● LIVEECB RATE 2.4%·EUR/USD 1.1539·EUR/GBP 0.8558·BRUSSELS 20°C — OVERCAST·VON DER LEYEN WILL WETTBEWERBSFÄHIGKEIT MIT EUROPÄISCHER STRATEGISCHER AUTONOMIE VERKNÜPFEN·KI-GENERIERTE INHALTE ÜBERSCHWEMMEN DAS NETZ UND TREIBEN GRASSROOTS-ANTI‑BOT‑TOOLS VORAN·HITZEWELLEN SCHWÄCHEN KONZENTRATION UND WOHLBEFINDEN IN EUROPA, SAGEN WISSENSCHAFTLER·EUROPÄISCHE STÄDTE MACHEN ÖFFENTLICHE BÄUME ZU KOSTENLOSEM ESSEN FÜR DIE BEWOHNER·KI DOMINIERT DAS NETZ, NUTZER SUCHEN NACH WEGEN, MENSCHLICHE INHALTE ZU SCHÜTZEN·ESSBARE STADT: WIE BÜRGER OBST VON ÖFFENTLICHEN BÄUMEN ERNTEN UND WAS DAS FÜR EUROPA BEDEUTET·WOCHE 38 · VOL. XV · N°259·● LIVEECB RATE 2.4%·EUR/USD 1.1539·EUR/GBP 0.8558·BRUSSELS 20°C — OVERCAST·VON DER LEYEN WILL WETTBEWERBSFÄHIGKEIT MIT EUROPÄISCHER STRATEGISCHER AUTONOMIE VERKNÜPFEN·KI-GENERIERTE INHALTE ÜBERSCHWEMMEN DAS NETZ UND TREIBEN GRASSROOTS-ANTI‑BOT‑TOOLS VORAN·HITZEWELLEN SCHWÄCHEN KONZENTRATION UND WOHLBEFINDEN IN EUROPA, SAGEN WISSENSCHAFTLER·EUROPÄISCHE STÄDTE MACHEN ÖFFENTLICHE BÄUME ZU KOSTENLOSEM ESSEN FÜR DIE BEWOHNER·KI DOMINIERT DAS NETZ, NUTZER SUCHEN NACH WEGEN, MENSCHLICHE INHALTE ZU SCHÜTZEN·ESSBARE STADT: WIE BÜRGER OBST VON ÖFFENTLICHEN BÄUMEN ERNTEN UND WAS DAS FÜR EUROPA BEDEUTET·WOCHE 38 · VOL. XV · N°259·
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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Europa24. Juli 2026

Tofu‑Knappheit in Deutschland deckt Lücken in Europas pflanzlicher Proteinversorgung auf

Die leeren Regale deutscher Supermärkte zeigen, dass die rasante Nachfrage nach Tofu die begrenzte europäische Produktionskapazität überfordert.

Tofu‑Knappheit in Deutschland deckt Lücken in Europas pflanzlicher Proteinversorgung auf

Deutsche Supermärkte kämpfen derzeit damit, Tofu im Regal zu halten, viele Gänge sind leer, während die letzten Packungen noch mit Preisschildern versehen sind. Die Situation folgt einem schnellen Nachfrageboom: Der Umsatz hat sich in den letzten drei bis vier Jahren fast verdoppelt, und Analysten rechnen bis 2025 mit einem weiteren Anstieg von rund 30 %.

Warum die Produktion nicht mithalten kann

Der Engpass entsteht nicht durch einen Mangel an Sojabohnen, die globalen Ernten sind reichlich, sondern durch die geringe Zahl europäischer Tofu‑Hersteller und die lange Vorlaufzeit für den Ausbau ihrer Anlagen. Der Bau einer neuen Produktionslinie erfordert die Anschaffung von Maschinen, die Sicherung von Baugenehmigungen, die Installation der Ausrüstung und die Inbetriebnahme der Anlage, ein Prozess, der von mehreren Monaten bis zu einigen Jahren dauern kann.

