EU startet 5‑Milliarden‑Euro‑Scaleup‑Europe‑Fonds, um Deep‑Tech‑Start‑ups auf dem Kontinent zu halten
Der neue Scaleup‑Europe‑Fonds soll die vielversprechendsten Deep‑Tech‑Unternehmen Europas mit öffentlichen Mitteln unterstützen.

Die Europäische Kommission hat am Dienstag verkündet, dass der 5 Milliarden‑Euro‑Scaleup‑Europe‑Fonds nun operativ ist. Der Fonds bildet die erste Tranche öffentlicher Gelder, die darauf abzielt, Europas vielversprechendste Deep‑Tech‑Unternehmen auf dem Kontinent zu halten, und wird von der in Stockholm ansässigen Private‑Equity‑Gruppe EQT verwaltet.
Struktur und Ziele des Fonds
Das Kapital des Fonds stammt aus einer Mischung von Pensionsplänen, staatlich verbundenen Investment‑Einheiten und Family Offices, darunter Dänemarks Export‑ und Investitionsfonds EIFO, die niederländische Pensionsgruppe ABP über APG und der Versicherer Allianz. Die Kommission gibt an, dass die Mittel in Sektoren fließen, die sie als „strategische Deep‑Tech" bezeichnet: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Biotechnologie und saubere Energielösungen. Die ersten Investitionen werden in wenigen Wochen erwartet, Entscheidungen erfolgen einzeln und zu Marktbedingungen.
Scaleup Europe ist Teil des größeren European Innovation Council Fund, einem Vehikel, das EU‑Präsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zum Staat der Union 2025 vorgestellt hat. Der Fonds soll eine Finanzierungslücke schließen, die vielen Start‑ups nach der Seed‑Phase begegnet, eine Lücke, die in den USA üblicherweise durch größere Risikokapitalpools gefüllt wird.
EQT als Manager
EQT wurde nach einem wettbewerblichen Vergabeverfahren Anfang des Jahres ausgewählt und setzte sich gegen Konkurrenten wie Atomico aus London und Eurazeo aus Frankreich durch. Die Kommission hob EQTs Erfolgsbilanz im Technologiebereich und die Fähigkeit hervor, zusätzliches privates Kapital aus ganz Europa anzuziehen. EQT Ventures, der Venture‑Arm von EQT, verwaltet rund 2 Milliarden Euro und hat Unternehmen wie den autonomen Lkw‑Hersteller Einride und den Mikromobilitätsanbieter Voi unterstützt.
In den letzten fünf Jahren hat EQT 134,4 Milliarden US‑Dollar (etwa 116,7 Milliarden Euro) an Private‑Equity‑Kapital eingeworben und ist damit das zweitgrößte globale Private‑Equity‑Haus nach KKR. Zum Portfolio gehören Nord Anglia Education, der Chemiedistributor Azelis, der Hypothekengeber Enity, der Rechenzentrum‑Betreiber EdgeConneX und die Kühlgerätegruppe Beijer Ref. Nur wenige der bestehenden Beteiligungen von EQT fallen direkt in die von dem neuen Fonds anvisierten Deep‑Tech‑Kategorien, etwa das Quanten‑Computing‑Start‑up SEEQC, die Fusionsenergie‑Projekte Marvel Fusion und EX‑Fusion, der Elektro‑Flugzeug‑Entwickler Heart Aerospace und der Batteriezulieferer Verkor. Der Großteil der Technologiebeteiligungen liegt in Biotech, Pharma und Business‑Software wie Sitecore, der Zahlungsplattform Mollie und dem Second‑Hand‑Mode‑Marktplatz Vinted. Neuere KI‑Investitionen wie der Rechtsassistent Harvey und das Kundenservice‑KI‑System Parloa setzen auf externe Large‑Language‑Models, statt eigene Spitzen‑KI zu entwickeln.
Kritik und Reaktion der Branche
Kritiker bemängeln, dass EQTs Kerngeschäft Buyouts und nicht Frühphasen‑Venture‑Investitionen sei. Ein leitender Analyst der European Venture Capital Association warnte, dass Deep‑Tech‑Projekte geduldiges Kapital und eine höhere Risikotoleranz benötigen und dass die Anwendung derselben Renditeerwartungen wie bei reifen Buyouts die Fähigkeit von EQT einschränken könnte, die ambitioniertesten Start‑ups anzuziehen. Ein Sprecher des Europäischen Gewerkschaftsbundes argumentierte, dass Europa Finanzierungen in dem Umfang sichern müsse, wie sie US‑ und asiatische Investoren bereitstellen, um eine führende Rolle in der nächsten Innovationswelle zu bewahren.
Auswirkungen für Europa und das Vereinigte Königreich
Dänemark, die Niederlande und Deutschland haben die Initiative bereits unterstützt. Das Vereinigte Königreich, das nicht mehr an EU‑Förderprogrammen teilnimmt, könnte seine Deep‑Tech‑Firmen zum neuen europäischen Pool locken. Der Fonds wird in den kommenden Wochen seine ersten Deals bekannt geben, was Aufschluss darüber geben wird, wie EQT seine traditionelle Private‑Equity‑Strategie mit den strategischen Zielen der EU vereinbart. Sollten die ersten Investitionen erfolgreich sein, könnte das Modell auf andere Prioritätsbereiche wie grünen Wasserstoff oder fortschrittliche Fertigung übertragen werden.
Der 5‑Milliarden‑Euro‑Scaleup‑Europe‑Fonds ist ein seltenes Beispiel dafür, dass öffentliche Mittel an einen privaten Manager mit nachweislicher Kapitalbeschaffungs‑Erfahrung vergeben werden. Seine Performance wird von Politikern, Investoren und der Deep‑Tech‑Community gleichermaßen genau beobachtet.