● LIVEECB RATE 2.4%·EUR/USD 1.1539·EUR/GBP 0.8558·BRUSSELS 21°C — OVERCAST·VON DER LEYEN WILL WETTBEWERBSFÄHIGKEIT MIT EUROPÄISCHER STRATEGISCHER AUTONOMIE VERKNÜPFEN·KI-GENERIERTE INHALTE ÜBERSCHWEMMEN DAS NETZ UND TREIBEN GRASSROOTS-ANTI‑BOT‑TOOLS VORAN·HITZEWELLEN SCHWÄCHEN KONZENTRATION UND WOHLBEFINDEN IN EUROPA, SAGEN WISSENSCHAFTLER·EUROPÄISCHE STÄDTE MACHEN ÖFFENTLICHE BÄUME ZU KOSTENLOSEM ESSEN FÜR DIE BEWOHNER·KI DOMINIERT DAS NETZ, NUTZER SUCHEN NACH WEGEN, MENSCHLICHE INHALTE ZU SCHÜTZEN·ESSBARE STADT: WIE BÜRGER OBST VON ÖFFENTLICHEN BÄUMEN ERNTEN UND WAS DAS FÜR EUROPA BEDEUTET·WOCHE 38 · VOL. XV · N°258·● LIVEECB RATE 2.4%·EUR/USD 1.1539·EUR/GBP 0.8558·BRUSSELS 21°C — OVERCAST·VON DER LEYEN WILL WETTBEWERBSFÄHIGKEIT MIT EUROPÄISCHER STRATEGISCHER AUTONOMIE VERKNÜPFEN·KI-GENERIERTE INHALTE ÜBERSCHWEMMEN DAS NETZ UND TREIBEN GRASSROOTS-ANTI‑BOT‑TOOLS VORAN·HITZEWELLEN SCHWÄCHEN KONZENTRATION UND WOHLBEFINDEN IN EUROPA, SAGEN WISSENSCHAFTLER·EUROPÄISCHE STÄDTE MACHEN ÖFFENTLICHE BÄUME ZU KOSTENLOSEM ESSEN FÜR DIE BEWOHNER·KI DOMINIERT DAS NETZ, NUTZER SUCHEN NACH WEGEN, MENSCHLICHE INHALTE ZU SCHÜTZEN·ESSBARE STADT: WIE BÜRGER OBST VON ÖFFENTLICHEN BÄUMEN ERNTEN UND WAS DAS FÜR EUROPA BEDEUTET·WOCHE 38 · VOL. XV · N°258·
Brüssel · Gegr. 2012
Unabhängiger europäischer Journalismus

Unionpress

Vol. XV · N°258
Dienstag, 15. September 2026
Start/Europa/lukaschenkos-abh-ngigkeit-von-moskau-vertieft-sich-nach-protesten-2020-sagt-analystin
Europa05. September 2026

Lukaschenkos Abhängigkeit von Moskau vertieft sich nach Protesten 2020, sagt Analystin

Die französische Politikwissenschaftlerin Anaïs Marin erklärt, dass Alexander Lukaschenko nach den Protesten von 2020 vollständig von Wladimir Putin abhängig ist.

Lukaschenkos Abhängigkeit von Moskau vertieft sich nach Protesten 2020, sagt Analystin

Alexander Lukaschenko ist nach den Massenprotesten, die der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2020 folgten, vollständig von Wladimir Putin abhängig, sagt die französische Politikwissenschaftlerin Anaïs Marin, die von 2018 bis 2024 UN‑Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Belarus war.

Vom populistischen "roten Direktor" zum autoritären Herrscher

Marin, Expertin für post‑sowjetische Gesellschaften, zeichnet Lukaschenkos politischen Werdegang nach: Vom populistischen "roten Direktor", einem ehemaligen Manager eines großen sowjetischen Agrarkollektivs, zu einem Herrscher, dessen Legitimität auf einem paternalistischen Gesellschaftsvertrag beruht. In den frühen 1990er‑Jahren präsentierte er sich als "Vater der Nation" und versprach, die Bürger von der Geburt bis zum Tod zu schützen, im Gegenzug für bedingungslose Loyalität.

Von populistischen Versprechen zur verfassungsrechtlichen Autokratie

Als Lukaschenko 1994 die Präsidentschaftswahl gewann, galt die Wahl als frei und fair. Er kandidierte mit einer Anti‑Korruptions‑Agenda und reformierte rasch Verfassung, Justiz und Sicherheitsdienste, um seine Macht zu festigen. In den folgenden zwei Jahrzehnten entwickelte sich der Staatsapparat zu einem System, das Grundversorgungen bereitstellte, aber unabhängige Zivilgesellschaft erstickte, ein Modell, das eher sowjetischem Paternalismus als liberaler Demokratie ähnelte.

