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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Politik26. Juni 2026

Ungarn plant zwölfjährige Amtszeitbegrenzung für Abgeordnete im Rahmen umfassender Purgatory‑Reformen

Die neue Koalition will die Parlamentarierlaufzeit auf zwölf Jahre begrenzen – ein Vorschlag, der bis zum 27. Juni zur öffentlichen Konsultation steht.

Ungarn plant zwölfjährige Amtszeitbegrenzung für Abgeordnete im Rahmen umfassender Purgatory‑Reformen

Die neue Koalitionsregierung hat einen Verfassungsreformvorschlag eingebracht, der die parlamentarische Dienstzeit auf zwölf Jahre begrenzen würde. Der Entwurf, der im Rahmen des Gesetzespakets "Purgatory" vorgestellt wurde, ist bis zum 27. Juni zur öffentlichen Konsultation geöffnet, während gesonderte Stellungnahmen zum neuen Amt für Vermögensrückgewinnung bis zum 30. Juni angenommen werden.

Inhalt des Vorschlags

Nach dem Vorschlag dürfte kein Mitglied der Nationalversammlung, das bereits zwölf oder mehr Jahre im Parlament gedient hat, bei der nächsten Wahl erneut antreten. Die Maßnahme würde vor allem die regierende Fidesz‑Partei sowie ihre Koalitionspartner, die Christlich‑Demokratische Volkspartei (KDNP) und die rechtsextreme Bewegung Mi Hazánk, betreffen. Laut der Wochenzeitung HVG würden 22 der 52 derzeitigen Fidesz‑Abgeordneten in Frage kommen, darunter Persönlichkeiten wie Gergely Gulyás, Péter Szijjártó, János Lázár, Bence Tuzson und Máté Kocsis. Alle 30 Abgeordneten, die über die Tisza‑Liste gewählt wurden, haben bislang keine parlamentarische Erfahrung und blieben damit für die Wahlen 2030 und 2034 wählbar.

Reaktionen und Einschätzungen

Politische Analysten sehen in der Änderung eine mögliche Generationen­erneuerung vor der nächsten Wahl, die jedoch nicht zwangsläufig die Demokratie stärkt. Die Regierungspartei wendet Kritik als politisches Theater zurück und betont, dass die Reformen die Gewaltenteilung wiederherstellen sollen. Oppositionsparteien warnen, dass die Amtszeitbegrenzung erfahrene Gesetzgeber verdrängen und durch Loyalisten der neuen Regierung ersetzen könnte. Die Ungarische Sozialistische Partei warnt davor, dass die Reformen die Macht in den Händen einer kleinen Elite konzentrieren könnten, die noch nicht vom Wähler geprüft wurde. Ein Sprecher des EU-Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres hat erklärt, dass die Vorschläge Fragen zur zukünftigen Unabhängigkeit des Parlaments und zum Machtgleichgewicht in Ungarn aufwerfen. Die Europäische Union, die bereits Vertragsverletzungsverfahren wegen Rechtsstaatsfragen gegen Ungarn eingeleitet hat, könnte die neuen Reformen als weitere Belastung der Beziehungen ansehen.

Weitere Bestandteile des Purgatory‑Pakets

Das Purgatory‑Paket beinhaltet zudem Änderungen der Befugnisse des Präsidenten, des Verfassungsgerichts und des Obersten Gerichts sowie die Schaffung eines neuen Amtes für die Rückgewinnung und den Schutz nationaler Vermögenswerte. Es soll die Zahl der Grundgesetze reduzieren, die derzeit eine Zweidrittel‑Mehrheit im Parlament für Änderungen erfordern. Die Regierung präsentiert das Paket als Notfallmaßnahme, die später durch einen vollständigen Verfassungsprozess und ein Referendum über eine neue Verfassung ersetzt werden soll.

Hintergrund und Zielsetzung

Beamte betonen, dass die Reformen dazu dienen sollen, die systemische Erfassung zu beenden, die sie der vorherigen Regierung von Viktor Orbán zuschreiben. Im Wahlkampf der Tisza‑Koalition wurde ein achtjähriges Limit für das Amt des Premierministers versprochen, ein Schritt, den Kritiker als gezielte Maßnahme gegen Orbán, der seit 2010 Premierminister ist, interpretieren.

Potenzielle Folgen

Wird die Amtszeitbegrenzung angenommen, könnte dies zu einer Umstrukturierung der Ausschussvorsitze und parlamentarischer Aufsichtsorgane führen, die die öffentlichen Ausgaben, einschließlich der Kulturförderung, überwachen. Kürzliche Verhaftungen von Beamten, die des Missbrauchs öffentlicher Gelder im Kulturbereich verdächtigt werden, haben die Kontrolle über staatliche Ressourcen verstärkt. Der Ungarische Konföderation der Gewerkschaften schlägt vor, dass eine Erneuerung des Parlaments frische Stimmen für die Interessen der Arbeiter bringen könnte, sofern der Prozess transparent verläuft. Gleichzeitig warnt sie, dass ein schneller Zustrom unerfahrener Abgeordneter die Aufsicht über Großprojekte wie den Ausbau des Stromnetzes und bezahlbare Wohnungsprogramme schwächen könnte.

Weiteres Vorgehen

Die Regierung hat den Entwurf zur öffentlichen Kommentierung freigegeben, jedoch steht der Termin für die parlamentarische Debatte noch aus. Wird die Änderung angenommen, tritt sie bei der nächsten Wahl in Kraft und zwingt die Parteien, ihre Kandidatenlisten vor 2030 anzupassen.

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