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Vol. XV · N°258
Dienstag, 15. September 2026
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Europa10. September 2026

Europäische PISA‑Ergebnisse sinken, während asiatische Schulen aufholen

Im neuesten PISA‑Test schneiden europäische Schülerinnen und Schüler schlechter ab als ihre asiatischen Altersgenossen, nur Estland bleibt im Top‑Ten.

Europäische PISA‑Ergebnisse sinken, während asiatische Schulen aufholen

Europäische Schülerinnen und Schüler haben im jüngsten PISA‑Test, der alle drei Jahre die Fähigkeiten von 15‑Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften misst, schlechter abgeschnitten als ihre asiatischen Altersgenossen. Nur Estland blieb im Gesamtranking unter den Top‑Zehn, ein krasser Kontrast zu der Dominanz von Singapur, mehreren chinesischen Regionen, Japan und Südkorea.

Warum asiatische Schulen besser abschneiden

Analysten betonen, dass die Lücke nicht allein durch die Finanzierung erklärt werden kann. EU‑Länder geben im Schnitt 4,7 % des Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus, deutlich mehr als die rund 2 % in Singapur und 3 % in den getesteten chinesischen Regionen. Trotzdem erzielen die asiatischen Volkswirtschaften konstant höhere Punktzahlen.

Gemeinsam ist ihnen ein starker kultureller Fokus auf das Lernen. Die Schultage sind länger, die Lehrpläne eng getaktet und die elterliche Beteiligung intensiv. Nachhilfe, häufig über Nachmittagsprogramme organisiert, ist ein normaler Bestandteil des Lernalltags. Dadurch fallen nur wenige Schülerinnen und Schüler stark zurück; in Frankreich hat zum Beispiel etwa jeder dritte 15‑Jährige Schwierigkeiten, einen Text zu verstehen, während in den chinesischen Regionen die Quote bei etwa einem von vierzehn liegt.

Solche intensiven Ansätze werden in Europa wegen des Drucks auf die psychische Gesundheit von Kindern kritisiert. Dennoch deuten die Daten auf einen Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Priorität für schulische Leistungen und den PISA‑Ergebnissen hin.

Entwicklung der europäischen Leistungen

Innerhalb der EU bleibt Estland herausragend. Der baltische Staat erzielt seit mehreren Bewertungszyklen stabile, starke Ergebnisse in allen drei Bereichen, ein Erfolg, der häufig mit der frühen Einführung digitaler Lernmittel und einer gut ausgebildeten Lehrerschaft verbunden wird.

Irland und Finnland liegen ebenfalls relativ gut und belegen Plätze in der oberen Tabellenhälfte. Ihre Punktzahlen zeigen jedoch leichte Rückgänge, die den allgemeinen europäischen Trend widerspiegeln.

Die Slowakei ist das einzige Land, bei dem das Bild nicht durchweg negativ ist. Die Punktzahl in Naturwissenschaften stieg leicht, während Mathematik und Lesen im Wesentlichen auf dem Niveau von 2022 blieben. Die slowakische Regierung hat kürzlich Reformen zur Modernisierung der Lehrpläne und zum Ausbau der digitalen Infrastruktur eingeführt, deren Wirkung auf die neuesten PISA‑Ergebnisse jedoch noch unklar ist. Das Land investiert etwa 5 % des BIP in Bildung, leicht über dem EU‑Durchschnitt.

Der rückläufige Trend lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Einige Beobachter nennen die anhaltenden Folgen der Pandemie, die gravierende Ungleichheiten beim digitalen Zugang und den Lernbedingungen zu Hause offenbart haben. Andere argumentieren, dass Lehrplanüberladung, Lehrermangel und unzureichende berufliche Bildungswege den Fokus auf die Kernkompetenzen, die PISA misst, verwässern.

Was der Test wirklich misst

PISA hat sich seit seiner Einführung im Jahr 2000 weiterentwickelt. Neben Faktenwissen prüft die Bewertung heute Problemlösung, kreatives Denken, Finanzkompetenz und zunehmend digitale Fähigkeiten. Kritiker bemängeln, dass das sich ändernde Format langfristige Vergleiche erschwert; die heute getesteten Kompetenzen unterscheiden sich von denen vor zwei Jahrzehnten.

Trotzdem behandeln Politiker PISA weiterhin als Barometer der Bildungsqualität. Die Europäische Kommission beobachtet die Ergebnisse, um ihre Europe‑2020‑Agenda und das kommende Europäische Bildungsgebiet zu steuern, das Mobilität und lebenslanges Lernen in allen Mitgliedstaaten fördern soll.

Folgen für Arbeitnehmende und Haushalte

Niedrigere Punktzahlen wecken Sorgen über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Wenn Europa offene Stellen in High‑Tech‑ und Grüner‑Energie‑Sektoren besetzen will, könnte eine Belegschaft, die mit Grundrechenarten und Lese­fähigkeiten kämpft, den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft behindern.

Gewerkschaften warnen, dass Unterinvestitionen in die Lehrerausbildung und die Reduzierung von Klassengrößen das Problem verschärfen könnten. Sie fordern eine Neuausrichtung der öffentlichen Budgets, damit Schulen die Ressourcen erhalten, die sowohl Hoch­leister als auch Lern­schwächere unterstützen.

Arbeitgeber, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor, betonen die Bedeutung einer beruflichen Bildung, die den Bedürfnissen der Industrie entspricht. Einige Handelskammern schlagen vor, stärkere Verbindungen zwischen Schulen und Unternehmen, etwa durch Ausbildungsplätze und betriebsintegriertes Lernen, zu schaffen, um praktische Fähigkeiten zu fördern, ohne akademische Standards zu verwässern.

Ausblick

Die EU‑Bildungsministerinnen und -minister treffen sich später in diesem Jahr in Brüssel, um eine koordinierte Antwort zu erarbeiten. Auf der Agenda stehen Vorschläge für mehr Mittel für digitale Infrastruktur, Anreize zur Lehrer­rekrutierung und -bindung sowie eine Überprüfung der Bewertungs­methoden, damit sie die Fähigkeiten widerspiegeln, die von einer sich wandelnden Wirtschaft gefordert werden.

Ob diese Initiativen den Abwärtstrend umkehren können, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Kluft zwischen Europa und den leistungsstarken asiatischen Volkswirtschaften größer wird und dass es dabei nicht nur um Testergebnisse, sondern um die zukünftige Beschäftigungsfähigkeit von Millionen junger Europäer geht.

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