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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Europa02. September 2026

Männer dominieren Kriminalität in Europa, Studie fordert geschlechtsspezifische Prävention

Neue Analysen zeigen, dass fast alle schweren Straftaten in der EU von Männern begangen werden, während Herkunft kaum erklärt, warum Männer häufiger straffällig werden.

Männer dominieren Kriminalität in Europa, Studie fordert geschlechtsspezifische Prävention

Schweden erlebte vor über einer Woche einen grausamen Angriff, bei dem ein 18‑jähriger Schüler einen 17‑jährigen Mitschüler mit einem Schwert tötete und zwei weitere schwer verletzte. Die Ermittlungen ergaben, dass der Täter ein Online‑Konto besaß, auf dem er Videos früherer Massenmörder teilte, und dass ein 16‑jähriger Junge ihn über verschlüsselte Nachrichten ermutigt hatte.

Der Vorfall ist das jüngste Beispiel einer erschreckenden Statistik: In fast allen Kategorien, von Kleinkriminalität über Vergewaltigung bis hin zu terroristischen Anschlägen, stehen Männer an vorderster Front. Im Jahr 2024 war von 18.000 erwachsenen Gefangenen in der Europäischen Union lediglich eine Frau.

Geschlecht als Hauptfaktor, nicht Herkunft

Die Zahlen sind in allen Mitgliedstaaten ähnlich, egal ob Finnland, Rumänien oder Länder mit hoher bzw. niedriger Migrationsrate. Eine detaillierte Auswertung der Kriminalitätsraten in Schweden und den drei größten europäischen Volkswirtschaften bestätigt das Bild: Die überwiegende Mehrheit der Tatverdächtigen ist männlich und häufig jung.

UN‑Daten aus dem Jahr 2023 zeigen, dass weltweit rund 44 % der Verdächtigen bei Tötungsdelikten im Alter von 15 bis 29 Jahren Männer sind. Gleichzeitig haben Männer dieser Altersgruppe das höchste Risiko, selbst Opfer von Gewalt zu werden.

Obwohl die Zahl der Tötungsdelikte im letzten Jahrzehnt um 11 % gesunken ist, haben Vergewaltigungen und andere Sexualdelikte um 7 % bzw. 10 % zugenommen, ein Trend, den die Europäische Kommission auf ein gestiegenes Problembewusstsein zurückführt. Bei 99 % der Verurteilungen wegen dieser Verbrechen handelt es sich um Männer.

Einwanderung erklärt das Kriminalitätsniveau nicht

Ein häufiges Argument in der öffentlichen Debatte lautet, dass Migrant*innen überproportional zu Gewaltverbrechen beitragen. Eine Studie der Universität Madrid aus dem Jahr 2026, die 5,5 Millionen rechtskräftige Verurteilungen in Spanien zwischen 2007 und 2023 analysierte, widerlegt diese Annahme weitgehend.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Einwanderung allein das Kriminalitätsniveau nicht erklärt, sobald demografische und sozioökonomische Faktoren berücksichtigt werden. Eingewanderte Menschen in Spanien sind im Schnitt jünger und häufiger männlich, was ihre höhere Kriminalitätsrate erklärt. Wird diese Alters‑ und Geschlechtsstruktur einbezogen, reduziert sich der Unterschied zwischen ausländischen und spanischen Tätern um fast 50 %.

Dennoch bleibt eine Lücke: Ausländische Staatsangehörige werden etwa doppelt so häufig verurteilt wie spanische Staatsbürger. Die Herkunft spielt jedoch eine differenzierte Rolle. Männer aus Brasilien, Paraguay, Senegal und der Ukraine werden seltener verurteilt als solche aus Frankreich, Belgien oder Rumänien, die alle über ein EU‑Aufenthaltsrecht verfügen. Männer aus Mexiko, Mali oder Pakistan werden sogar noch seltener verurteilt als spanische Männer.

Die Studie stellt zudem fest, dass die meisten Straftaten, die traditionell mit Einwanderung assoziiert werden, etwa Drogenkriminalität, von Kurzzeitreisenden oder Mitgliedern transnationaler krimineller Netzwerke begangen werden, nicht von regulär ansässigen Migrant*innen.

Opfer von Straftaten, die von Einwanderern verübt werden, sind häufig selbst ausländische Staatsangehörige, insbesondere Frauen im Kontext sexueller Gewalt.

Was die Zahlen wirklich vorhersagen

Unabhängig von Herkunft sind Urbanisierung und das Durchschnittsalter die beständigsten Prädiktoren für Kriminalität. In allen untersuchten Gruppen werden Männer etwa sechsmal so häufig verurteilt wie Frauen.

Die Autoren der spanischen Studie argumentieren, dass politische Maßnahmen zur Reduktion von Gewalt sich nicht auf die Herkunft, sondern auf das Geschlecht konzentrieren sollten. Präventionsprogramme, die speziell junge Männer ansprechen, könnten effektiver sein als pauschale Migrant*innen‑Kontrollen.

Gleichzeitig fordern sie mehr Regularisierungen und integrative Politiken, um die soziale und wirtschaftliche Teilhabe von Migrant*innen zu verbessern. Durch bessere Bildungschancen, Zugang zu Arbeitsplätzen und stabile Wohnverhältnisse ließe sich das Risiko von Kriminalität langfristig senken.

Für die EU‑Politik bedeutet das, dass Ressourcen stärker in geschlechtsspezifische Präventionsprogramme und in die Integration von jungen Männern, unabhängig von ihrer Herkunft, investiert werden sollten. Die Daten legen nahe, dass ein Fokus auf Männer als Risikogruppe, kombiniert mit einer inklusiven Integrationspolitik, die wirksamste Antwort auf die steigende Gewalt in europäischen Städten sein könnte.

Die Debatte um Migration und Kriminalität bleibt politisch brisant, doch die vorliegenden Zahlen fordern ein Umdenken: Statt Schuldzuweisungen an bestimmte Herkunftsgruppen sollten Regierungen und Gesellschaften die strukturellen Ursachen von Gewalt, Alter, Geschlecht, soziale Ausgrenzung, adressieren. Nur so lässt sich die Sicherheit in den Schulen, auf den Straßen und in den öffentlichen Räumen nachhaltig verbessern.

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