Rechtsextremes „Remigrations"-Gipfel in Portugal mit US-Rednern löst EU‑Kritik aus
Ein von Identitarier*innen organisiertes Treffen in Figueira da Foz brachte über 500 Vertreter*innen rechtspopulistischer Parteien und Netzwerke aus Europa und den USA zusammen und löste heftige Gegenreaktionen aus.

Am 30. Mai 2024 versammelten Aktivist*innen, die dem Identitären Bewegung nahestehen, zu einem Gipfel in der Küstenstadt Figueira da Foz in Portugal. Mehr als 500 Teilnehmende aus Österreich, Belgien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten kamen, um die Agenda rechtsextremer Parteien, Think‑Tanks und extremistischer Netzwerke zu diskutieren.
Agenda und vorgeschlagener „Remigrations"-Plan
Die Organisator*innen erklärten, das Treffen solle über die Zukunft Europas in den Bereichen Souveränität, Identität und demografische Erneuerung diskutieren. Redner*innen stellten eine mehrdekadige Strategie vor, die ihrer Ansicht nach die sogenannte „Replacement Migration" und den Multikulturalismus umkehren solle. Der Plan sieht rechtliche Maßnahmen gegen undokumentierte Migrant*innen, bestimmte legale Migrant*innen, die als „schädlich" eingestuft werden, sowie gegen nicht assimilierte Gemeinschaften vor, um freiwillige Ausreisen zu fördern.
Martin Sellner, ein prominentes Gesicht der Identitären Bewegung, argumentierte, das Ziel sei die Bewahrung der ethnokulturellen Kontinuität europäischer Nationen, und betonte, dass der Gipfel darauf abziele, "die ethnokulturelle Kontinuität europäischer Nationen zu sichern".
Amerikanische Beteiligung
Zwei US‑Redner*innen nahmen am portugiesischen Gipfel teil: der ehemalige Leiter der US‑Border‑Patrol Gregory Bovino und der weiß‑nationalistische Kommentator Jared Taylor. Bovino lobte europäische Rechtsextrem‑Führer*innen dafür, illegale Einwanderer zu bekämpfen, die seiner Meinung nach die europäische Kultur zerstören, während Taylor forderte, Europa solle dieselben "Remigrations"‑Politiken übernehmen, die die USA angeblich verfolgen.
Zu Beginn des Jahres kündigte das US‑Außenministerium die Einrichtung eines Office of Remigration an, das die Einwanderung in die USA reduzieren soll. Auf einer Europareise sagte der ehemalige Präsident Donald Trump Führer*innen, sie solle die von ihm als "schreckliche Invasion" bezeichnete Migration stoppen und behauptete, Einwanderung "töte Europa". US‑Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete die Einwanderung in Frankreich als "gefährliche Ideologie", die den Kontinent bedrohe.
Politische und institutionelle Reaktionen
Der Europäische Gewerkschaftsbund bezeichnete den Gipfel als "versuchten, Ethnizität als Waffe gegen die Menschen einzusetzen, die unsere Wirtschaft am Laufen halten". Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz bekräftigte Deutschlands Verpflichtung zum EU‑gemeinsamen Asylsystem und zur Wahrung der Menschenrechte. Das Büro des französischen Präsidenten Emmanuel Macron warnte, dass extremistischer Rhetorik mit einer demokratischen Gesellschaft unvereinbar sei.
Die französische Partei Rassemblement National hat ihre Haltung zur "Remigration" kürzlich abgeschwächt und greift dabei auf die Sprache des portugiesischen Events zurück. Der österreichische Freiheitliche Partei‑Chef Herbert Kickl bezeichnete "Remigration" als "notwendige Korrektur" des "unkontrollierten demografischen Wandels", während der Österreichische Gewerkschaftsbund davor warnte, dass solche Rhetorik die gesellschaftliche Spaltung verstärken könnte.
Die Alternative für Deutschland (AfD) erklärte, ihr Gebrauch des Begriffs "Remigration" beziehe sich ausschließlich auf die Rückkehr illegaler Migrant*innen und nicht auf die Abschiebung nicht‑weißer Bürger*innen. Die CDU‑Fraktion Werteunion fordert strengere Integrationspolitiken, lehnt jedoch offen rassistische Maßnahmen ab. Mitglieder des Europäischen Parlaments von den Grünen/EFA und der Sozialdemokratischen Fraktion haben eine Resolution gefordert, die die "Remigrations"-Agenda verurteilt und die Finanzierung von Antirassismus‑Programmen erhöht.
Rechtlicher Kontext und Sicherheitsmaßnahmen
EU‑Recht verbietet Diskriminierung aufgrund von Rasse oder ethnischer Herkunft, und der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Politiken, die Menschen ausschließlich aus rassistischen Gründen ausweisen, Grundrechte verletzen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Identitäre Bewegung als rechtsextremistische Organisation ein. Die französische Generaldirektion für innere Sicherheit hat mehrere Teilnehmende des portugiesischen Gipfels unter Beobachtung gestellt.
Die Generaldirektion Migration und Inneres der Europäischen Kommission kündigte eine Überprüfung der Fördermittel für NGOs an, die im Integrationsbereich tätig sind, um sicherzustellen, dass keine Unterstützung extremistischer Agenden erfolgt.
Öffentliche Proteste und bevorstehende Debatte
In Madrid organisierte die Plattform "No a la xenofobia" einen Marsch mit über 10 000 Teilnehmenden, die forderten, die EU solle "Remigration" als Hassrede einstufen. Im Vereinigten Königreich veröffentlichte der Trades Union Congress gemeinsam mit der Equality and Human Rights Commission eine Erklärung, die ein europaweites Verurteilungsstatement fordert. Studierende der Universität Bologna demonstrierten mit Bannern, auf denen "Europe is for all" stand, und verknüpften die demografische Agenda mit Sorgen über Studiengebühren und die Finanzierung öffentlicher Bildung.
Hashtags wie #StopRemigration traten in den sozialen Medien in den Vordergrund, während rechtsextreme Accounts Slogans wie "Return to the roots" verbreiteten. Das Europäische Institut für die Studie von Rassismus warnte, dass die Online‑Verbreitung die Normalisierung extremistischer Ideen beschleunigen könne.
Das Europäische Parlament wird später im Jahr 2024 seine jährliche Debatte zur Migrationspolitik abhalten, in der die "Remigrations"‑Agenda voraussichtlich ein zentrales Thema sein wird.