Tofu ist kein Neuling auf dem Markt; seine Wurzeln liegen seit Jahrhunderten in der asiatischen Küche. Erst in den letzten zehn Jahren hat Europa jedoch ein deutliches Interesse an pflanzlichen Proteinquellen gezeigt. Marktdaten zeigen, dass 2025 die kombinierten Verkäufe von Tofu, Tempeh und Seitan in Deutschland um etwa 30 % gestiegen sind, in den Niederlanden um 27 % und in Italien um 24 % im Vergleich zum Vorjahr.

Ernährungs­kontext

Sojabohnen liefern hochwertiges, leicht verdauliches Protein und überwiegend ungesättigte Fettsäuren. Tofu behält den Großteil des Proteins, enthält jedoch deutlich weniger Ballaststoffe als die ganze Bohne. Im Vergleich zu anderen Hülsenfrüchten wie Erbsen, Linsen, Kichererbsen und Lupinen liefert Tofu ebenfalls geringere Mengen an Ballaststoffen, Folat und pflanzlichem Eisen, Nährstoffe, die für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind.

Eine Studie unter der Leitung von Prof. Anne‑Maria Pajari von der Universität Helsinki zeigte, dass ein teilweiser Ersatz von rotem und verarbeitetem Fleisch durch Hülsenfrüchte das LDL‑Cholesterin senkt und zu einem moderaten Gewichtsverlust führt. "Wir haben versucht, zwei gute Dinge zu verbinden: planetare Gesundheit und die Gesundheit der Menschen".

Verbrauchsmuster und Umweltwirkungen

EU‑Statistiken für 2017‑2019 verzeichnen einen täglichen Pro‑Kopf‑Verbrauch von getrockneten Bohnen, Linsen, Kichererbsen und Erbsen von knapp 10 g, weit unter den von Ernährungsexperten empfohlenen 100 g pro Tag.

Aus agronomischer Sicht bietet Soja mehrere Vorteile: Es bildet eine Symbiose mit stickstoff‑fixierenden Bakterien, benötigt wenig synthetischen Dünger und kann die Bodenqualität für nachfolgende Kulturen verbessern. Nicolas Guilpart, außerordentlicher Professor für Agronomie an der Université Paris‑Saclay AgroParisTech, weist darauf hin, dass Soja vier‑ bis sechsmal weniger Pestizide benötigt als andere Ölsaaten. Der Wasserbedarf der Pflanze ist jedoch hoch, und ein großer Teil der europäischen Sojafelder wird bewässert, ein Problem in einer Zeit zunehmender Wasserknappheit.

Europa bewirtschaftet nur etwa 1 % seiner Agrarfläche mit Soja. In der Saison 2024‑2025 wurden rund 3 Millionen Tonnen in der EU angebaut, während 13,4 Millionen Tonnen importiert wurden, was einem Importanteil von 94 % entspricht (Schätzungen der Europäischen Kommission). Etwa 70 % des in der EU produzierten Sojaproteins wird als Tierfutter verwendet. Der nicht‑lebensmittelmäßige Einsatz von importiertem brasilianischem Soja wurde von der Non‑Profit‑Plattform Trase mit dem jährlichen Verlust von rund 13 600 ha Regenwald zwischen 2021 und 2023 in Verbindung gebracht.

Potential für mehr Eigenversorgung

Forschungen deuten darauf hin, dass Europa mindestens die Hälfte seiner Sojanachfrage heimisch decken könnte, wenn geeignete Flächen bereitgestellt und klimatische Veränderungen berücksichtigt werden. Historisch konzentrierte sich das nach‑Krieg‑Europa auf Getreide, während die USA den Sojamarkt dominierten. Der Klimawandel könnte neue Anbauzonen in Nord‑ und Osteuropa eröffnen.

Wissenschaftler des französischen CNRS, darunter Jean‑Malo Couzigou, untersuchen weniger bekannte Hülsenfruchtarten, die unter zukünftigen Klimabedingungen gedeihen könnten. "Tofu und Edamame haben bereits gezeigt: Wenn sich Verbraucher:innen an den Geschmack gewöhnen, zieht die Industrie nach".

