Russische Schulbücher für besetzte ukrainische Kinder verfälschen die Geschichte, um die Annexion zu legitimieren
In den von Russland besetzten Gebieten der Ostukraine werden überarbeitete Geschichtsbücher verteilt, die den Unabhängigkeitsreferendum von 1991 delegitimieren und ukrainische Nationalisten als "Hitlers Handlanger" brandmarken.

Russland hat begonnen, ein überarbeitetes Geschichtsbuch mit dem Titel Donbas und Neurussland an Grundschulkinder in den besetzten Gebieten der Ostukraine zu verteilen. Gewerkschaften und Pädagogen sehen darin einen Versuch, ein falsches Narrativ des Krieges zu verankern und die Erinnerung an das Unabhängigkeitsreferendum von 1991 zu tilgen.
Inhalt des Besetzungs‑Lehrbuchs
Das Buch, das für Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis sieben gedacht ist, ist Teil einer breiteren Informationskampagne, die die russischen Behörden seit Beginn des Konflikts 2022 intensiviert haben. Es behauptet, ukrainische Nationalisten seien "Hitlers Handlanger" und die Invasion sei eine defensive Reaktion auf "die Aggression des Kiewer Regimes". Gleichzeitig wird das Referendum von 1991, bei dem über 90 % der Wähler für die Unabhängigkeit stimmten, als von ausländischen Mächten gesteuerte Intrige dargestellt, die im Donbas nie echte Unterstützung gefunden habe.
Laut einem Bericht der ukrainischen Plattform Realna Gazeta wurde das Lehrbuch von Journalisten aus den besetzten Gebieten zusammengestellt, darunter Olena Fetisova. Fetisova, die zuvor bestätigte, dass ein ukrainischer Drohnenangriff das verheerende Feuer im Internat von Starobilsk auslöste, schreibt nun ein Kapitel mit dem Titel "In 'unabhängigem' Ukraine", wobei die Anführungszeichen die Ablehnung der ukrainischen Souveränität signalisieren.
In diesem Kapitel wird das Unabhängigkeitsreferendum von 1991 als von ausländischen Kräften gelenkte Aktion der Volksbewegung Ukraine (Narodnyi Rukh Ukrainy) und anderer nationalistischer Gruppen beschrieben. Die Autoren behaupten, die Abstimmung sei im Donbas und Neurussland überwältigend abgelehnt worden, obwohl offizielle Zahlen zeigen, dass 2.481.157 von 2.957.372 Wählern in der Oblast Donezk (83,9 %) und 1.409.331 von 1.682.344 Wählern in der Oblast Luhansk (83,9 %) für die Unabhängigkeit gestimmt haben. Das Lehrbuch versucht damit, die historische Aufzeichnung umzuschreiben und die besetzten Regionen als natürlich zu Russland gehörig darzustellen.
Die Erzählung geht weiter und stellt den ukrainischen Staat als Fortsetzung faschistischer Kräfte dar, die die russischsprachige Bevölkerung bedrohen. Durch die Bezeichnung der ukrainischen Nationalisten als "Hitlers Handlanger" spiegelt das Buch die sowjetische Propaganda wider, die ukrainischen Nationalismus mit Nazismus gleichsetzte, ein Motiv, das seit Kriegsbeginn in russischen Staatsmedien wieder auftaucht.
Bedeutung für europäische Arbeitnehmer und Familien
Für Familien in den besetzten Zonen bedeutet der neue Lehrplan einen direkten Eingriff in die Bildung von Kindern, die bereits unter den Härten des Krieges leiden. Die Bücher werden im Rahmen einer umfassenden Aktion verteilt, die ukrainische Lehrpläne, Schulmaterialien und sogar Lehrpersonal durch russisch‑genehmigte Äquivalente ersetzen will. Das hat Folgen für den zukünftigen Arbeitsmarkt: Kinder, die mit einer verzerrten Geschichtsdarstellung erzogen werden, könnten Schwierigkeiten haben, sich in ein wiedervereinigtes Ukraine zu integrieren oder ein Studium in der Europäischen Union aufzunehmen, wo Lehrpläne internationalen Standards entsprechen.
Europäische Gewerkschaften warnen, dass die Manipulation der Bildung eine Form kultureller Kolonisation darstelle, die soziale Fragmentierung vertiefe und langfristige Instabilität an der östlichen Grenze des Kontinents fördere. "Wenn eine Generation aufwächst und glaubt, ihr eigenes Land habe nie existiert, schrumpfen die Aussichten auf Versöhnung dramatisch", sagte ein Sprecher des Europäischen Gewerkschaftsbundes (ETUC). "Bildung sollte eine Brücke sein, kein Werkzeug der Gewalt."
