Trump verlässt NATO-Gipfel in Ankara nach umstrittenen Äußerungen zu Iran, Spanien und Grönland
Der US-Präsident verließ das Treffen, nachdem er Iran als "Lügner" und "Krebs" bezeichnet und die USA einen möglichen Griff nach Grönland in Aussicht gestellt hatte.

US-Präsident Donald Trump verließ den NATO-Gipfel in Ankara, nachdem er eine Reihe von provokanten Bemerkungen zu Iran, Spanien und der Möglichkeit einer US-Kontrolle über Grönland abgegeben hatte. In seiner Rede bezeichnete er den Iran als "Lügner" und "Krebs", bezeichnete Spanien als "verschwendete Sache" und deutete an, dass die Vereinigten Staaten erwägen könnten, Grönland zu übernehmen.
Reaktion der NATO-Führung
NATO-Führungsmitglieder, darunter der niederländische Ministerpräsident und NATO-Generalsekretär Mark Rutte, lobten den jüngsten Anstieg der europäischen Verteidigungsausgaben. Rutte sagte dem Präsidenten, dass die Verteidigungsbudgets des Blocks, die nun über eine Billion Dollar liegen, einen NATO-Erfolg darstellen und forderte ihn auf, dies anzuerkennen.
Der Nordatlantikrat veröffentlichte ein Kommuniqué, das das "unerschütterliche Bekenntnis" der Allianz zur kollektiven Verteidigung nach Artikel 5 bekräftigte und versprach, die anhaltende Bedrohung durch Russland anzugehen. Zudem wurde beschlossen, für das Jahr 2026 70 Milliarden Euro für militärische Hilfe und Ausbildung der Ukraine bereitzustellen, mit einem vergleichbaren Betrag für 2027.
US-Militäraktionen und iranische Reaktion
Das US-Militär meldete Luftangriffe auf 80 Ziele im Persischen Golf und erklärte, diese seien eine Reaktion auf iranische Störungen des kommerziellen Schiffsverkehrs. Der Iran bestritt jede Beteiligung an den angeblichen Störungen. Am folgenden Tag wurden Angriffe auf US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait gemeldet.
Trump bezeichnete Iraner als "kranke, boshafte, gewalttätige Menschen" und hielt Verhandlungen für sinnlos, fügte jedoch hinzu, dass diplomatische Gespräche bei Bedarf weitergeführt werden könnten.
Wirtschaftliche und diplomatische Folgen
Nach den Äußerungen des Präsidenten stiegen die Brent-Ölpreise um etwa sechs Prozent auf rund 74 Dollar pro Barrel (etwa 65 Euro). Ein EU‑Sprecher forderte alle Parteien auf, das aktuelle Waffenstillstandsabkommen zu respektieren und diplomatische Lösungen zu verfolgen, und warnte, dass eine weitere Eskalation die Energiemärkte destabilisieren und europäische Haushalte belasten könnte.
Die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez, die den Krieg in der Ukraine ablehnt, verbot US‑Flugzeugen die Nutzung des spanischen Luftraums während der jüngsten Iran‑bezogenen Angriffe. Trump sagte, er habe nicht mit Spanien gesprochen und wiederholte, das Land sei eine "verschwendete Sache", während er gleichzeitig die Möglichkeit eines Handelsstopps mit Spanien erwähnte, ohne konkrete Politik zu nennen.
Europäische Verteidigungsausgaben und politische Debatte
Seit der Invasion der Ukraine haben die EU-Mitgliedstaaten gemeinsam mehr als eine Billion Euro an zusätzlichen Verteidigungsausgaben zugesagt. Gewerkschaften und linksgerichtete Parteien in ganz Europa äußerten Bedenken, dass die finanzielle Last der erhöhten Budgets hauptsächlich auf Arbeitnehmer und öffentliche Dienste falle. In Frankreich, Deutschland und Italien wird darüber diskutiert, wie höhere Verteidigungsausgaben finanziert werden können, ohne Sozialprogramme zu kürzen. Gewerkschaftsführer fordern einen "gerechten Übergang", der Verteidigungsinvestitionen mit Schutz von Löhnen, Renten und bezahlbarem Wohnraum verknüpft.
Implikationen für US-Politik und NATO‑Zusammenhalt
Analysten wiesen darauf hin, dass Trumps aggressive Haltung gegenüber dem Iran die heimische US‑Politik beeinflussen könnte, da steigende Ölpreise die amtierende Partei vor den Kongresswahlen im November belasten. Beobachter warnten, dass die wechselnden Positionen des Präsidenten Unsicherheit bei NATO‑Verbündeten erzeugen könnten.
NATO kündigte an, die Lage in der Straße von Hormus und im weiteren Nahen Osten weiter zu beobachten, während das 70‑Milliarden‑Euro‑Hilfspaket für die Ukraine vorbereitet wird. Europäische Führungsfiguren werden voraussichtlich die USA um eine konsistentere Politik gegenüber dem Iran und um Zusicherungen bitten, dass einzelne Verbündete nicht für punitive Maßnahmen singled out werden.
