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Vol. XV · N°258
Dienstag, 15. September 2026
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Politik09. September 2026

EU stellt Gesetz für bezahlbaren Wohnraum vor, steigende Mieten und wachsende Obdachlosigkeit

Die Europäische Kommission lanciert einen Gesetzentwurf, der Kurzzeitvermietungen begrenzen, energetische Sanierungen fördern und Investitionen in günstigen Mietwohnungsbestand mobilisieren will.

EU stellt Gesetz für bezahlbaren Wohnraum vor, steigende Mieten und wachsende Obdachlosigkeit

Die Europäische Kommission hat heute den Start eines Gesetzes für bezahlbaren Wohnraum angekündigt, das die stark steigenden Mieten eindämmen und die wachsende Obdachlosigkeit im Block bekämpfen soll. Der Schritt folgt auf Eurostat‑Daten, die im ersten Quartal 2026 einen Anstieg der Mieten um 3 % im Vergleich zum Vorjahr zeigen, ein Trend, den Gewerkschaften und soziale Organisationen als Gefahr für geringverdienende Beschäftigte bezeichnen.

Leitplanken des Gesetzentwurfs

Der Entwurf, der zusammen mit unverbindlichen Empfehlungen präsentiert wurde, konzentriert sich auf drei Haupthebel: die Beschränkung von Kurzzeitvermietungen in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt, die Förderung energieeffizienter Renovierungen und die Mobilisierung öffentlicher sowie privater Investitionen für günstigen Mietwohnungsbestand. Die Kommission verzichtet zwar auf verbindliche Mietobergrenzen, weist jedoch darauf hin, dass die Mitgliedstaaten solche Maßnahmen in ihrer nationalen Politik prüfen können.

Kurzzeitvermietungen im Fokus

Ein zentrales Vorhaben ist eine Regelung, die die Umwandlung von Langzeitwohnungen in Plattformen wie Airbnb in sogenannten "Housing‑Stress‑Zonen" einschränken würde. Das Konzept orientiert sich an den Erfahrungen Sloweniens, wo strengere Regeln für Ferienunterkünfte laut Berichten zahlreiche Immobilien wieder auf den Langzeitmarkt gebracht und zu einem leichten Rückgang der durchschnittlichen Mieten beigetragen haben.

Städte wie Amsterdam, Berlin, Brüssel, Barcelona und Florenz haben bereits lokale Beschränkungen für Kurzzeitvermietungen eingeführt. In Amsterdam und Barcelona stieg der Anteil der Wohnungen, die für Langzeitvermietungen zur Verfügung stehen, doch die Mieten zeigen noch keinen klaren Abwärtstrend. Kritiker warnen, dass ohne ein koordiniertes EU‑weites Rahmenwerk die Wirkung solcher Maßnahmen fragmentiert bleibt.

Renovierung, Umnutzung und Neubau

Die Empfehlungen der Kommission fordern die nationalen Behörden zudem auf, energieeffiziente Sanierungen, Erweiterungen und Umnutzungen bestehender Gebäude zu fördern. Durch die Verbesserung der Wohnungsqualität will die EU den Bedarf an teuren Neubauten reduzieren und gleichzeitig die Klimaziele erreichen. Die Finanzierung soll über EU‑Programme und nationale Förderungen laufen, wobei ein Schwerpunkt auf der Einbindung privaten Kapitals liegt, um öffentliche Investitionen zu ergänzen.

Parallel dazu fordert das Gesetz die Entwicklung von günstigen Miet- und Sozialwohnungen. Die Mitgliedstaaten sollen spezielle Fonds einrichten, Planungsverfahren vereinfachen und, wo möglich, leerstehende Immobilien für bezahlbare Einheiten nutzen. Die EU schätzt, dass etwa eine Million Menschen auf dem Kontinent derzeit obdachlos sind, eine Zahl, die laut NGOs wie der Europäischen Plattform für Wohnungsrechte in den letzten Jahren verdoppelt hat.

