Ukrainisches 3. Armeekorps rückt an russische Vorstoß im Norden von Donezk heran
Das 3. Armeekorps der Ukraine steht kurz davor, einen russischen Vorsprung im Norden der Region Donezk zu umzingeln und damit Moskaus Vormarsch zur strategischen Kramatorsk‑Sloviansk‑Achse zu stoppen.

Ukrainische Truppen des 3. Armeekorps stehen kurz davor, einen russischen Vorsprung, der in den nördlichen Teil der Region Donezk hineinragt, zu umschließen. Dieser Schritt könnte den Vormarsch Moska in Richtung der strategisch wichtigen Kramatorsk‑Sloviansk‑Achse zum Stillstand bringen.
Wie der Vorstoß gelang
Der Veterananalyst Dmytro Putiata berichtete am 24. August, dass eine einzelne Brigade mit vier Schützenpanzern (IFV) und begleitender Infanterie etwa drei Kilometer in das feindliche Brückenkopfgebiet eindrang, Truppen einsetzte und die IFV ohne Verluste zurückzog, obwohl über dem Gebiet intensive Drohnenaktivität herrschte.
Putiata, in slowakischen Kreisen als "Kriegsforscher" bekannt, führte den Erfolg auf die enge Abstimmung zwischen Artillerie und unbemannten Luftfahrzeugen zurück. Er erklärte, dass das Schlachtfeld so vorbereitet worden sei, dass die allgegenwärtige russische Drohnenbedrohung abgewehrt werden könne, wodurch das mechanisierte Element unter dem Schutz von Gegen‑Drohnenfeuer und präzisen Artillerieschlägen vorankam.
Ein kleiner, aber bedeutender Einsatz
Obwohl es sich nur um einen Vorstoß auf Zugtrupp‑Ebene handelt, argumentieren Analysten, dass sich das Umfeld seit den groß angelegten Offensiven von 2022 dramatisch verändert habe. Die Front sei jetzt von Drohnen, elektronischer Kriegsführung und Langstreckenartillerie gesättigt, sodass jede koordinierte mechanisierte Bewegung zu einer komplexen Aufgabe werde. In diesem Sinne zeige die Operation, dass "Manövrierkriegsführung nicht tot ist", wie Putiata formulierte.
Geografischer Fokus: Kolodiazi und der Fluss Zherebets
Von dem russisch‑nahen Telegram‑Kanal Rybar veröffentlichte Karten setzten den ukrainischen Vorstoß zunächst in die Nähe des Dorfes Shandryholove und deuteten auf einen Zangenangriff von Norden und Süden hin. Unabhängige Analysten identifizierten jedoch den eigentlichen Brennpunkt als die Siedlung Kolodiazi, die mehr als zehn Kilometer im Inneren des russisch gehaltenen Vorsprungs liegt.
Der polnische Analyst Thorkill, der ukrainische Angaben häufig hinterfragt, postete am 25. August eine Karte, die zeigte, dass das 3. Armeekorps am Westufer des Flusses Zherebets drängt, um den Brückenkopf der 20. russischen Armee zu eliminieren. Die in Finnland ansässige Black Bird Group bestätigte Thorkills Platzierung von Kolodiazi als Schwerpunkt, bemerkte jedoch, dass der Angriff von Norden aus in zwei Richtungen zu kommen scheine.
Kolodiazi liegt auf der Linie zwischen den Städten Kateryniwka, Nowe und Zełena Dolyna, nördlich der umkämpften Stadt Lyman. Die Kontrolle dieses Korridors würde die russische Nachschublinie abschneiden, die von den Stellungen der 144. Schützendivision nahe Malynivka und Tykhonivka bis zu den östlichen Randgebieten von Kramatorsk verläuft.
Strategische Bedeutung für den Donbas
Gelingt der ukrainische Vorstoß, würde er verhindern, dass russische Kräfte ihre Vorsprünge bei Malynivka und Tykhonivka verbinden, ein Vorbedingung für einen größeren Durchbruch zur Agglomeration Sloviansk‑Kramatorsk. Die russische 20. Armee befindet sich derzeit acht einhalb Kilometer von Kramatorsks östlicher Grenze entfernt, ein Abstand, der sich dramatisch verringern könnte, wenn der Brückenkopf nicht neutralisiert wird.
