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Vol. XV · N°258
Dienstag, 15. September 2026
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Kultur07. September 2026

Hitzewellen fordern mehr Frauenleben in Europa, Studie verknüpft Geschlechterlücke mit Wohn- und Pflegebelastungen

Eine Untersuchung des urbanen Forschungsinstituts IDRA zeigt, dass soziale Faktoren und nicht physiologische Unterschiede für den höheren Anteil hitzebedingter Todesfälle bei Frauen verantwortlich sind.

Hitzewellen fordern mehr Frauenleben in Europa, Studie verknüpft Geschlechterlücke mit Wohn- und Pflegebelastungen

Das in Barcelona ansässige urbane Forschungsinstitut IDRA hat einen Bericht veröffentlicht, der das Übergewicht an hitzebedingten Todesfällen bei Frauen auf soziale Faktoren zurückführt und nicht auf physiologische Unterschiede. Die Analyse, die Sterbedaten aus dem Sommer 2022 untersuchte, zeigt, dass Frauen nach Anpassung an die Lebenserwartung 56 % häufiger starben als Männer.

Wohnungsbestand und urbane Hitze

In vielen europäischen Städten fehlen älteren Wohnblöcken, die zwischen den 1950er und 1980er Jahren gebaut wurden, angemessene Dämmung und Belüftung. In Barcelona belegen laut IDRA‑Studie überproportional ältere Frauen diese Wohnungen. "Wenn Ihr Gebäude die tagsüber eingeschlossene Wärme nicht abführen kann, befinden Sie sich praktisch in einem Ofen", erklärte Professorin Ronita Bardhan, die Umwelt und Gesundheit an der Universität Cambridge lehrt.

Selbst wenn Klimaanlagen vorhanden sind, kann die Hitze in schlecht isolierten Wohnungen verweilen und sie zu Todesfallen während langanhaltender Hitzewellen machen. Das Problem verschärft sich in dicht besiedelten Stadtteilen, in denen Grünflächen rar sind. Eine Analyse aus dem Februar zur Verteilung von städtischem Schatten ergab, dass einkommensschwache Viertel und Randzonen deutlich weniger baumgesäumte Straßen und schattige Gehwege haben als wohlhabende Gebiete.

Unbezahlte Pflegearbeit verstärkt die Belastung

Die größere Exposition von Frauen gegenüber Innenraumhitze hängt auch mit der ungleichen Aufteilung häuslicher Pflichten zusammen. Bardhan wies darauf hin, dass Frauen weiterhin den Großteil der Kinderbetreuung, Altenpflege und Hausarbeit übernehmen und dadurch mehr Zeit zu Hause während der heißesten Tageszeiten verbringen. "Frauen sind oft die Stoßdämpfer der Familie", sagte sie und beschrieb, wie sie den Komfort von Verwandten über den eigenen stellen.

Dieses Ungleichgewicht kann ein einfacher Thermostat zu einem Ort der Machtungleichheit machen. Cristina Ramos, Co‑Direktorin von Ecoserveis, einem Unternehmen, das am EU‑geförderten Cooltorise‑Projekt beteiligt ist, berichtete von Fällen, in denen männliche Partner die Fernbedienung der Klimaanlage behielten und Frauen in schwitzenden Räumen gefangen waren. "Das ist eine weitere Form von geschlechtsspezifischer Gewalt", erklärte Ramos.

Finanzielle Kontrolle kann dasselbe Muster verstärken. Ramos fügte hinzu, dass Männer Frauen manchmal vorwerfen, zu viel für Kühlmaßnahmen auszugeben, etwa für Vorhänge, Jalousien oder Ventilatoren, weil sie die Raumtemperatur überwachen, während die Männer bei der Arbeit sind.

Datenlücken behindern politische Reaktionen

Zuverlässige Statistiken zur sommerlichen Energiearmut sind selten. Die neueste Eurostat‑Zahl aus dem Jahr 2012 schätzte, dass 19 % der europäischen Haushalte ihre Wohnungen während heißer Monate nicht kühl halten können. Auf die Frage von TEC, ob die Behörde angesichts der klimabedingten Temperaturspitzen neue Erhebungen plant, bestätigte Eurostat, dass keine neue Umfrage vorgesehen sei, obwohl die Zahlen zur Energiearmut im Winter im Februar aktualisiert wurden.

Das Fehlen aktueller Informationen erschwert es, Interventionen dort zu platzieren, wo sie am dringendsten benötigt werden. Bardhan argumentierte, dass die Gestaltung von Lösungen für den "Durchschnittsbürger" vulnerable Untergruppen unsichtbar mache. "Wir brauchen mehr Repräsentation in unseren Daten, um verschiedene Risikogruppen zu identifizieren und dann hitzeschützende Maßnahmen zu entwickeln, die ihren spezifischen Bedürfnissen entsprechen", sagte sie.

Folgen für die europäische Politik

Die Ergebnisse kommen, während die Europäische Kommission das Cooltorise‑Projekt vorantreibt, das gemeindebasierte Kühlstrategien entwickeln und das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Auswirkungen von Hitze schärfen soll. Ignorieren Politiker die von IDRA hervorgehobenen sozialen Dimensionen, riskieren sie, einen Kreislauf zu perpetuieren, in dem Frauen, insbesondere in einkommensschwachen Wohnverhältnissen, die Hauptlast der klimabedingten Sterblichkeit tragen.

Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertreter in ganz Europa fordern strengere Bauvorschriften, die die Nachrüstung älterer Gebäude mit Dämmung und Belüftungssystemen vorschreiben. Sie verlangen zudem, dass soziale Wohnungsprogramme Kühllösungen integrieren und öffentliche Mittel für Subventionen bereitgestellt werden, damit Haushalte, die sich keine Stromkosten für Klimaanlagen leisten können, unterstützt werden.

Industrieverbände warnen hingegen, dass eine schnelle Nachrüstung die bereits knappen Energieversorgungskapazitäten belasten und die Kosten für Verbraucher erhöhen könnte. Sie argumentieren, dass marktbasierte Anreize, etwa Steuergutschriften für energieeffiziente Modernisierungen, ein nachhaltigerer Weg seien.

Was aus dem IDRA‑Bericht klar wird, ist, dass Hitzewellen nicht nur ein meteorologisches Phänomen sind, sondern ein soziales. Indem die Studie aufzeigt, wie Geschlecht, Einkommen und Wohnen zusammenwirken, liefert sie einen Fahrplan für europäische Städte, um die verletzlichsten Bewohner zu schützen, während der Klimawandel extreme Hitze zu einem dauerhaften Merkmal der Zukunft des Kontinents macht.

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