen, würde die Rückzahlung in den EU‑Haushalt fließen und die finanzielle Belastung des Wiederaufbauprogramms für europäische Steuerzahler verringern. Die Europäische Kommission wird voraussichtlich in den kommenden Wochen einen detaillierten Bericht über die zerstörten Vermögenswerte veröffentlichen und anschließend eine formelle Rückzahlungsforderung stellen.
Parallel diplomatischer Bemühungen
Parallel dazu werden diplomatische Anstrengungen erwartet, um die Freigabe der von Israel einbehaltenen Zoll‑ und Steuererlöse zu verhandeln. Rechtsexperten vermuten, dass die EU bei Scheitern der Verhandlungen den Streit vor den Internationalen Gerichtshof bringen oder ein Schiedsverfahren über die vom Europarat eingerichteten Mechanismen anstreben könnte.
Zukünftiger Wiederaufbau
Die EU plant offenbar, einen Teil ihres langfristigen Haushalts für den Wiederaufbau in Gaza bereitzustellen, wobei die Europäische Investitionsbank die Finanzierung von Wohnraum, Gesundheitsdiensten und grundlegenden Versorgungsinfrastrukturen leiten soll. EU‑Beamte betonen, dass jede Wiederaufbaumaßnahme an Rechenschaftsmechanismen geknüpft sein muss, um Missbrauch von Mitteln zu verhindern und zukünftige Verstöße abzuschrecken.
Strategische Bedeutung
Die Entschädigungsforderung wird als Teil einer Anstrengung präsentiert, den Ruf der Union im Globalen Süden zu stärken, wo sie wegen doppelter Standards im Gaza‑Konflikt kritisiert wird.
