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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Welt18. August 2026

Kriegsberichterstattung in der Ukraine: Der Blick einer erfahrenen Korrespondentin auf einen langwierigen Konflikt

Diana Bucko berichtet seit 2022 für Hromadske aus den umkämpften Regionen und beschreibt, wie sich die Arbeit, das Team und die Risiken im Laufe des Krieges verändert haben.

Kriegsberichterstattung in der Ukraine: Der Blick einer erfahrenen Korrespondentin auf einen langwierigen Konflikt

Diana Bucko trat im Februar 2022 dem unabhängigen Medium Hromadske als Vollzeit‑Kriegsreporterin bei, nachdem sie zwischen 2014 und 2018 gelegentlich in das frühere ATO‑Gebiet gereist war. In den vergangenen vier Jahren hat sie zwischen Städten unter Beschuss hin- und hergereist, ständig neue Brennpunkte aufgesucht und in rasantem Tempo Berichte abgegeben. In den ersten achtzehn Monaten beschrieb sie den Arbeitsrhythmus als einen schnellen, kontinuierlichen Zyklus von Ankunft, Bericht und Weiterziehen.

Von Optimismus zu langfristigem Durchhaltevermögen

Zu Beginn der Invasion, so Bucko, herrschte bei den Journalist*innen ein kollektiver Optimismus, dass der Krieg schnell enden könnte, ein Gefühl, das die wahrgenommene Gefahr überlagert habe. Die Gegenoffensive von Zaporizhzhia im Jahr 2023 scheiterte, und die Erkenntnis setzte ein, dass der Konflikt sich verlängern und sein Ausgang ungewiss bleiben würde. "Wir haben erkannt, dass der Krieg langwierig werden würde und niemand wusste, wie er enden würde", erinnerte sie sich.

Die ersten sechs Monate waren emotional erschöpfend; Bucko gibt zu, nach jedem Bericht geweint zu haben, besonders wenn sie ältere Zivilist*innen sah, die vertrieben wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sie die Strategie, weniger emotional zu reagieren, ein Wandel, den sie später als notwendige Anpassung zum Überleben in einem Krieg ohne Ende bezeichnete.

Veränderung der Zusammensetzung des Presseteams

Als Männer in die Armee einberufen wurden, stieg der Anteil von Frauen unter den Front‑Journalist*innen. Bucko bemerkte, dass viele männliche Kameraleute, mit denen sie zuvor zusammengearbeitet hatte, entweder freiwillig in den Kampf gezogen oder eingezogen wurden. Wenn eine weibliche Reporterin ankam, begrüßten die Soldaten die Veränderung und sahen darin einen kurzen Moral‑Boost während langer Unterstand‑Aufenthalte.

Die Kriegsfotografin Vlada Liberova sagte Bucko, dass die Berichterstattung über Mörserbesatzungen redundant geworden sei, weil das Publikum solche Bilder bereits häufig gesehen habe. "Wir haben sie schon fotografiert. Es gibt nichts Neues mehr für das Publikum", erklärte Liberova.

Steigende Risiken durch Drohnen und Roboter

Das Risiko für Journalist*innen ist stark angestiegen, insbesondere durch Drohnen. Bucko erklärte, dass moderne Glasfaserdrohnen klarere Aufnahmen liefern, während FPV‑Drohnen eine geringere Auflösung haben. Sie fügte hinzu, dass Drohnenzielsysteme Farbkodierungen erst sehen, wenn ein Ziel ausgewählt ist, sodass die nach internationalen Richtlinien empfohlene blau markierte kugelsichere Weste die Sichtbarkeit für einen Drohnenpiloten tatsächlich erhöhen kann. Deshalb trägt sie nun eine schwarze Weste, die für Kamerad*innen gut sichtbar, aber ohne offizielle Pressemarkierung ist.

Die Front ist jetzt mit bodengestützten Robotersystemen der russischen Streitkräfte übersättigt. Bucko beschrieb die Lage: "Die Front ist buchstäblich überschwemmt mit diesen Maschinen", und betonte, dass die Zunahme von Bodenrobotern und Drohnen die Gefahr für Journalist*innen weiter erhöht.

Von Human‑Interest zu technischer Analyse

Zu Beginn konzentrierte sich Buckos Berichterstattung für Hromadske auf menschliche Schicksale, etwa ihr erster Beitrag über intern Vertriebene aus Pokrovsk. Im Verlauf des Krieges wurden ihre Meldungen technischer, analysierten Sektor‑Vorrückungen, russische Infiltrationsrouten und die Gründe für den Verlust von Städten.

Ein Bericht über Dobropillia, gefilmt am 30. Mai, zeigte die Stadt noch mit dem Auto erreichbar. Ende Juli konnten selbst gepanzerte Fahrzeuge nicht mehr dort ankommen, sodass Soldaten zu Fuß reisen mussten. Bucko warnte, dass die russische Infiltration der Stadt den Beginn ihres Verlustes signalisiere, und zog Parallelen zum früheren Fall von Pokrovsk.

Logistik, Isolation und Wandel im Medienumfeld

Hromadske koordiniert die Logistik mit einem langjährigen Fahrer aus Mariupol, der seit vier Jahren mit Bucko zusammenarbeitet. In Städten nahe der Front, wie Kramatorsk, trifft sie häufig auf ausländische Korrespondent*innen, doch die Bewohner*innen ziehen ab, weil Drohnenangriffe zunehmen. Mehr Journalist*innen arbeiten nun von Lozova aus, einem weiter von der Front entfernten Standort, weil die eigentliche Front wenig Möglichkeiten für Interaktion bietet; Sicherheitsaspekte bedeuten, dass Reporter*innen meist allein arbeiten.

Zu Kriegsbeginn waren Soldaten mit der Medienpräsenz wenig vertraut und begrüßten sie, doch im Laufe der Zeit wurden sie medienkundiger und weniger enthusiastisch. Bucko berichtete von gelegentlichen sexistischen Bemerkungen, etwa der Frage, ob ihr Partner ihr den Einsatz an der Front erlaube, und beschrieb die Armee als träge in ihren patriarchalen Einstellungen.

Zukünftige Herausforderungen für die Kriegsberichterstattung

Das öffentliche Interesse am Krieg lässt nach, was es schwieriger macht, neue Blickwinkel zu finden. Bucko warnt, dass steigende Risiken, sinkende Publikumsbindung und wiederholte Bildmotive zu einer Sackgasse für die Kriegsberichterstattung führen könnten. Dennoch betont sie, dass jeder Frontbesuch weiterhin neue Entwicklungen offenbart, neuartige Robotersysteme, Änderungen in russischen Infiltrationstaktiken, und dass kontinuierliche Anpassungen bei Schutzkleidung und Storytelling unverzichtbar bleiben, während sich der Konflikt weiterentwickelt.

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