Der ukrainische Analyst Bohdan Myroshnykov warnte, dass der russische Versuch, eine Tasche im Gebiet Charkiw, nördlich des Donbas, zu bilden, noch in den Kinderschuhen stehe. Die Konturen der Tasche, die er in einem Social‑Media‑Post skizzierte, zeigen eine dünne Linie russischer Truppen, die von Vovchansk im Norden bis Dvorichne am Westufer des Flusses Oskil reichen, etwa siebzig Kilometer. Der Druck an dieser Front sei weniger sichtbar, könnte aber, wenn er unbeachtet bleibe, ukrainische Reserven vom Donbas abziehen.
Aktuelle Lage der ukrainischen Verteidigungslinie
Die ukrainische Verteidigungslinie östlich des Siverskyi Donets und des Donbas‑Kanals bleibt robust. Antitankgräben und ingenieurtechnische Hindernisse schützen die Dörfer Malynivka und Tykhonivka und zwingen russische Einheiten, auf den schmalen Brückenkopf zurückzugreifen, den sie geschaffen haben. Der ukrainische Account von Petrenko, veröffentlicht am selben Tag wie Putiatas Bericht, bestätigte, dass russische Truppen in den Gebieten Tykhonivka, Malynivka und südlich von Dibrova vorrücken und gleichzeitig den Kanalkorridor in Richtung Vasutynske und Nykanorivka sondieren.
Folgen für Zivilbevölkerung und Kriegsverlauf
Eine mögliche Einkreisung des russischen Vorsprungs hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung in den Regionen Donezk und Charkiw. Gelingt die ukrainische Operation, könnten russische Einheiten zurückweichen, was die Artilleriebeschussrate, die Wohngebiete rund um Kramatorsk und Sloviansk verwüstet hat, reduzieren würde. Für die rund 1,2 Millionen Einwohner der Agglomeration Kramatorsk‑Sloviansk würde ein Rückgang des Beschusses weniger vertriebene Familien, geringere Opferzahlen und die Chance auf die Wiederherstellung grundlegender Dienstleistungen bedeuten, die seit Jahren nur sporadisch verfügbar sind.
Aus humanitärer Sicht verdeutlicht die Operation zudem die wachsende Abhängigkeit von Präzisionsschlägen, die Kollateralschäden begrenzen. Durch die Integration von Drohnen, die feindliche Luftverteidigungsradare lokalisieren und neutralisieren, kann die ukrainische Artillerie genauer feuern und zivile Bauten schonen, die sonst im Kreuzfeuer landen würden.
Reaktionen aus dem Feld und darüber hinaus
Russische Medien bleiben weitgehend still zu dem konkreten ukrainischen Vorstoß, doch Rybars wiederholte Erwähnung von "Gegenangriffen in Lyman‑Richtung" lässt vermuten, dass Moskau den Druck wahrnimmt. Die Karte des Kanals verlegt den Schwerpunkt jedoch, möglicherweise bewusst, um die wahre Tiefe des ukrainischen Vorstoßes zu verschleiern.
In Kiew hat das Verteidigungsministerium keine detaillierte Erklärung abgegeben, doch Oberbefehlshaber Oleksandr Pavliuk lobte das 3. Armeekorps dafür, dass es "operative Flexibilität in einem stark umkämpften Luftraum" zeige. Diese Bemerkung fügt sich in die breitere Erzählung ein, dass ukrainische Streitkräfte sich an ein Schlachtfeld anpassen, das von Drohnen dominiert wird.
Europäische Partner haben dies bemerkt. Ein Sprecher der Europäischen Verteidigungsagentur, der anonym bleiben wollte, sagte, die Operation unterstreiche die Bedeutung fortgesetzter Unterstützung für ukrainische Drohnen‑Gegenmaßnahmen und die Lieferung moderner IFV, die in dichten elektronischen Kriegsumgebungen operieren können.
