Treibstoff- und Stromknappheit belastet Krim, während ukrainische Angriffe die russische Logistik zuspitzen
Die Krim kämpft mit akutem Treibstoffmangel und Stromausfällen, was die russische Logistik und die europäischen Energiemärkte erschüttern könnte.

Die Krimbehörden bestätigten, dass die Halbinsel mit einer akuten Treibstoffknappheit und einer Belastung der Stromversorgung konfrontiert ist, ein Umstand, der sich auf die russische Logistik und die europäischen Energiemärkte auswirken könnte.
Treibhstoffmangel und Stromengpässe
Gouverneur Sergei Aksyonov schrieb auf VKontakte, dass nur eine geringe Menge Benzin in Kürze zum Verkauf bereitgestellt werde und dass die Stromversorgung unter Druck stehe. Kurz darauf verbreiteten Videos lange LKW-Schlangen, die auf Diesel warteten; ein Fahrer beschrieb eine 35 Kilometer lange Reihe von Lastwagen. Beschränkungen beim Kauf von 40, 50 oder 200 Litern pro Tankstelle wurden üblich, und viele Tankstellen seien geschlossen. In der benachbarten Region Krasnodar wurde ein Gazprom‑eigenes Tankstellengelände gezeigt, das entweder geschlossen war oder von langen Autowarteschlangen umgeben wurde.
Einwohner berichteten von weit verbreiteten Stromausfällen. Ilona Varfomolyeva, eine Bewohnerin von Krasnoperekopsk, sagte, ihr Ort sei seit zwei Tagen ohne Wasser und Strom, wobei Lebensmittel im Kühlschrank zu verderben begännen. Sie fügte hinzu, dass die nahegelegenen Städte Dzhankoi und Razdolne intermittierende Stromversorgung erlebten und dass Behörden die Bewohner warnten, in den nächsten drei Tagen nicht mit einer zuverlässigen Versorgung rechnen zu können.
Reaktionen in den sozialen Medien
Die Ankündigung des Gouverneurs löste eine Flut wütender Kommentare aus. Anatoliy Kovalyov verwies auf eine Fernsehansprache von Präsident Wladimir Putin vom 9. Mai, in der Putin erklärte, Kiew zu zerstören, sollte eine Drohne die Siegesparade stören, und fragte, warum der Kreml nicht in der Lage sei, Treibstoff per Bahn über die Kertrich‑Brücke nach Krim zu liefern, da die Brücke strukturell intakt sei. Er zitierte zudem Putin, der Pavel Zarubin gesagt habe, dass die Krim bald Treibstoff zu Land und zu See erhalten werde.
Eleonora Kulchytska postete ein nächtliches Foto einer dunklen Promenade, die nur von Straßenlaternen beleuchtet wurde, und fragte, ob der Strom für Touristen reserviert sei. Zhasya Solnechnaya fragte Aksyonov, ob Energie‑ und Treibstoffminister Wladimir Voronkin, der Ende Mai behauptet hatte, die Krim sei vollständig mit Benzin versorgt, noch zu vertrauen sei, nachdem die Versorgung verschwunden sei; Aksyonov bestätigte kurz, dass Voronkin der zuständige Minister sei.
Ukrainische Angriffe auf die russische Logistik
Ukrainische Streitkräfte setzen ihre Angriffe auf die russische Logistik fort. Ein Drohnenangriff in der Region Donezk ließ mehr als zwanzig Lastwagen in einem Depot in Flammen aufgehen. Ein weiteres Video zeigte eine ukrainische Drohne, die einen fahrenden Zug auf der Krim angriff, Treibstofftankwagen und Waggons mit Soldaten traf, bevor der Zug in Brand geriet.
Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) meldete einen Drohnenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt Saky auf der Krim, bei dem Hangars mit Su‑30‑ und Su‑30SM‑Jagdflugzeugen getroffen wurden und ein Feuer im Su‑30SM‑Hangar ausbrach. Der Stützpunkt war bereits im August 2022 angegriffen worden, wobei etwa zehn russische Flugzeuge zerstört wurden.
Ukrainische Streitkräfte setzten zudem FP‑5‑„Flamingo"‑Raketen ein; Aufnahmen zeigen zwei Raketen, die das Verteidigungswerk Titan‑Barrikady in Wolgograd treffen und die Startplatz‑Infrastruktur beschädigen. Russische Truppen wurden in einem Abstand von neun Kilometern zur ukrainischen Stadt Kramatorsk beobachtet, und Analyst Petrenko veröffentlichte eine Karte, die russische Stellungen, darunter das Dorf Malynivka, weniger als zehn Kilometer vom nordöstlichen Rand Kramatorsks ausweist.
Verluste an Ausrüstung und weiterreichende Folgen
Die Open‑Source‑Überwachung des Oryx‑Projekts verzeichnete bis zum 29. Juni 23 703 russische schwere Geräte, darunter 4 407 Panzer, von denen 3 310 im Kampf zerstört wurden. Die ukrainischen Verluste wurden mit 11 629 schweren Geräten, darunter 1 437 Panzer, von denen 1 099 zerstört wurden, angegeben.
Unbestätigte Videos aus den Vororten Moskaus zeigten Luftabwehrsysteme, die ein hochfliegendes Ziel anvisierten, sowie einen großen Krater in der Nähe eines Wohngebiets, was Spekulationen über eine ukrainische ballistische Rakete über Moskau auslöste. Der Telegram‑Kanal Military Correspondent bemerkte, dass das Timing des Alarms nicht zu den üblichen niedrigen Drohnenmustern passe und deutete auf einen möglichen ballistischen Einschlag hin.
Der Treibstoffmangel auf der Krim und die umfassende Logistikkrise könnten die europäischen Energiemärkte beeinträchtigen, die stark von russischen Pipeline‑Lieferungen abhängen. Die öffentliche Kritik in den sozialen Medien zeigt Unmut gegenüber den Kreml‑Politiken in der besetzten Region, während gezielte ukrainische Angriffe eine Strategie zur Schwächung der russischen Kriegskapazität bei gleichzeitiger Vermeidung ziviler Opfer verdeutlichen. Sollte der mutmaßliche ballistische Raketenangriff über Moskau bestätigt werden, könnten europäische Staaten ihre Luftverteidigungsstellungen neu bewerten.