Die EU hat bereits Mittel für den Wiederaufbau von Schulen in befreiten Gebieten bereitgestellt, doch das Vorhandensein russischer Lehrbücher erschwert die Gewährleistung einer ausgewogenen Bildung. Die Generaldirektion für Bildung, Jugend, Sport und Kultur der Europäischen Kommission hat die ukrainischen Behörden aufgefordert, Propagandamaterial aus allen Schulen unter ukrainischer Jurisdiktion, einschließlich der temporär besetzten Zonen, zu entfernen.
Stalins Rehabilitation und breiter Propagandakontext
Die historische Verzerrung des Lehrbuchs fügt sich in ein größeres Muster russisch‑staatlich geförderter Nostalgie für die Sowjetzeit ein. Eine Umfrage des Levada‑Zentrums vom 25. August zeigt, dass 59 % der Russen Joseph Stalin positiv bewerten, ein Wert, der seit 2012 stetig steigt. Nur sieben Prozent halten den ehemaligen Führer für negativ, trotz seiner Verantwortung für Millionen von Toten, darunter das Massaker von Katyn 1940.
Analysten verknüpfen diesen Wandel mit einer systematischen Anstrengung der Regierung von Präsident Wladimir Putin, sowjetische Symbole zu rehabilitieren und die Verbrechen der stalinistischen Ära herunterzuspielen. Im April 2026 eröffneten die russischen Behörden beispielsweise eine Ausstellung mit dem Titel "Tausend Jahre polnischer Russophobie" am Gedenkort Katyn, ein Schritt, den viele Historiker als Versuch werten, die Narrative des Massakers, das von Stalin angeordnet wurde, umzuschreiben.
Solcher Revisionismus dient einem doppelten Zweck: Er stärkt die heimische Unterstützung für das Regime, indem er eine glorifizierte Vergangenheit heraufbeschwört, und er liefert eine moralische Rechtfertigung für außenpolitische Aktionen, einschließlich der Annexion ukrainischer Gebiete. Indem die Sowjetunion als Beschützer russischsprachiger Menschen dargestellt und die gegenwärtigen ukrainischen Behörden als Nachfolger faschistischer Kräfte gebrandmarkt werden, versucht das Kreml, seine Militärkampagne in den Augen seiner Bevölkerung zu legitimieren.
Internationale Reaktion und rechtliche Implikationen
Der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments hat die Verteilung der Lehrbücher als Verstoß gegen die Genfer Konventionen verurteilt, die die Indoktrination von Kindern in besetzten Gebieten verbieten. Eine von Abgeordneten aus Deutschland, Frankreich und Polen eingebrachte Entschließung fordert die EU auf, gezielte Sanktionen gegen Personen und Unternehmen zu prüfen, die an Produktion und Verbreitung des Materials beteiligt sind.
Human Rights Watch hat ebenfalls eine Erklärung abgegeben, in der das Internationale Strafgericht aufgefordert wird, die Lehrbücher im Rahmen eines breiteren Musters von Kriegsverbrechen zu untersuchen, da die systematische Auslöschung der ukrainischen Identität ein kulturelles Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstelle.
Das russische Bildungsministerium verteidigte die Bücher als "Bildungsressourcen, die die historischen Realitäten der Regionen Donbas und Neurussland widerspiegeln". Ein Sprecher erklärte, die Bücher seien in Zusammenarbeit mit lokalen Lehrern und Eltern entstanden, ein Anspruch, der von ukrainischen Behörden und unabhängigen Beobachtern weitgehend bestritten wird.
Auswirkungen an der Front: Rolle ausländischer Freiwilliger
Während die Kontroverse um das Lehrbuch läuft, geht die Kämpfe weiter. Aktuelle OSINT‑Berichte bestätigen, dass ein Kontingent kolumbianischer Freiwilliger, Teil des 23. Angriffsregiments der Ukraine, etwa 7,5 Quadratkilometer bewaldetes Terrain nahe dem Dorf Dvorichna nördlich von Kupjansk zurückerobert hat. Die Operation, dokumentiert von der ukrainischen Analyseplattform DeepStateUA, stellt einen bescheidenen, aber symbolisch wichtigen Gewinn für Kiew im umkämpften Oskil‑Fluss‑Korridor dar.