Gesamtbild im Osten
Während die Donbas‑Front die meiste Aufmerksamkeit erhält, bleibt das östliche Kriegsschauplatz volatil. Russische Versuche, Vovchansk mit Dvorichne zu verbinden, haben eine "graue Zone" entlang der Grenze geschaffen, in der beide Seiten in erschöpfenden Kämpfen verwickelt sind. Die Zerstörung von Vovchansk Anfang 2025 und die anschließende Besetzung haben ein Machtvakuum hinterlassen, das russische Truppen mit einer Reihe kleinerer Vorstöße zu füllen versuchen.
Myroshnykov warnte, dass die Lage am östlichen Ufer des Oskil‑Flusses, insbesondere rund um die Stadt Kupjansk, "einem Kollaps nahe" sei. Wenn dort die russischen Nachschublinien versagen, könnte das eine Verlagerung von Truppen vom Donbas erzwingen und damit indirekt die Ziele des 3. Armeekorps unterstützen.
Technologie im Einsatz: MiG‑29 über Odessa
In einem separaten Ereignis, das die Entwicklung der Luftkampftechnik verdeutlicht, führte ein ukrainischer Pilot mit einer MiG‑29 über Odessa eine ungewöhnliche Manöver aus, während er einer russischen Drohne nachjagte. Das von dem russischsprachigen Kanal Fighterbomber analysierte Filmmaterial zeigt, wie das Flugzeug eine Schleife fliegt und die Drohne zum Absturz bringt, ein Vorgehen, das neue Gegen‑Drohnen‑Doktrinen signalisieren könnte.
Militärische Experten vermuten, dass solche riskanten Manöver zu einem Vorbild für Piloten werden könnten, die kritische Infrastruktur entlang der Schwarzmeerküste schützen sollen. Der Vorfall spiegelt zudem den breiteren Trend wider, ältere Flugzeuge auf innovative Weise einzusetzen, um den Schwarm billiger, kommerziell hergestellter Drohnen, die Russland erhalten, entgegenzuwirken.
Ausblick für das 3. Armeekorps
Die Black Bird Group warnt, dass trotz des vielversprechenden Vorstoßes die Operation noch lange nicht abgeschlossen sei. Die russische 20. Armee hält weiterhin einen Fuß am Westufer des Flusses Zherebets, und jeder Versuch, den Vorsprung vollständig zu umzingeln, erfordere anhaltende Artillerieunterstützung, zusätzliche Infanterieverstärkungen und vor allem Luftverteidigungsschutz gegen Gegen‑Drohnenangriffe.
Gelingt es den ukrainischen Kräften, den Brückenkopf zu schließen, würde die nächste Phase wahrscheinlich die Konsolidierung des gewonnenen Territoriums, den Aufbau von Nachschubdepots und die Vorbereitung eines möglichen Vorstoßes auf die Stadt Kramatorsk selbst umfassen. Ein solcher Schritt würde die Frontlinie in Reichweite eines bedeutenden Industriezentrums bringen und die Einsatzbereitschaft beider Seiten stark beeinflussen.
Für das europäische Publikum verdeutlicht die Operation, wie eine relativ kleine, gut koordinierte mechanisierte Aktion strategische Wirkungen entfalten kann in einem Krieg, in dem das Kräfteverhältnis zunehmend von Technologie, Logistik und der Fähigkeit, Taktiken spontan anzupassen, abhängt. Sie bestärkt zudem das Argument, dass fortgesetzte europäische Hilfe, nicht nur in Form von Waffen, sondern auch durch Ausbildung, Informationsaustausch und logistische Unterstützung, für die Fähigkeit der Ukraine, solche Operationen durchzuführen, unverzichtbar bleibt.
Fazit
Der Vorstoß des 3. Armeekorps nach Kolodiazi markiert einen Wendepunkt im Stillstand des Donbas. Indem es droht, einen russischen Vorsprung zu durchtrennen, der nur acht Kilometer von Kramatorsk entfernt liegt, testen die ukrainischen Streitkräfte die Grenzen der Manövrierkriegsführung in einer von Drohnen dominierten Umgebung. Das Ergebnis wird die nächste Phase des Konflikts prägen, die Sicherheit der Zivilbevölkerung, die Verteilung russischer Ressourcen und die strategischen Kalkulationen der europäischen Partner, die in die Verteidigung der Ukraine investiert haben, beeinflussen.
