Europa vereint sich zum antifaschistischen Pastafest am 25. Juli
Am 25. Juli kochen Hunderte europäischer Städte gemeinsam Pasta, um an das antifaschistische Erbe eines kleinen italienischen Dorfes zu erinnern.
Am 25. Juli werden in mehreren hundert europäischen Städten gemeinschaftliche Mahlzeiten rund um Pasta veranstaltet, die bewusst das antifaschistische Erbe eines kleinen italienischen Dorfes aufgreifen. Das Ereignis, vor Ort als pastasciutta antifascista bekannt, hat sich von einer einzigen Nachkriegsfeier zu einer kontinentweiten Gedenk‑ und Protestaktion entwickelt.
Historische Wurzeln
Am 25. Juli 1943 fingen alliierte Truppen Benito Mussolini, woraufhin italienische Partisanen ihn festnahmen. Die Nachricht erreichte den Bauernhof der Familie Cervi, ein Vater und seine sieben Söhne, in einer winzigen Siedlung in der Provinz Reggio Emilia. In spontaner Freude kochten sie mehr als 380 Kilogramm Pasta, mischten sie mit Butter und Käse und verteilten das Gericht kostenlos auf dem Dorfplatz. Dieses bescheidene Mahl wurde später zu einem kraftvollen Symbol des antifaschistischen Widerstands.
Pasta wurde nicht zufällig gewählt. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts hatte sie sich von einem Luxusgut aus Neapel zu einem preiswerten Grundnahrungsmittel entwickelt, dank industrieller Produktion. Das faschistische Regime sah das von Importen abhängige Lebensmittel jedoch als Bedrohung seiner autarken Ziele. 1925 erhöhte Mussolini die Steuer auf Weizenimporte und förderte Reis als nationales Getreide. Ein futuristisches Kochbuch von 1932, das als kulinarisches Manifest des Faschismus gilt, beschuldigte Pasta, die Italiener "schwer, brutal und langsam" zu machen, und forderte ihre Abschaffung.
Von lokaler Erinnerung zu europäischer Bewegung
Die Geschichte der Familie Cervi geriet in Vergessenheit, bis das Alcide‑Cervi‑Institut, das im ehemaligen Bauernhaus der Familie untergebracht ist, begann, das Erbe zu bewahren. Das Institut betreibt heute ein Museum und eine Bibliothek, die dem antifaschistischen Widerstand gewidmet sind, und hat das jährliche Pasta‑Treffen institutionalisiert.
In den letzten Jahren hat sich das Ritual weit über Reggio Emilia hinaus ausgebreitet. Laut einem Sprecher des Instituts organisieren heute Hunderte von Städten ihre eigene pastasciutta antifascista am selben Tag. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 370 Veranstaltungen offiziell beim Institut registriert, wobei zahlreiche weitere Zusammenkünfte ohne formelle Meldung stattfanden. Organisatoren reichen von Kulturzentren, Museen und NGOs über Bürgerinitiativen bis hin zu antifaschistischen Gruppen wie ANPI (Associazione Nazionale Partigiani d'Italia) und verschiedenen politischen Organisationen.
Die Programme variieren, Konzerte, Theater, Filmvorführungen und Vorträge über Faschismus werden mit dem gemeinsamen Essen kombiniert. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos oder funktionieren nach dem Prinzip "pay‑what‑you‑can", und etwaige Erlöse fließen in der Regel an wohltätige Projekte.
Beim Hauptevent auf dem Cervi‑Bauernhof wurden 160 Kilogramm Pasta und 240 Kilogramm Gnocco fritto an rund 2 500 Besucher verteilt. Während das ursprüngliche Rezept mit Butter und Käse empfohlen wird, ist jede Sauce oder Nudelart zulässig; das Wesentliche ist, dass Menschen gemeinsam an einem Tisch sitzen.
Europäische Reichweite
Obwohl das Fest in Italien verwurzelt ist, findet es heute in Städten wie Brüssel, Frankfurt, London, Madrid, Paris und Glasgow statt, manchmal am 25. Juli, manchmal an angrenzenden Daten, um lokale Kalender zu berücksichtigen.
Organisatoren betonen, dass das Treffen mehr ist als eine historische Nachstellung. "An einem Tisch mit Fremden zu sitzen, ist eine kleine Geste, aber sie sagt, dass diese Werte noch immer unsere sind", erklärt ein Mitarbeiter des Cervi‑Bauernhofs. Das Ereignis bietet zudem eine Plattform, um über aktuelle Bedrohungen durch rechtspopulistische Strömungen zu diskutieren, und ermöglicht eine einfache, sichtbare Form der Solidarität, um das Gedächtnis an den Widerstand lebendig zu halten.
Fortsetzung des Erbes
Fünf Monate nach dem ersten Pastafest wurden die sieben Cervi‑Brüder von faschistischen Kräften ermordet. Bei ihrer Beerdigung erklärte der Vater: "Nach einer Ernte kommt eine andere." Dieses Gefühl liegt der heutigen Gedenkfeier zugrunde: Es geht nicht um ein vergangenes Scheitern, sondern um ein fortwährendes Engagement gegen Faschismus. "Pastasciutta antifascista ist nicht das Gedenken an eine Niederlage, sondern die Fortsetzung von etwas", sagt ein Mitglied des Instituts.
Die Botschaft ist klar, jeder kann das Ritual ausrichten, wo immer Menschen zusammenkommen, die Geschichte der Cervi teilen und ihre Ablehnung aller Formen des Faschismus signalisieren. Für alle außerhalb Italiens lautet die Einladung einfach: Ein Pastagericht kochen, Nachbarn und Freunde einladen und die Geschichte der Familie Cervi erzählen.
Die Details wurden zuerst vom Alcide‑Cervi‑Institut gemeldet.