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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Welt31. Juli 2026

Ukrainische Lenkdrohnen intensivieren Angriffe auf russische Raffinerien, Exportverbote für Kraftstoff verlängert

Ukrainische Streitkräfte setzen vermehrt Langstrecken‑Lenkdrohnen ein, um russische Raffinerien zu treffen, während Moskau die Exportverbote für Benzin und Diesel bis 2027 ausdehnt.

Ukrainische Lenkdrohnen intensivieren Angriffe auf russische Raffinerien, Exportverbote für Kraftstoff verlängert

Ukrainische Streitkräfte haben den Einsatz von Langstrecken‑Lenkdrohnen gegen die russische Energieinfrastruktur ausgeweitet und dabei eine Reihe großer Raffinerien ins Visier genommen, die seit Wochen stillgelegt sind. Die Angriffe wurden mit der FP‑1‑Drohne durchgeführt, die zwischen 60 kg und 120 kg wiegt und etwa 55 000 US‑Dollar pro Stück kostet, sowie mit einer erweiterten Version, der FP‑1(ER), die mehr als 3 300 km zurücklegen kann und damit tief in Sibirien vordringen kann.

Aktuelle Angriffe und ihre Folgen

Am 31. Juli wurde eine Lukoil‑Raffinerie in Wolgograd getroffen, ebenso ein Verteilzentrum von Wildberries. Ein separater Angriff auf ein Wildberries‑Lager in Tatarstan löste ein Feuer aus, das mehrere Stunden brannte. In Rjasan brach nach einem gemeldeten FP‑1‑Einschlag ein Brand in einer Ölverarbeitungsanlage aus; Reuters berichtete, dass die Raffinerie Rjasan bis zu zwei Wochen für Reparaturen geschlossen bleiben könnte.

Die ELOU‑AVT‑11‑Primärverarbeitungseinheit der Omsker Raffinerie, die jährlich etwa 8,4 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet und rund zehn Prozent der gesamten russischen Ölförderung ausmacht, wurde ebenfalls getroffen. Die Einheit gehört zu Gazpromneft‑ONPZ.

Viele der beschädigten Komponenten stammten ursprünglich von westlichen Herstellern, sodass Ersatzteile nur langsam verfügbar sind. Kleine Teile wie Mikrochips können geschmuggelt werden, größere Bauteile wie Destillationskolonnen benötigen ein Jahr Fertigung in China und ein weiteres Jahr für die Installation.

Design und Einsatzmethoden der Drohnen

Das Design der FP‑1 erinnert an die türkische Bayraktar‑Serie, mit einem zentralen Pod, doppelten Heckrümpfen und einem Horizontalstabilisator. Ukrainische Betreiber planen Angriffe, indem Ingenieure verwundbare Raffineriekomponenten identifizieren und die Drohnen dann programmieren, um radargeichte Routen zu diesen Punkten zu fliegen.

Zusätzlich zur FP‑1‑Familie betreibt die Ukraine größere Lenkdrohnen namens Liutyi, die auf dem An‑196‑Rumpf basieren, sowie das Bober‑System. Die Liutyi, produziert von Antonov und Ukroboronprom als Reaktion auf iranische Shahed‑Drohnen, tragen einen Sprengkopf von 50‑75 kg, können etwa 2 000 km fliegen und nutzen an Bord künstliche Intelligenz, um Live‑Video mit gespeicherten Bildern zu vergleichen und autonome Zielanpassungen vorzunehmen. Liutyi‑Drohnen wurden wiederholt gegen die Tuapse‑Raffinerie am Schwarzen Meer eingesetzt.

Westliche Unterstützung und Probleme der russischen Luftabwehr

Der tschechische Analyst Lukáš Visingr erklärte, dass ukrainische Planer Echtzeit‑Standortdaten zu russischen Luftabwehrbatterien von westlichen Aufklärungsflugzeugen und Satelliten erhalten und dass die USA und Frankreich Zielinformationen liefern, die den Drohnen helfen, stark verteidigte Korridore zu umgehen. Er warnte, dass die nominale Reichweite von 75 km des S‑300‑Systems keine lückenlose Abdeckung garantiert, weil Gelände, Tiefflug und Signalstörungen Blindzonen erzeugen.

Der russische Luftabwehrkommandant testet elektronische Kriegsführung, um die Navigationssysteme ukrainischer Drohnen zu stören, mit gemischtem Erfolg. Verteidigungsminister Sergei Shoigu kündigte ein Modernisierungsprogramm für S‑300‑ und S‑400‑Batterien mit neueren Radaren und Raketen an.

Exportverbote und europäische Reaktion

Die russische Regierung hat die Verbote für den Benzinexport bis zum 31. Januar 2027 verlängert und die Diesel‑Exporte bis zum Ende des Sommers verboten. Polen und die baltischen Staaten begrüßen die Verbote als Anstoß, alternative Lieferungen zu beschleunigen, während Deutschland und Italien, die noch etwas russischen Diesel importieren, mit höheren Kraftstoffpreisen und engeren Logistikmargen konfrontiert sind.

Die Europäische Kommission warnte, dass anhaltende Engpässe die Benzinpreise über 1,80 € pro Liter treiben könnten, ein Niveau, das viele Haushalte als unerschwinglich empfinden. EU‑Beamte diskutieren eine „European Drone Defence Initiative", um Radar‑Daten, Raketenbestände und elektronische Gegenmaßnahmen zu bündeln, und das Klimapaket „Fit for 55" enthält nun eine Klausel, die die Schaffung strategischer Kraftstoffreserven und Investitionen in wasserstoffkompatible Raffinerien fördert. Sollten die Exportverbote weiterbestehen, könnte die EU erwägen, Wettbewerbsregeln zu lockern, um grenzüberschreitende Kraftstofftauschgeschäfte und schnellere Ersatzteilbewegungen für Raffinerie‑Reparaturen zu ermöglichen.

Innere russische Reaktion

Raffineriearbeiter berichten von reduziertem Überstundenaufkommen, niedrigeren Prämien und in einigen Fällen vorübergehenden Entlassungen, da die Produktion sinkt. Gewerkschaften äußern Bedenken hinsichtlich der Lebensstandards, obwohl ihre Aussagen stark von staatlichen Medien kontrolliert werden. Das Energieministerium spielt die Angriffe herunter und bezeichnet die Störungen als vorübergehend und schnell behoben.

Russische Beamte beschuldigen die USA und Frankreich, illegale Zielinformationen zu liefern, die die Angriffe ermöglichen. Präsident Wladimir Putin warnte, dass jede weitere Sabotage der Energieinfrastruktur mit entschlossener Vergeltung beantwortet werde und deutete an, das eigene „Karat"‑Programm für Lenkmunition auszubauen.

Ausblick

Ukrainische Beamte sagen, die Drohnenkampagne werde weitergehen, um strategischen und wirtschaftlichen Druck auf Moskau auszuüben. Zukünftige Operationen könnten größere Schwärme, fortschrittlichere KI‑gesteuerte Lenkmunition und integrierte Cyberangriffe auf russische Befehlsnetze umfassen. Russland versucht, Lücken im Luftabwehrnetz zu schließen und eigene Langstrecken‑Lenkdrohnen zu entwickeln.

Europäische Gewerkschaften drängen Regierungen, den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen und Verbraucher vor Kraftstoffpreisspitzen zu schützen, während Industrieverbände warnen, dass ein abruptes Reduzieren russischer Kraftstoffimporte die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller, die auf günstige Energie angewiesen sind, gefährden könnte.

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