Studie zeigt dreifache Zunahme klimaresistenter Korallenriffe und gibt Hoffnung für europäische Überseegebiete
Neue Analysen belegen, dass weltweit etwa 1,5 Millionen km² an Korallenriffen das Potenzial besitzen, dem Klimawandel zu trotzen.
Wissenschaftler der Macquarie University in Sydney und der Wildlife Conservation Society in New York haben eine aktuelle Bewertung von Korallenriffen veröffentlicht, die den Belastungen eines erwärmenden Klimas standhalten können. Ihre Analyse erstreckte sich über rund 166.000 km² Meeresboden in 71 Ländern und legt nahe, dass die globale Ausdehnung klimaresistenter Riffe dreimal so groß ist wie die Schätzung aus dem Jahr 2018. Die Autoren rechnen damit, dass etwa 1,5 Millionen km² Rifffläche die Fähigkeit besitzen, zukünftige Klimaauswirkungen zu überstehen.
Europäische Überseegebiete beherbergen einen überproportionalen Anteil
Mehr als ein Fünftel aller als besonders robust eingestuften Warmwasserriffe befindet sich in europäischen Überseegebieten, von den britischen Atlantikinseln bis zu den französischen Besitzungen im Indischen Ozean. Während etwa ein Drittel der Meeresfläche dieser Gebiete formal geschützt ist, liegt der Anteil der identifizierten resilienten Riffe, die tatsächlich gesichert sind, deutlich darunter.
Warum manche Riffe überleben
Die Forscher erklären, dass die Reaktionen der Riffe auf Erwärmung nicht einheitlich sind. Einige Korallen leben in kühleren Unterwasserpockets, andere besitzen genetische Merkmale, die die Anfälligkeit für Bleichen verringern, und wieder andere erholen sich schnell nach Störungen. Diese Unterschiede bilden die Grundlage für die Resilienz, die an den neu kartierten Standorten beobachtet wird.
Bleichen, Verlust und Handlungsbedarf
Seit den 1950er‑Jahren hat die Menschheit mehr als die Hälfte der weltweiten Korallenriffe verloren. Das bislang schwerste globale Bleiche‑Ereignis ereignete sich zwischen 2023 und 2025 und betraf 84 % aller Riffe. Der Klimawandel wird als Haupttreiber dieses Bleichens identifiziert, während lokale Belastungen wie Verschmutzung und Überfischung etwa zwei Drittel der Riffe zusätzlich stressen.
Experten warnen, dass gängige Narrative Riffe häufig als jenseits jeder Rettung darstellen, doch die neuen Erkenntnisse zeigen hoffnungsvolle Standorte, die mit entschlossener politischer Willenskraft gerettet werden könnten. Die Autoren argumentieren, dass die Einbindung des Schutzes der identifizierten resilienten Riffe in die EU‑Biodiversitätsstrategie 2030 dazu beitragen würde, Klimaziele zu erreichen. Ohne klare Vorgaben und ausreichende Finanzierung drohen die neu gefundenen Hoffnungsträger jedoch erneut zu verschwinden.
Wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Dimensionen
Gesunde Korallenriffe sichern die Existenz von bis zu einer Milliarde Menschen, die auf Fischerei, Tourismus und Küstenschutz angewiesen sind. In den EU‑Überseegebieten schaffen blühende Riffe Arbeitsplätze in den Bereichen Fischerei, Gastgewerbe und Ökotourismus; ihr Verlust würde die Einkommen der Küstengemeinden direkt reduzieren und die soziale Stabilität gefährden.
Über ihre ökologische Funktion hinaus bieten resiliente Riffe Forschungs‑ und Innovationspotenziale. Aus Korallen gewonnene Verbindungen werden bereits in der Behandlung von Krebs und Arthritis eingesetzt, was die gesundheitlichen Vorteile einer Erhaltung dieser Ökosysteme verdeutlicht.
Finanzierung, Governance und Ausblick
Die BEST‑Initiative, verwaltet vom International Union for Conservation of Nature, hat kürzlich 81 Biodiversitätsprojekte unterstützt, darunter eine Taucharbeit, die angesammelten Metallabfall von acht Riffstandorten rund um Réunion entfernte. Während die Initiative finanzielle Mittel bereitstellt, betonen IUCN‑Vertreter, dass rechtlicher Schutz ohne wirksame Governance wenig bewirkt. Sie argumentieren, dass die Aufrechterhaltung der Riff‑Resilienz lokaler Initiativen und nachhaltiger Investitionen bedarf, um Ökosysteme zu bewahren, die sowohl der Artenvielfalt als auch den Menschen zugutekommen.
Ein erfahrener Taucher, der das Great Barrier Reef gemieden hat, weil es zu einem Unterwasserfriedhof geworden sei, äußerte Optimismus, dass zukünftige Berichte innerhalb eines Jahrzehnts mehr positive Geschichten ermöglichen könnten.