Tsipras gründet die Allianz der griechischen Linken als neue Partei vor der nächsten Parlamentswahl
Der frühere Ministerpräsident Alexis Tsipras stellt die neue Partei ELAS vor, die linke Wirtschaftspolitik mit nationalistischer Ausrichtung verbinden will.

Alexis Tsipras, der von 2015 bis 2019 als Ministerpräsident Griechenlands amtierte, hat die Gründung einer neuen politischen Partei namens Allianz der griechischen Linken (ELAS) angekündigt. Die Partei wurde zunächst als Bewegung präsentiert, bevor sie formell registriert wurde, und will traditionelle linke Wirtschaftspolitik mit einer nationalistischen Haltung verbinden, um konservative Wähler anzusprechen.
Hintergrund des neuen Vorhabens
Tsipras trat erstmals ins nationale Rampenlicht, als seine Syriza-Partei die Januar‑2015‑Wahl mit einem anti‑Austeritäts‑Programm gewann. Syriza regierte zunächst als Minderheitsregierung, bevor sie eine Koalition mit den Unabhängigen Griechen einging. Die Koalition verhandelte die Rettungsbedingungen mit der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds, was nur begrenzte Schuldenerleichterungen brachte, jedoch die Akzeptanz weiterer Sparmaßnahmen erforderte. 2018 löste die Regierung den langjährigen Namensstreit mit Nordmazedonien durch das Prespa‑Abkommen, ein Schritt, der im Norden Griechenlands auf Widerstand stieß.
Nach einer von Tsipras im Juli 2019 ausgerufenen Neuwahl verlor Syriza, und die Nea Demokratia unter Kyriakos Mitsotakis erreichte eine komfortable Mehrheit. Die nachfolgende Regierung verzeichnete ein moderates Wirtschaftswachstum, sah jedoch steigende Lebenshaltungskosten und anhaltende Ungleichheit. Analysten verknüpfen die Niederlage von Syriza 2019 mit den Sparpolitiken, Steuererhöhungen, Rentenkürzungen, Lohnstopps im öffentlichen Sektor und der Kontroverse um das Namensabkommen.
2023 trat Tsipras als Syriza‑Führer zurück, woraufhin die Umfragewerte der Partei sanken. Der Start von ELAS ist sein Versuch, mit einer Plattform, die neoliberale Reformen ablehnt, den öffentlichen Dienst verteidigt und soziale Gerechtigkeit betont, wieder in die Politik zurückzukehren.
Umfragen und Wahraussichten
Frühe Meinungsumfragen von Kapa Research setzen ELAS bei etwa achtzehn bis zwanzig Prozent der Stimmen an, womit sie nach der amtierenden Nea Demokratia (35‑38 Prozent) die zweitgrößte Kraft wäre. Die Zahlen liegen vor den Mitte‑links‑orientierten Bewegung für Veränderung und der rechtsextremen Spartans. Politikwissenschaftler weisen darauf hin, dass griechische Wahlen oft durch knappe Margen entschieden werden und Koalitionsverhandlungen das Endergebnis stark beeinflussen können.
Politisches Programm
ELAS schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, die jüngste Steuererhöhungen rückgängig machen, das Wachstum der Löhne im öffentlichen Sektor wiederherstellen und bestimmte EU‑geförderte Projekte neu verhandeln sollen, um griechische Arbeitnehmer zu priorisieren. Die Partei verpflichtet sich zudem zum Schutz des Kulturerbes, zu einer strengeren Einwanderungspolitik, zur Einführung von Mietpreis‑Kontrollen, zur Erhöhung der Mittel für sozialen Wohnungsbau und zur Beschleunigung von Investitionen in Solar‑ und Windenergie.
Folgen für Griechenland und die EU
Inländische Beobachter vermuten, dass ein Regierungsbeteiligung von ELAS zu Steuerentlastungen und höheren Löhnen im öffentlichen Sektor das verfügbare Einkommen steigern könnte, während ein konfrontativer Ansatz gegenüber den EU‑Haushaltsregeln den Fluss von Erholungsgeldern gefährden könnte. Griechenland bleibt ein wichtiger Empfänger von EU‑Strukturfonds und ein Grenzstaat auf der Mittelmeer‑Migrationsroute.
Akademische Kommentare zeigen, dass das griechische Wählerverhalten nach wie vor volatil ist und Wähler, die sich von den Sparjahren betrogen fühlten, zur Linken zurückkehren könnten, wenn sie eine glaubwürdige Alternative sehen, die zugleich den Nationalstolz wahrt. Die Generaldirektion für Wirtschaft und Finanzen der Europäischen Kommission hat ihr Engagement für die griechische Erholung bekräftigt und signalisiert, konstruktiv mit jeder Regierung zusammenzuarbeiten, die die Werte der Union und den fiskalischen Rahmen respektiert.


