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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Welt23. Juni 2026

Ukrainische Angriffe lassen die Krim im Dunkeln und unterbrechen Verkehrsverbindungen

Präzisionsschläge auf das Kraftwerk bei Kerch und die Eisenbahnbrücken haben weite Teile der besetzten Halbinsel ohne Strom zurückgelassen und den Transport stark beeinträchtigt.

Ukrainische Angriffe lassen die Krim im Dunkeln und unterbrechen Verkehrsverbindungen

Ukrainische Streitkräfte haben am Dienstagabend eine Reihe von Präzisionsschlägen durchgeführt, die das Thermalkraftwerk bei Kerch sowie die Eisenbahnbrücken, die die Krim mit dem von Russland kontrollierten Festland verbinden, ins Visier nahmen. Die Angriffe führten zu großflächigen Stromausfällen, die etwa die Hälfte des besetzten Territoriums betrafen, und beschädigten die wichtigsten Verkehrsverbindungen.

Stromausfälle und Wassermangel

Das Thermalkraftwerk, ein zentraler Stromlieferant für das Netz der Halbinsel, wurde getroffen und erzeugte eine dichte Rauchwolke, die nach Schätzungen rund 47 Kilometer weit reichte. Satellitendaten des NASA‑FIRMS‑Systems registrierten am Morgen des Angriffs mehrere Feuerhotspots in der Region Kerch. Die russische Überwachungsagentur Astra meldete Stromausfälle in den Städten Jewepatoria, Saky, Krasnoperekopsk und Dschankoi sowie in den Bezirken Krasnoperekopsk, Saky, Dschankoi und Krasnogvardeisky.

Der lokale Wasserversorger Voda Krymu arbeitet seit Wochen ohne stabile Stromversorgung, und Analysten wiesen darauf hin, dass Probleme mit Strom und Wasser bereits vor dem jüngsten Angriff auftraten. Bewohner klagten über lange Warteschlangen an Geldautomaten und die Unfähigkeit, Handys zu laden oder Haushaltsgeräte zu betreiben.

Verkehrsstörungen und Treibstoffverbot

Die Eisenbahnbrücken wurden beschädigt, sodass Zugverbindungen nun in Kerch enden und der Rest der Krim ohne Bahnanschluss bleibt. Russische Behörden verhängten am Wochenende ein generelles Verbot des Treibstoffverkaufs auf der gesamten Halbinsel und begründeten dies mit der Befürchtung, dass ein ukrainischer Angriff ein Feuer auf der Krimbrücke auslösen könnte. Das Verbot zwingt die Versorgung auf Landwege durch das besetzte Süd‑Ukrainien, vor allem die R‑280‑Autobahn, die innerhalb der Reichweite ukrainischer Mittelstrecken‑Drohnen liegt.

Touristen, die den Sommer auf der Krim verbringen, sehen sich reduzierten Strandmengen und eingeschränkter Mobilität gegenüber, seit die Bahnverbindungen gekürzt wurden. Schätzungsweise 400 000 russische Urlauber befinden sich auf der Halbinsel, die insgesamt etwa zwei Millionen Einwohner hat. Videoaufnahmen zeigten Familien, die ihr Hab und Gut packen, um zu gehen, und andere, die auf schwach beleuchteten Promenaden verweilen.

Strategischer Kontext

Ukrainische Streitkräfte setzen zunehmend Präzisionsschläge gegen Energieanlagen ein, um die Kriegskapazität Russlands zu schwächen und gleichzeitig zivile Opfer zu minimieren. Das Kraftwerk Kerch war bereits Anfang Juni getroffen. Russische Aussagen behaupten, dass das Halbleiterwerk Voronezh von Storm‑Shadow‑Raketen aus dem Vereinigten Königreich getroffen wurde, während ein US‑Verteidigungskommentar vermutete, dass die USA im Rahmen des ERAM‑Programms AGM‑188A‑„Rusty Dagger"-Raketen bereitgestellt haben könnten. Das russische Medium Defence Express bemerkte, dass die bei dem Voronezh‑Schlag beobachteten Raketen Storm‑Shadows ähnelten, was die Möglichkeit einer Mischung westlicher Waffen offen lässt. Ukrainische Beamte haben öffentlich nicht bestätigt, welche Waffen bei den Angriffen eingesetzt wurden.

Analysten des Conflict Intelligence Team warnten, dass die systematische Zielsetzung von Brücken, Fähren und Ölraffinerien darauf abziele, die Krim nahezu unbewohnbar und für den Tourismus ungeeignet zu machen. Das Europäische Parlament hat den Schutz ziviler Infrastruktur und die ungehinderte Lieferung humanitärer Hilfe gefordert, während EU‑Beamte betonen, dass die Angriffe Bedenken hinsichtlich der Einhaltung des humanitären Völkerrechts aufwerfen und die EU‑Russland‑Beziehungen belasten.

Entwicklungen in Russland

Landesweit werden Treibstoffknappheiten gemeldet; das Portal The Bell dokumentiert Treibstoffbeschränkungen in 53 von 89 Regionen, wobei Käufe meist auf 20‑50 Liter pro Transaktion begrenzt sind. Einige Tankstellen haben geschlossen, andere verzeichnen lange Schlangen. In Moskau wurde die Raffinerie Kapotnya, die etwa die Hälfte des städtischen Treibstoffs liefert, in einem separaten ukrainischen Angriff zu Wochenbeginn beschädigt. Satellitenbilder des Journalisten Mark Krutov zeigten ein abgerissenes Tankdeckel und später Feuerschäden an einer AVT‑6‑Raffinerieeinheit in Kapotnya.

Open‑Source‑Monitoring von Oryx ergab, dass die russischen Streitkräfte bis zum 8. Juni 23 668 schwere Geräte verloren haben, darunter 4 404 Panzer, von denen 3 307 im Kampf zerstört wurden. Ukrainische Quellen berichteten von 11 564 Verlusten schwerer Geräte, darunter 1 433 Panzer, von denen 1 097 zerstört wurden. Die Opferzahlen des Konflikts sind bislang nicht unabhängig verifiziert.

Ausblick

Analysten erwarten, dass die Ukraine weiterhin Energie‑ und Verkehrsinfrastruktur auf der Krim angreift, um die russische Verwaltung zu belasten. Der Kreml dürfte die Luftabwehr rund um die Krimbrücke verstärken und nach alternativen Treibstofflieferwegen suchen. Die kommenden Winterbedingungen werden die Widerstandsfähigkeit der Kriminfrastruktur auf die Probe stellen, und weitere Störungen könnten zu einer humanitären Krise führen.

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