Putin behauptet Einnahme von Kostyantynivka, während die Beweise umstritten sind und Kiew schweren Raketenangriff erleidet
Der russische Präsident verkündete die Einnahme der Stadt, doch ukrainische Quellen bestreiten die Behauptung und Kiew wurde von einer massiven Drohnen‑ und Raketenoffensive getroffen.

Am 3. Juli 2024 trat der russische Präsident in einem getarnten Gebäude, das als vorderes Kommandozentrum präsentiert wurde, in Militäruniform neben Verteidigungsminister Walerij Gerasimow im staatlichen Fernsehen auf. Er erklärte, dass russische Truppen die Stadt Kostyantynivka in der Region Donezk gesichert hätten.
Umstrittene Behauptung
Ukrainische Beamte wiesen die Behauptung zurück, und Open‑Source‑Kartierungen zeigten, dass ukrainische Truppen weiterhin wichtige Teile der Siedlung hielten. Beobachter bemerkten das Fehlen sichtbarer Frontlinienaktivitäten im Hintergrund der Sendung und vermuteten, dass die Szene in einem gesicherten Ort inszeniert wurde.
Kostyantynivka liegt etwa 30 Kilometer nördlich der Frontstadt Kupjansk, einem Ort, an dem Verteidigungsminister Walerij Gerasimow zuvor einen Fall angekündigt hatte, der sich später als falsch erwies.
Der ukrainische Analyst Oleksandr Petrenko veröffentlichte zwei geolokalisierte Karten mit Flaggenpositionen in Kostyantynivka. Die erste Karte zeigte Flaggen nur am Stadtrand, während das Zentrum unter ukrainischer Kontrolle blieb; die zweite schattierte die gesamte Siedlung als russisch, wobei er jedoch betonte, dass dies nicht den vollständigen Besitz beweise. Zusätzlich stellte er Videos bereit, die im Vergleich mit Satellitenbildern ukrainische Positionen im historischen Zentrum und im nordwestlichen Stadtrand bestätigten.
Der Open‑Source‑Analyst unter dem Namen Thorkill äußerte Zweifel an der russischen Behauptung und wies auf das Fehlen von Bildmaterial aus dem nordwestlichen Stadtrand, dem Krankenhausviertel und dem historischen Zentrum hin, wo Flaggen angeblich gehisst worden seien. Er vermutete, dass ukrainische Einheiten noch in der Stadt präsent sein könnten, möglicherweise eingekesselt, aber noch nicht zum Rückzug gezwungen wurden.
Der staatliche russische Sender Rybar wiederholte die Kreml‑Narrative eines Sieges, berichtete jedoch gleichzeitig von anhaltenden Kämpfen und der Notwendigkeit, verbleibende ukrainische Einheiten zu räumen.
Frontkarten und Satellitenbilder
Das Institute for the Study of War erklärte, dass die Karten, die dem Präsidenten vor seinem Auftritt gezeigt wurden, zu optimistisch seien und eine Frontlinie nur neun Kilometer von Saporischschja darstellen, während unabhängige Analysten die tatsächliche Front 15‑16 Kilometer weiter westlich verorten.
Satellitenaufnahmen der Black Bird Group zeigten, dass russische Truppen noch einige Entfernung von der Stadt Orichiw entfernt seien, während ukrainische Verteidiger Positionen hielten, die die Siedlung vor unmittelbarer Gefahr schützten.
Drohnen‑ und Raketenangriffe auf Kiew
In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 2024 starteten russische Kräfte 351 Drohnen, hauptsächlich gegen Kiew. Die ukrainische Luftabwehr meldete die Abwehr von 326 Drohnen, ein Erfolg von 93 %. Im selben Zeitraum feuerten die Russen 39 Marschflugkörper, darunter Typen CH‑101 und Kalibr, und die ukrainischen Streitkräfte schossen 37 davon ab, ein Erfolg von 95 %. Die ukrainischen Verteidigungen konnten sechs hyperschallische Zircon‑Raketen sowie 23 Iskander‑ bzw. S‑400‑Raketen, die für Angriffe am Boden umgerüstet wurden, nicht abwehren.
Die Zircon‑ und Iskander‑Schläge richteten Schäden an Wohnblöcken in Kiew an, darunter ein Hochhaus, das in einem Video aus den sozialen Medien zu sehen war. Zum Zeitpunkt dieses Schreibens wurden 14 Zivilisten durch den jüngsten Angriff getötet, während frühere Angriffe am 2. Juli bis zu 31 Todesopfer gemeldet hatten.
Internationale Reaktion
Europäische Gewerkschaften verurteilten die zivilen Opfer, bezeichneten jedes Todesopfer als Tragödie und forderten eine diplomatische Lösung sowie verstärkte humanitäre Hilfe. Die Europäische Gewerkschafts‑Konföderation veröffentlichte eine entsprechende Erklärung. Amnesty International forderte eine unabhängige Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit ballistischen Raketenangriffen auf Wohngebiete.
Russische Beamte beharrten darauf, dass die Raketenangriffe auf militärische Ziele gerichtet gewesen seien und die zivilen Opfer ein Kollateralschaden seien, verursacht durch ukrainische Truppen, die zivile Infrastruktur zur Verteidigung nutzten.
Die Vereinten Nationen haben für Anfang August eine Sondersitzung zum Schutz von Zivilisten angesetzt, bei der europäische Delegationen voraussichtlich für strengere Überwachung des Raketengebrauchs und für mehr Rechenschaftspflicht eintreten werden.