Mietobergrenzen fehlen im Kerntext

Trotz des Drucks von Wohnungsaktivisten enthält der Entwurf keine verbindlichen Mietobergrenzen. Die Kommission argumentiert, dass die Mietregulierung eine nationale Zuständigkeit sei und die Wirksamkeit von Obergrenzen stark variiere. In Paris wird ein Mietkontrollsystem zugeschrieben, die Mieten um etwa fünf Prozent niedriger zu halten, doch die Hälfte der Angebote überschreitet weiterhin die Obergrenze. Schweden hingegen verzeichnet steigende Mieten trotz eines langjährigen Mietkontrollsystems.

Gewerkschaftsvertreter sehen das Fehlen von Obergrenzen als Zeichen einer Zurückhaltung, die Grundursachen unaffordable Wohnraums anzugehen. "Wir brauchen entschlossene Maßnahmen zu Mietobergrenzen, nicht nur freiwillige Empfehlungen", sagte Maria Rossi, Sprecherin der Europäischen Föderation der Gewerkschaften. "Andernfalls bleibt die Belastung bei den Arbeitnehmern, deren Löhne kaum mit den Preissteigerungen Schritt halten."

Reaktionen der Mitgliedstaaten

Wohnungsministerien mehrerer Länder begrüßen den EU‑Fokus auf Kurzzeitvermietungen, warnen jedoch, dass jede Regelung die nationalen Rechtsrahmen respektieren müsse. Der belgische Wohnungsminister Johan De Vries betonte, dass Brüssel bereits flexible Regeln für überhöhte Mieten habe und ein einheitliches EU‑Gesetz mit lokalen Marktdynamiken kollidieren könnte.

Der menschliche Preis hinter den Zahlen

Berichte aus der Praxis verdeutlichen die Dringlichkeit der Debatte. In Griechenland musste eine Grundschullehrerin, die in eine touristisch stark frequentierte Region versetzt wurde, mit ihrer kleinen Tochter in einem Zelt leben, weil ihr Gehalt die lokalen Mietkosten nicht deckte. Ähnliche Fälle wurden in Spanien, Italien und Portugal gemeldet, wo tourismusbedingte Preissteigerungen das Lohnwachstum übertreffen.

Diese Schicksale spiegeln breitere Statistiken wider: Der aktuelle Wohnungs‑Affordabilitäts‑Index von Eurostat zeigt, dass in 12 EU‑Ländern mehr als 20 % der Haushalte über 40 % ihres verfügbaren Einkommens für Miete oder Hypotheken ausgeben. Besonders stark ist dieser Trend in Hauptstädten und Küstenregionen, die sowohl Touristen als auch ausländische Investoren anziehen.

Ausblick

Der Gesetzentwurf wird in den kommenden Monaten im Europäischen Parlament und im Rat der Minister diskutiert. Wird er angenommen, könnte die Regelung zu Kurzzeitvermietungen bereits 2027 in Kraft treten, wobei die Mitgliedstaaten "Housing‑Stress‑Zonen" benennen und die Einhaltung überwachen müssten.

Gleichzeitig fordern NGOs die Kommission auf, ein klares Element zu Mietobergrenzen in das Empfehlungspaket aufzunehmen, da ohne Preisdeckel der Markt weiterhin Investoren gegenüber Mietern begünstige. Der Ausschuss für regionale Entwicklung des Europäischen Parlaments hat für Oktober eine Anhörung zu diesem Thema angesetzt und Vertreter von Mietergewerkschaften, Wohnungs‑NGOs und dem Gastgewerbe eingeladen.

Für Arbeitnehmer und Familien in ganz Europa wird das Ergebnis dieser Verhandlungen darüber entscheiden, ob die EU ihre Klima‑ und Sozialziele in greifbare Entlastungen im Wohnungsbereich umsetzen kann. Während die Mietpreise weiter steigen, dürfte der Druck auf die nationalen Regierungen, entschlossen zu handeln, zunehmen, und das neue EU‑Rahmenwerk bietet sowohl Katalysator als auch Messlatte für zukünftige Politiken.

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