"Dictaplomacy" und die Illusion von Wahlmöglichkeiten

Marin bezeichnet die belarussische Außenpolitik als "Dictaplomacy", einen diplomatischen Ansatz, der nichts weiter bietet als das Versprechen von Loyalität gegenüber einem stärkeren Gönner. Historisch ist Belarus wirtschaftlich eng mit Russland verflochten und auf Moskau für Energie, Handel und finanzielle Unterstützung angewiesen. Die Vorstellung, Lukaschenko könne zwischen Ost und West pendeln, halte sie für naiv.

"Er nutzte die Drohung, die Beziehungen zum Westen zu normalisieren, als Verhandlungschip gegenüber Russland", erklärt Marin. "Es war, als würde ein Ehepartner drohen, zum Nachbarn zu gehen, wenn der Mann kein neues Kleid kauft. Bis 2020 funktionierte diese Drohung." Als der Kreml einen möglichen Richtungswechsel spürte, reagierte er mit Zugeständnissen, jedoch nie mit echtem Respekt für die belarussische Souveränität.

2020er Proteste zerschmettern die Illusion von Einfluss

Die umstrittene Wahl 2020 löste landesweite Demonstrationen aus, die mit brutaler Polizeirepression beantwortet wurden. Der Niederschlag isolierte Lukaschenko international; Sanktionen wurden verschärft und diplomatische Kontakte zur EU und zu den USA weitgehend abgebrochen. In der Folge verschwand seine Verhandlungsfähigkeit mit Moskau.

"Nach den Protesten war er allein und wurde völlig abhängig von Putin", sagte Marin. "Der Kreml zeigte ihm, wer der Boss ist." Die russische Führung, bereits besorgt über die mögliche Ausbreitung von Unruhen in ihr eigenes Territorium, in Erinnerung an die Proteste auf dem Bolotnaya‑Platz 2011‑12, fürchtete einen "zweiten Maidan", der ähnliche Unruhen über die Grenze entfachen könnte.

Mit geschlossenen westlichen Wegen blieb Lukaschenko nur der russische Präsident als Kommunikationspartner. Der Wandel war deutlich: Staatsfernsehjournalisten, die aus Protest zurücktraten, wurden durch russische Reporter ersetzt, die weiterhin kremlnahe Narrative verbreiteten, als ob die Niederschlagung nicht stattgefunden hätte.

Folgen für die belarussische Gesellschaft und Europa

Marin warnt, dass die Spirale der Repression keine Anzeichen einer Umkehr zeigt. "Mehr Repression führt zu mehr Repression", betont sie und unterstreicht die düsteren Aussichten für eine Rückkehr zu demokratischen Normen. Für europäische Arbeitnehmer und Verbraucher wirft die wachsende Belarus‑Russland‑Verbindung Fragen zur Energiesicherheit und zur möglichen Nutzung belarussischen Territoriums für weitere russische Militäroperationen auf.

Als Russland seine groß angelegte Invasion der Ukraine von belarussischem Boden aus startete, erhielt Lukaschenko Berichten zufolge ein Angebot von seinem "obersten Meister", das er nicht ablehnen konnte, so Analyst Alexey Kazharski, der Marin kurz nach Kriegsbeginn briefte. Die genaue Natur des Angebots bleibt undurchsichtig, die Implikation ist klar: Belarus ist nun ein strategischer Stützpunkt Moskaus, mit wenig Raum für eigenständige Politik.

Reaktionen von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft

Europäische Gewerkschaften haben den Niederschlag verurteilt und fordern stärkere Sanktionen, die das belarussische Sicherheitsapparat treffen. Sie argumentieren, dass Strafmaßnahmen mit robuster Unterstützung für die belarussische Zivilgesellschaft einhergehen müssen, einschließlich Finanzierung unabhängiger Medien und Rechtsbeistand für politische Gefangene.

Menschenrechtsorganisationen teilen diese Sichtweise und fordern die EU auf, den Druck auf Minsk und Moskau aufrechtzuerhalten. Sie weisen darauf hin, dass die belarussische Wirtschaft, bereits fragil, zunehmend von subventionierter russischer Energie abhängt, ein Faktor, der Armut und Ungleichheit verschärfen könnte, wenn Sanktionen weiter zunehmen.

Ausblick

Marin betont, dass jede zukünftige Veränderung der belarussischen Außenpolitik einen grundlegenden Wandel im Machtgleichgewicht der Kreml‑Minsk‑Beziehung erfordern wird. "Wenn die innenpolitische Lage in Russland keine Neukalibrierung erzwingt, bleiben Lukaschenkos Optionen begrenzt", sagt sie.

Für europäische Entscheidungsträger besteht die Herausforderung darin, eine Strategie zu entwickeln, die weitere russische Aggressionen abschreckt und gleichzeitig die demokratischen Bestrebungen der Belarussen unterstützt. Die Situation zeigt, wie autoritäre Führer in die strategischen Ambitionen größerer Nachbarn verstrickt werden können, wobei die einfachen Bürger die Hauptlast von Repression und wirtschaftlicher Not tragen.

■ ENDEEuropa© UnionPress 2026