Transatlantischer Dialog stockt, weil US-Politik um Präsident und rechte Berater kreist
EU‑Delegationen berichten, dass die einst lebendige transatlantische Kommunikation zu symbolischen Begegnungen mit Trump‑nahen Think‑Tanks und Beratern degradiert ist.

EU‑Beamte, die Anfang 2025 nach Washington reisten, stellten fest, dass der einst robuste transatlantische Dialog weitgehend zu einer Reihe symbolischer Begegnungen mit Think‑Tanks und hochrangigen Mitarbeitern der Trump‑Administration geworden ist. Die Delegation unter Leitung von Handelskommissar Maroš Šefčovič traf im Februar den US‑Handelsminister Howard Lutnick, den Direktor des National Economic Council Kevin Hassett und den US‑Handelsbeauftragten Jamieson Greer. Die Gespräche wurden als Chance präsentiert, festgefahrene Verhandlungen über einen neuen US‑EU‑Handelsrahmen wieder aufzunehmen.
Optimismus trifft begrenzte Substanz
Šefčovič verließ die Verhandlungen mit einem Gefühl von Optimismus, obwohl Insider beider Seiten die inhaltliche Substanz der Gespräche als begrenzt beschrieben. Der Optimismus wurde nicht von allen Beobachtern geteilt; ein nicht namentlich genannter europäischer Kommentator bezeichnete die US‑Regierung als de facto von einer einzigen Person geführt, wobei die wesentliche Macht durch ihr persönliches Netzwerk fließe.
Gescheiterte hochrangige Kontaktaufnahme
Außenministerin Kaja Kallas versuchte, ein Treffen mit Außenminister Marco Rubio zu arrangieren, doch die Verabredung wurde in letzter Minute abgesagt, was die Schwierigkeit verdeutlicht, senior US‑Beamte außerhalb des inneren Kreises des Präsidenten zu erreichen.
Parlamentarische Delegation findet keinen klaren Fahrplan
Eine Europaparlamentarische Delegation unter Vorsitz von Außenpolitiker David McAllister und Handelsvorsitzendem Bernd Lange traf ebenfalls Mitglieder der Trump‑Administration, MAGA‑naher Think‑Tanks und hochrangige Kongressführer. Die Delegation kam zu dem Schluss, dass die Gespräche keinen klaren Fahrplan für einen bevorstehenden US‑EU‑Handelsdeal ergeben haben.
US‑Politik konzentriert um den Präsidenten
Analysten stellten fest, dass die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump nicht mehr als konventionelle parteiübergreifende Bürokratie funktionierten. Der Einfluss konzentrierte sich um den Präsidenten und Berater von Heritage Foundation, America First Policy Institute und ähnlichen rechten Gruppen. Traditionelle diplomatische Kanäle wie das Außenministerium, das Finanzministerium und das Büro des US‑Handelsbeauftragten sollen nur noch begrenzte Verhandlungskapazitäten besitzen.
NATO‑Dynamik und europäische Konzessionen
NATO‑Generalsekretär Mark Rutte verschaffte sich durch öffentliche Schmeichelei direkten Zugang zu Präsident Trump. Kritiker argumentierten, dass Ruttés Zugang zu Konzessionen führte, die US‑Ansprüche bei der ukrainischen Hilfe milderten und eine permissivere US‑Truppenabzugs‑Haltung ermöglichten. Ein hochrangiger Beamter des Europäischen Rates sagte, dass, obwohl Rutte die USA im NATO‑Bündnis gehalten habe, Europa gezwungen gewesen sei, seine eigenen Politiken an eine US‑Agenda anzupassen, die nicht mehr mit europäischen Interessen übereinstimme.
Entwurf eines Handelsabkommens sorgt für Besorgnis
Der neueste Entwurf eines US‑EU‑Handelsabkommens, der im Februar 2025 diskutiert wurde, sah einen erweiterten Marktzugang für US‑Unternehmen in Europa sowie eine reduzierte EU‑Aufsicht über Datenschutz und Umweltstandards vor. EU‑Beamte berichteten, dass viele den Entwurf für inakzeptabel halten. Politiker argumentierten, dass der aktuelle Ansatz die US‑Opposition, die Schlüsselkomitees im Kongress kontrolliert, nicht einbeziehe.
Progressive Stimmen marginalisiert
Progressive Demokraten seien weitgehend von EU‑geführten diplomatischen Initiativen ausgeschlossen. Ein hochrangiges Mitglied des EU‑Parlamentsausschusses für Außenpolitik bemerkte, dass die EU zwar mit der Administration spreche, jedoch nicht mit den Gesetzgebern, die das nächste Budget, das Handelsgesetz oder die Klimagesetzgebung verfassen würden. Einzelne Abgeordnete hatten das Center for American Progress und den Congressional Progressive Caucus getroffen, doch diese Kontakte seien nicht in die EU‑Außenpolitik institutionalisiert.
Think‑Tank‑Einfluss und Finanzierung
Brüsseler Think‑Tanks, die mit der US‑Far‑Right verbunden sind, wie das Centre for Conservative Cooperation (MCC Brussels), beherbergen regelmäßig amerikanische MAGA‑Figuren und erhalten Mittel von US‑Handelskammern und Großunternehmen. Ein leitender Forscher eines Brüsseler Arbeits‑Think‑Tanks warnte, dass eine Echokammer pro‑Administration‑Stimmen die Fähigkeit der EU beeinträchtige, US‑Politikänderungen vorherzusehen und europäische Arbeitnehmer sowie Verbraucher zu schützen.
Politisches Umfeld und Ruf nach neuem Rahmen
Linke Parteien in Europa seien historisch skeptisch gegenüber der US‑Außenpolitik und hätten nicht die diplomatischen Hebel, um die transatlantische Beziehung neu zu gestalten. Zentristische Parteien, die Europäische Volkspartei, Renew Europe und etablierte sozialdemokratische Parteien, dominieren weiterhin die Teams des Europäischen Rates und der Kommission für Außenpolitik, mit einem Durchschnittsalter von rund 50 Jahren und vielen Senior‑Beamten, die älter seien.
Europäische Think‑Tanks und Gewerkschaften fordern einen neuen EU‑US‑Rahmen, der Kontakte zu amerikanischen Akteuren aufbaut, die nicht an die Loyalität zum Präsidenten gebunden sind. Ein hochrangiger Beamter der Europäischen Gewerkschafts‑Konföderation argumentierte, die EU solle Beziehungen über das gesamte US‑politische Spektrum hinweg entwickeln, einschließlich progressiver Gesetzgeber und unabhängiger Policy‑Institute.
Aufkommende Sicherheitsspannungen
US‑Beamte warnten im Januar 2026, dass sie eine gewaltsame Besetzung dänischer Seegebiete im arktischen Ozean in Erwägung ziehen könnten, was eine neue Dimension zu den bereits angespannten Beziehungen hinzufügt.
Langfristiger Ausblick
Analysten mahnten, dass selbst nach einer post‑Trump‑Administration das Erbe belasteter transatlantischer Beziehungen bestehen bleibe und die EU ein US‑Politikumfeld navigieren müsse, das weiterhin stark um den Präsidenten und sein enges Netzwerk zentriert ist.
