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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Europa30. Juli 2026

Moldau startet Rückkehrprogramm, um Abwanderung zu stoppen und EU‑Beitrittsperspektiven zu stärken

Die moldauische Regierung führt ein landesweites Förderpaket ein, das Steuererleichterungen, Zuschüsse für Wohneigentum und vereinfachte Verfahren für Rückkehrer kombiniert.

Moldau startet Rückkehrprogramm, um Abwanderung zu stoppen und EU‑Beitrittsperspektiven zu stärken

Die moldauische Regierung hat am Montag ein landesweites Initiativpaket vorgestellt, das es für im Ausland lebende Bürger finanziell attraktiv machen soll, nach Hause zurückzukehren. Das vom Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur präsentierte Programm kombiniert eine Einkommenssteuerreduktion von 30 Prozent für die ersten zwei Jahre mit einem einmaligen Zuschuss von bis zu 5.000 €, der für Renovierung oder Kauf von Wohnraum verwendet werden kann. Ein Sozial‑Inklusionsfonds von 20 Millionen € wird Mikro‑Zuschüsse an zurückkehrende Unternehmer vergeben, wobei erneuerbare Energien, digitale Dienstleistungen und Agrar‑Verarbeitung Priorität erhalten. Zusätzlich werden 10 Millionen € zur Subvention von bezahlbarem Wohnraum am Stadtrand von Chișinău bereitgestellt, unterstützt durch ein von der EU kofinanziertes Stadtentwicklungsprogramm.

Demografische Dringlichkeit

Die Bevölkerung Moldaus ist seit 1991 von etwa 4,5 Millionen auf knapp 3 Millionen gesunken, und die Vereinten Nationen prognostizieren bei Fortsetzung des Trends bis 2030 einen weiteren Rückgang von 10 Prozent. Etwa ein Viertel der Moldauer lebt heute im Ausland, was einer Diaspora von rund einer Million Menschen entspricht. Ihre Stimmen waren entscheidend bei den letzten Wahlen, insbesondere beim Referendum 2024, das den EU‑Beitritt in die Verfassung aufnahm und die Wiederwahl von Präsidentin Maia Sandu sicherte. Analysten vermuten, dass das Ergebnis ohne die Auslandwahl anders ausgefallen wäre.

Das Land leidet unter akuten Engpässen bei grundlegenden Dienstleistungen. Die Zahl praktizierender Ärzte liegt unter 1.200, weit unter dem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Niveau. In ländlichen Dörfern fehlen oft genügend erwachsene Männer für traditionelle Bestattungsaufgaben, und ähnliche Defizite betreffen Friedhofsarbeiter, Lehrer und weiteres öffentliches Personal.

Anreize für zurückkehrende Fachkräfte

Gesundheitsarbeiter, die zurückkehren, erhalten bevorzugte Stellen in derzeit unterbesetzten Krankenhäusern, während zurückkehrende Lehrer von einem beschleunigten Anerkennungsprozess profitieren, der ausländische Qualifikationen anerkennt. Arbeitgeber im verarbeitenden Gewerbe und in der Landwirtschaft berichten von Schwierigkeiten, qualifizierte Techniker zu finden, und die Handelskammer erwartet, dass finanzielle Attraktivität der Rückkehr die Produktivität steigern und die Abhängigkeit von temporären Arbeitskräften aus dem Ausland verringern könnte.

Das Programm beinhaltet zudem vereinfachte Verwaltungsverfahren für Migranten, um bürokratische Hürden, die Rückkehr bislang entmutigt haben, abzubauen.

Wirtschaftlicher Kontext und Herausforderungen

Die Immobilienpreise in Chișinău sind durch spekulative Käufe ausländischer Investoren stark gestiegen, was den Druck auf bezahlbaren Wohnraum erhöht. Eine Umfrage von Insight Moldova ergab, dass 62 Prozent der Befragten eine Rückkehr in Erwägung ziehen würden, wenn finanzielle Anreize ausreichend seien, während 48 Prozent Korruption und unzuverlässige öffentliche Dienstleistungen als Hindernisse nannten. Ein junger Café‑Mitarbeiter im historischen Zentrum von Chișinău erklärte, er würde bleiben, wenn er ein anständiges Gehalt und eine stabile Zukunft erhalten würde; andernfalls würde er weiterhin im Ausland arbeiten.

Kritiker bemängeln, dass die Steuererleichterung nur auf dokumentiertes Einkommen anwendbar sei und vor allem Migranten zugutekomme, die bereits Vermögen im Ausland besitzen. Der Generalsekretär des Nationalen Gewerkschaftsbundes warnte, dass Anreize allein die strukturellen Probleme nicht lösen würden, solange Löhne, Renten und Investitionen in den öffentlichen Dienst nicht umfassend reformiert werden.

Geopolitischer Hintergrund

Der Rückkehrplan ist Teil von Moldaus breiterer europäischen Integrationsstrategie. Die Generaldirektion Nachbarschaft und Erweiterung der Europäischen Kommission hat signalisiert, dass eine erfolgreiche Rückkehr die EU‑Beitrittsperspektiven des Landes verbessern könnte, wobei formelle Verhandlungen bis Ende 2023 erwartet und ein möglicher Vertrag bis 2030 angestrebt werden.

Historisch wechselten die Migrationsmuster von Bauarbeiten in Russland in den 1990er‑Jahren zu einer westwärts gerichteten Bewegung nach der russischen Finanzkrise 1998, begünstigt durch den EU‑Beitritt Rumäniens 2007 und dessen Politik, Nachkommen vor‑1940‑römischer Staatsangehöriger die Staatsbürgerschaft zu verleihen. Das visafreie Reisen in den Schengen‑Raum seit 2014 löste eine weitere Migrationswelle aus. Im selben Jahr kam es zu einem Bankenskandal, in dem Ilan Shor und Vladimir Plahotniuc beschuldigt wurden, rund eine Milliarde Dollar aus dem nationalen Bankensystem abgezweigt zu haben.

Die Hochschulbildung hat sich zu einer Ware entwickelt; ein lokaler Bachelor‑Abschluss erfordert häufig einen ausländischen Master, um eine anständige Karriere zu ermöglichen, weil die Universitäten chronisch unterfinanziert sind. Sozialwissenschaftler Vitalie Sprînceană weist darauf hin, dass der Mangel an erwachsenen Männern in Dörfern traditionelle Bräuche wie das acht‑Männer‑Grab­grab‑Ritual behindert.

Der Krieg im Nachbarland Ukraine hat weiterhin Spill‑over‑Effekte, darunter die Kontamination des Flusses Dnister mit Treibstoff und gelegentliche Stromausfälle in Moldau, verursacht durch russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur.

Ausblick

Insgesamt hofft die Regierung, dass die Kombination aus Steuererleichterungen, Wohnungsunterstützung und vereinfachten Verfahren die Rückkehr für die Diaspora zu einer realistischen Option macht, während sie gleichzeitig anerkennt, dass tiefgreifende Reformen nötig sind, um die strukturellen Herausforderungen des Landes zu bewältigen.

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