Klein­scale Initiativen und politische Hürden

In Lettland ist der größte Tofu‑Produzent ein Ein‑Personen‑Unternehmen von Mārtiņš Mičulis, das die Marke OG Tofu während der Covid‑19‑Pandemie gründete. Auch dieses bescheidene Unternehmen hat seine Kapazitätsgrenzen erreicht, und die Akzeptanz in Restaurants bleibt begrenzt.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU unterstützt zwar Hülsenfrüchte wie Erbsen und Lupinen, aber der Anteil dieser Subventionen am Gesamthaushalt ist gering. Ein FAO‑Bericht kritisiert die aktuelle GAP‑Struktur dafür, Fleisch‑ und Getreideproduktion zu begünstigen, wodurch Hülsenfrüchte für Landwirte weniger attraktiv und für Verbraucher teurer werden.

Klimabedingte Hitzewellen und Dürreperioden während der Blüte können Erträge stark reduzieren, sodass Landwirte risikoärmere Kulturen bevorzugen. In Frankreich ist die Fläche, die mit Erbsen bestellt wird, in den letzten drei Jahrzehnten von 700 000 ha auf etwa 100 000 ha gesunken.

EU‑Proteinstrategie und ihre Grenzen

Am 7. Juli veröffentlichte die Europäische Kommission ihren Protein‑Action‑Plan, der den Anteil von in der EU angebautem Ölsaat‑ und Protein‑Korn‑Protein im Tierfutter bis 2035 von 25,8 % auf 35 % erhöhen will. Der Plan enthält kein vergleichbares Ziel für den direkten menschlichen Verzehr.

Die Europäische Vegetarier‑Union (EVU) äußert Bedenken, dass der Fokus auf Futtermittel den Lebensmittelmarkt vernachlässigt. Sie fordert gezielte Unterstützung für Hülsenfrüchte, die für die Nahrungsmittelproduktion bestimmt sind, sowie stabile Beschaffungsmärkte durch öffentliche Verpflegungsverträge. Öffentliche Institutionen in der EU geben jährlich rund 45 Milliarden € für Mahlzeiten in Schulen, Krankenhäusern und Kantinen aus, ein Markt, der für Hülsenfrüchte weitgehend ungenutzt bleibt.

Auswirkungen für Verbraucher und Industrie

Für den durchschnittlichen Konsumenten bedeutet die aktuelle Knappheit höhere Preise und eine geringere Produktauswahl. Einzelhändler berichten, dass die Kosten für importierten Tofu gestiegen sind und ein Teil dieser Erhöhung an die Käufer weitergegeben wird.

Kleinere Produzenten wollen ihre Kapazitäten ausbauen, stoßen jedoch auf regulatorische Hürden und Finanzierungsengpässe. Größere Unternehmen investieren in neue Fabriken, insbesondere in Deutschland und den Niederlanden, wo die Nachfrage am stärksten ist. Einige prüfen zudem die Möglichkeit, Sojaprotein aus europäischen Kulturen zu beziehen, um Lieferketten zu verkürzen und die Abhängigkeit von südamerikanischen Importen zu reduzieren.

Was könnte sich ändern?

Mögliche politische Maßnahmen umfassen die Ausweitung von GAP‑Subventionen speziell für Hülsenfrüchte, die für Lebensmittel bestimmt sind, die Schaffung gezielter Förderprogramme für Verarbeitungs‑ und Lagereinrichtungen sowie die Nutzung öffentlicher Beschaffung, um einen verlässlichen Markt für legumenbasierte Produkte zu garantieren. Die Stärkung von Nachhaltigkeitskriterien für importiertes Soja, etwa die Verpflichtung zu einer entwaldungsfreien Zertifizierung, könnte den ökologischen Fußabdruck reduzieren und die heimische Produktion fördern.

Die Tofu‑Knappheit in deutschen Supermärkten ist damit ein Symptom tieferliegender struktureller Schwächen im europäischen Lebensmittelsystem, das Produktionskapazität, Subventionsgestaltung und globale Umweltfolgen umfasst. Wie schnell Politik, Industrie und Verbraucher zusammenarbeiten, wird entscheiden, ob Tofu wieder regulär im Regal liegt oder ein Premium‑Produkt bleibt.

Diese Details wurden erstmals in einer Pressemitteilung von REWE veröffentlicht.

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