EU steht vor riesiger Versicherungslücke, da Klimakatastrophen bis zu drei Viertel der Verluste unversichert lassen
Neue EIOPA‑Daten zeigen, dass ein erheblicher Teil der klimabedingten Schäden in der EU nicht versichert ist.
Neue Daten der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) belegen, dass ein beträchtlicher Anteil der klimabedingten Verluste in der Europäischen Union unversichert bleibt. Für den Zeitraum 2021‑2024 werden die Gesamtschäden auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt, wobei zwischen 50 % und 75 % dieses Betrags von keiner Police gedeckt sind.
Umfang der unversicherten Exposition
Der Fehlbetrag entspricht 191 Milliarden Euro, die private Haushalte und Unternehmen selbst tragen müssen. Ein eindrückliches Beispiel liefert die Dürre 2022 in Rumänien, wo Versicherer lediglich 5 % des Schadens zahlten und der Staat weitere 8 % übernahm.
Im gesamten Block nehmen die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen, Waldbränden, Stürmen und Überschwemmungen zu, wie Klimaforscher bestätigen. In Hochrisikogebieten Polens und Portugals sind die Prämien für Hochwasserversicherungen so hoch, dass sich nur wenige sie leisten können, wodurch große Teile des Marktes leer oder unzugänglich bleiben.
Wirtschaftliche und soziale Folgen
Heather Grabbe, Senior Fellow beim Brüsseler Think‑Tank Bruegel, warnt, dass die Konsequenzen weit über die unmittelbare Katastrophe hinausgehen. "Das verursacht viel Leid für Menschen, deren gesamte Ersparnisse ausgelöscht werden können, aber es wirkt sich auch auf die gesamte Wirtschaft aus," erklärte sie und betonte, dass ein Rückgang der Konsumausgaben das Wachstum dämpfen und unbezahlte Kredite den Finanzsektor belasten könne.
Allein im Sommer 2023 reduzierten Dürre, Hitzewellen und Überschwemmungen den Wert von in der EU produzierten Gütern und Dienstleistungen kurzfristig um 43 Milliarden Euro. Prognosen gehen davon aus, dass die jährlichen Verluste durch Klimakatastrophen bis 2029 auf 126 Milliarden Euro ansteigen könnten, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Politische Reaktionen und Signale aus der Branche
Insurance Europe warnt, dass ein europaweiter Risikopool nur dann tragfähig sei, wenn Katastrophen nicht gleichzeitig mehrere Mitgliedstaaten treffen. Als Reaktion darauf hat EIOPA die Idee eines koordinierten Risikoteilungsfonds ins Spiel gebracht, der Versicherer entlasten, Prämien senken und den Versicherungsschutz in Hochrisikogebiete ausdehnen soll.
Experten betonen, dass finanzielle Instrumente allein die Lücke nicht schließen werden. Sie fordern präzisere Risikobewertungen und Anreize, die präventive Maßnahmen belohnen, etwa Prämienrabatte für Hausbesitzer, die ihre Gebäude hitzebeständig nachrüsten oder in Hochwasserschutz investieren.
Petra Hielkema, Vorsitzende von EIOPA, hebt die Auswirkungen auf Haushalte hervor: "Für Haushalte bedeutet diese Schutzlücke, dass ein einzelner Klimaschock zu langfristigen finanziellen Schwierigkeiten führen kann." Sie fügte hinzu, dass selbst wenn Regierungen alle Schadenskosten übernehmen würden, die öffentlichen Haushalte stark belastet wären und weniger Mittel für notwendige Anpassungsinvestitionen zur Verfügung stünden.
Was das für die Bürger bedeutet
Für den durchschnittlichen Steuerzahler unterstreichen die Ergebnisse die wachsende Bedeutung von gesellschaftlichem Engagement und Unterstützung lokaler Resilienzpläne. Hausbesitzer können ihr persönliches Risiko mindern, indem sie ihre Immobilien an die neuen klimatischen Realitäten anpassen und dafür sorgen, dass Nachbarschafts‑Feuer‑ und Hochwasserschutzmaßnahmen funktionsfähig sind.
Der Bericht macht deutlich, dass die bislang unterschätzte Versicherungslücke nicht nur ein privates finanzielles Risiko darstellt, sondern eine Bedrohung für die gesamtwirtschaftliche Stabilität der EU ist. Ohne koordinierte europäische Maßnahmen könnten die öffentlichen Finanzen zunehmend belastet werden, während private Vorsorgemaßnahmen unzureichend bleiben.