Sozialisten und Demokraten präsentieren Entwurf für neue Europa‑Afrika‑Partnerschaft bei Africa Days
Die Fraktion der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament legt einen vier‑Säulen‑Plan vor, der von Hilfen und Sicherheit zu Handel, Investitionen, Klimaschutz und Sozialpolitik führen soll.

Auf dem zweitägigen "Africa Days"‑Treffen in Brüssel nutzte die Fraktion der Sozialisten und Demokraten (S&D) des Europäischen Parlaments die Plattform, um einen Entwurf für eine neue Europa‑Afrika‑Partnerschaft vorzustellen. Das Dokument, das nach dem EU‑Afrikanische Union‑Gipfel in Luanda erarbeitet wurde, will die Beziehung von einem engen Fokus auf Hilfe und Sicherheit zu einer breiteren Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Investitionen, Klimaschutz und Sozialpolitik weiterentwickeln.
Vier Säulen für eine tiefere Partnerschaft
Der Entwurf, der nach umfangreichen Konsultationen mit afrikanischen zivilgesellschaftlichen Gruppen, Jugendorganisationen, Frauenverbänden, Gewerkschaften und Diaspora‑Vertretern erstellt wurde, beruht auf vier Säulen.
Erste Säule: Sie fordert eine gleichberechtigte Partnerschaft bei der Gewinnung und Verarbeitung von Mineralien, wobei lokale Gemeinschaften entscheidenden Einfluss auf Projekte erhalten. Sie verweist auf das Clean Trade and Investment Partnership und ein Memorandum of Understanding mit Südafrika zu nachhaltigen Wertschöpfungsketten für Mineralien und Metalle.
Zweite Säule: Sie hebt das EU‑Programm "Global Gateway" im Wert von 15 Milliarden Euro als möglichen Motor für digitale, Verkehrs‑ und Energieprojekte hervor, verlangt jedoch Transparenz, lokale Eigentümerschaft und messbare Vorteile für einkommensschwache Haushalte, Frauen und Minderheiten. Der S&D‑Text verlangt strenge Wirkungsanalysen, um zu verhindern, dass Projekte lediglich multinationale Unternehmen bereichern.
Dritte Säule: Sie strebt eine Erhöhung der fiskalischen Kapazität afrikanischer Staaten an, unterstützt einen ständigen afrikanischen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und fordert Reformen zur Eindämmung illegaler Finanzströme, zur Verbesserung der Steuererhebung von multinationalen Unternehmen und zur Bereitstellung von klimabezogener Schuldenerleichterung.
Vierte Säule: Sie schlägt gemeinsame Programme in der Grundbildung, der primären Gesundheitsversorgung und dem sozialen Schutz vor, um einen gerechten Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu unterstützen.
Warum Mineralien wichtig sind
Das Dokument stellt fest, dass die europäische Nachfrage nach kritischen Mineralien wie Kobalt, Lithium und Seltenen Erden gestiegen ist, da der Block grünere Technologien verfolgt und die Abhängigkeit von China verringern will. Afrika liefert einen großen Teil dieser Rohstoffe, und die S&D‑Fraktion argumentiert, dass eine Partnerschaft, die Risiko und Nutzen teilt, Lieferketten stabilisieren und gleichzeitig Arbeiter und Umwelt schützen könne.
Reaktionen aus Afrika und Europa
Vertreter afrikanischer Gewerkschaften und Jugendgruppen begrüßten den Fokus auf lokale Eigentümerschaft, warnten jedoch, dass die tatsächliche Umsetzung entscheidend sei. Ein Sprecher der Afrikanischen Regionalorganisation des Internationalen Gewerkschaftsbundes sagte, frühere EU‑finanzierte Projekte hätten oft die versprochenen sozialen Vorteile nicht geliefert und forderte starke Überwachungsmechanismen.
Frauenorganisationen betonten die Notwendigkeit einer geschlechtergerechten Haushaltsplanung und verlangten Garantien, dass ein Teil der Bergbauerlöse für Gesundheit, Bildung und Kinderbetreuung bereitgestellt wird. Eine afrikanische Aktivistin erklärte: "Wir brauchen konkrete Garantien, dass ein Prozentsatz der Erlöse für Gesundheit, Bildung und Kinderbetreuung zweckgebunden wird."
Europäischer Ratspräsident Antonio Costa warnte vor einer Welt, die von Krieg, Desinformation und äußerer Einmischung geprägt sei, und verknüpfte Sicherheitsbedenken in Europa und Afrika. Die zentristisch‑rechte Europäische Volkspartei zeigte sich für tiefere Handelsbeziehungen, mahnte jedoch, dass die Formulierungen nicht den Eindruck erwecken dürften, die Machtverhältnisse zu Gunsten afrikanischer Staaten zu verschieben.
Mögliche Vorteile für Europa
Die S&D‑Fraktion argumentierte, dass eine gerechtere Partnerschaft europäische Industrien schützen würde, indem sie Lieferquellen diversifiziere und stabile Märkte schaffe. Der Plan verspricht europäischen Haushalten einen zuverlässigeren Zugang zu Batterien, Komponenten für Elektrofahrzeuge und Technologien für erneuerbare Energien, was den seit der Pandemie steigenden Preisdruck mindern könnte.
Europäische Gewerkschaften begrüßten die Betonung von Arbeitsrechten und wiesen darauf hin, dass EU‑Sorgfaltspflichten bereits für europäische Hersteller gelten und auf afrikanische Partner ausgeweitet werden könnten.
Nächste Schritte und Herausforderungen
Die Verpflichtungen werden an den Ausschuss für internationalen Handel und den Ausschuss für Entwicklung des Europäischen Parlaments weitergeleitet. Werden die Vorschläge von den Ausschüssen angenommen, könnten sie zukünftige EU‑Haushaltszuweisungen für das Global‑Gateway‑Programm beeinflussen und bevorstehende Handelsabkommen mit der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone prägen.
Kritiker weisen darauf hin, dass das begrenzte EU‑Haushaltsvolumen und die Notwendigkeit einer Einigung unter den 27 Mitgliedstaaten die Ambitionen der Vorschläge abschwächen könnten. Der Erfolg der Partnerschaft hinge laut ihnen von der Fähigkeit afrikanischer Regierungen ab, Vorschriften durchzusetzen, und von der Bereitschaft multinationaler Unternehmen, strengere Bedingungen zu akzeptieren.
Der Bericht zitiert eine Prognose, dass die Bevölkerung Afrikas bis 2050 2,5 Milliarden Menschen erreichen wird, und unterstreicht damit die langfristige Bedeutung der vorgeschlagenen Zusammenarbeit.