Kolumbianische Freiwillige sind zu einer bemerkenswerten Präsenz in den ukrainischen Streitkräften geworden; Schätzungen gehen von bis zu 7.000 Personen aus, die seit Kriegsbeginn aus Südamerika nach Ukraine gekommen sind. Ihre Motive sind vielfältig: Einige kämpfen aus ideologischer Opposition gegen die russische Aggression, andere sind ehemalige Kämpfer des kolumbianischen Bürgerkriegs auf der Suche nach Beschäftigung, und ein dritter Teil ist mit kriminellen Netzwerken verbunden, die Drohnen‑Fähigkeiten für den Einsatz zu Hause erwerben wollen.
Die Beteiligung ausländischer Kämpfer unterstreicht die internationale Dimension des Konflikts und wirft Fragen zum Transfer militärischer Expertise über Grenzen hinweg auf. Europäische Regierungen äußern Besorgnis, dass die in der Ukraine gesammelte Kampferfahrung in andere Regionen exportiert werden könnte und damit die Sicherheit des Kontinents gefährdet.
Ausrüstungsverluste und Logistikschlacht
Beide Seiten erleiden weiterhin schwere Verluste an schwerer Ausrüstung. Laut der offenen Oryx‑Datenbank, die Verluste anhand fotografischer Beweise erfasst, hat Russland bis zum 25. August 24.035 Stück schwere Ausrüstung verloren, darunter 4.440 Panzer, von denen 3.346 im Kampf zerstört wurden. Die Ukraine meldete den Verlust von 12.018 Geräten, darunter 1.456 Panzer, von denen 1.117 zerstört wurden.
Die hohe Abnutzungsrate spiegelt die Intensität des logistischen Krieges wider, der zum Markenzeichen des Konflikts geworden ist. Ukrainische Streitkräfte zielen zunehmend auf russische Nachschublinien, setzen Drohnen ein, um bewegende Züge und Konvois anzugreifen. Ein in sozialen Medien verbreitetes Video zeigt, wie zwei Drohnen innerhalb von Sekunden dieselbe Lokomotive attackieren, ein Hinweis auf die wachsende Raffinesse ukrainischer Drohnenoperationen.
Für europäische Hersteller von Verteidigungsausrüstung bedeutet die anhaltende Nachfrage nach Drohnen, Flugabwehrsystemen und elektronischen Kriegsführungswerkzeugen sowohl Chance als auch Dilemma. Während Aufträge aus Kiew den Rüstungssektor ankurbeln, vertieft die Abhängigkeit von westlich gelieferten Waffen die Beteiligung der EU an einem Konflikt, der bereits Lieferketten in zivilen Industrien belastet.
Wie die Zukunft der Bildung in besetztem Gebiet aussehen könnte
Die Einführung des Lehrbuchs Donbas und Neurussland dürfte nur die erste Welle einer umfassenderen Bildungsumgestaltung in den besetzten Gebieten sein. Russische Behörden haben bereits begonnen, den Unterricht in ukrainischer Sprache durch Russisch zu ersetzen und Verweise auf ukrainische Nationalfeiertage, wie den Unabhängigkeitstag am 24. August, aus den Schulkalendern zu streichen.
Ukrainische Beamte warnen, dass je länger die Propaganda anhält, desto schwieriger wird es, diese Kinder nach Kriegsende in einen einheitlichen nationalen Lehrplan zu reintegrieren. "Wir kämpfen um die Köpfe einer Generation", sagte ein hochrangiger Vertreter des ukrainischen Bildungsministeriums. "Wenn wir jetzt nicht handeln, werden die Narben Jahrzehnte überdauern."
Europäische NGOs, darunter das European Centre for Development Policy Management (ECDPM), fordern eine koordinierte Reaktion, die alternative Lernmaterialien, Lehrerfortbildungen und psychosoziale Unterstützung für Kinder, die sowohl Krieg als auch Propaganda ausgesetzt waren, bereitstellt.
Fazit
Die Verbreitung russisch‑genehmigter Geschichtsbücher in der besetzten Ostukraine erinnert eindringlich daran, dass Kriege nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Ideen geführt werden. Durch den Versuch, die Vergangenheit umzuschreiben, hofft Moskau, eine Zukunft zu sichern, in der seine Annexionen als legitim gelten. Für europäische Arbeitnehmer, Familien und Entscheidungsträger wirft das Ereignis dringende Fragen darüber auf, wie das Recht auf Bildung geschützt, das kulturelle Erbe bewahrt und der langfristige Verfall demokratischer Werte an der östlichen Grenze des Kontinents verhindert werden kann.
