Sommerpause der Abgeordneten zeigt deutsche Überrepräsentation und finnische Begeisterung
Während das Europäische Parlament vom 21. Juli bis 21. August pausiert, antworteten deutsche Abgeordnete unverhältnismäßig häufig, während Finnland die höchste Rücklaufquote erreichte.
Das Europäische Parlament trat am 21. Juli in die offizielle Sommerpause und wird bis zum 21. August weder Plenarsitzungen, Ausschusssitzungen noch offizielle Termine abhalten.
Umfrage unter den 718 Abgeordneten
Ein Journalist schrieb an alle 718 Mitglieder eine E‑Mail und bat um eine kurze Notiz zu den Sommerplänen. 124 Abgeordnete antworteten, davon gaben 93 konkrete Details zu ihren Vorhaben während der Pause an.
Deutsche Abgeordnete machten etwa ein Drittel der detaillierten Antworten aus, obwohl sie nur etwas mehr als ein Zehntel der Sitze innehaben. Als mögliche Erklärungen wurden die deutsche Staatsangehörigkeit des Journalisten und die schnelleren Reaktionszeiten deutscher Büros genannt.
Finnland erzielte die höchste Rücklaufquote, fast die Hälfte seiner Abgeordneten antwortete. Mehrere finnische Mitglieder erwähnten die Vorfreude auf die Sauna, und ein Mitglied der Linken äußerte die Hoffnung, dass die Pause frei von Krieg‑Drohnen sein möge.
Italien und Polen lieferten jeweils nur eine einzige Antwort, ein Fall von "ghosted".
Partei‑gruppen im Überblick
Die Grünen lieferten 19 % der Antworten bei etwa 7 % der Sitze, Renew Europe 17 % bei 11 % der Sitze und die Europäische Volkspartei 19 % bei 26 % der Sitze.
Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, die Pause für Zeit mit der Familie zu nutzen.
Individuelle Pläne im politischen Spektrum
Der tschechische unabhängige Abgeordnete Ondřej Dostál vermisst oft das Zuhause wegen der Doppelstandort‑Struktur Brüssel‑Straßburg, was auch das Personal mit Familien betrifft. Der irische Renew‑Abgeordnete Barry Andrews plant Strandspaziergänge in Dublin und ein abendliches Guinness. Der spanische EPP‑Abgeordnete Gabriel Mato will im August seine Flugreisen reduzieren.
Der österreichische Grüne Thomas Waitz arbeitet auf seinem Bauernhof, betreut Bienen, erntet Gemüse, mäht Rasen und verknüpft diese Tätigkeiten mit Klimathemen und einer bevorstehenden GAP‑Änderung. Mitglieder der Europäischen Konservativen und Reformisten sowie der Patriots for Europe zeigten hohe Heimbleib‑Quoten: sechs von acht bzw. vier von fünf Befragten bleiben zu Hause.
Patriots for Europe‑Abgeordneter Tomáš Kubín will zu einem FKK‑Resort nach Kroatien reisen und mit dem Motorrad durch Europa fahren. Der litauische Sozialdemokrat Povilas Andriukaitis wird im August Änderungsentwürfe für ein Biotech‑Gesetz ausarbeiten, das im Dezember beschlossen werden soll. Der irische Renew‑Abgeordnete Ciaran Mullooly kämpft für von der Dekarbonisierung betroffene Arbeitnehmer und feiert im August seinen sechzigsten Geburtstag.
Die deutsche SPD‑Abgeordnete Sabrina Repp und die Grüne Anna Cavazzini konzentrieren sich auf die Landtagswahlen in Mecklenburg‑Vorpommern und Sachsen‑Anhalt. Die niederländische Renew‑Abgeordnete Brigitte Van Den Berg plant eine Rucksacktour durch den Dschungel, während ihre Kollegin Raquel García Hermida‑Van Der Walle mit dem Zug von Friesland nach Spanien reisen will.
Der ungarische EPP‑Abgeordnete Csaba Bogdán bevorzugt ungeplante Reisen ohne festes Programm. Der deutsche Grüne Kai Tegethoff will von Brüssel nach Spanien radeln, und der österreichische SPÖ‑Abgeordnete Andreas Schieder plant ebenfalls, Belgien mit dem Fahrrad zu erkunden.
Der tschechische EPP‑Abgeordnete Ondřej Kolář renoviert ein Haus aus den 1920er‑Jahren bei Prag. Die dänische Grüne Kira Marie Peter‑Hansen erwartet im August eine Tochter. Die slowenische EPP‑Abgeordnete Zala Tomašič plant ihre Hochzeit. Der deutsche Renew‑Abgeordnete Lukas Sieper will ein Technofestival besuchen, und der deutsche EPP‑Abgeordnete Axel Voss freut sich auf die GamesCom in Köln.
Der niederländische Renew‑Abgeordnete Gerben‑Jan Gerbrandy empfiehlt Den Haag wegen seiner Museen, Strände und Dünen. Der lettische ECR‑Abgeordnete Roberts Zīle schlug einen Besuch in Lettland vor. Der polnische Abgeordnete Arkadiusz Mularczyk hob UNESCO‑Stätten in Małopolska hervor, darunter die Altstadt von Krakau, die Salzbergwerke Wieliczka und Bochnia sowie Auschwitz‑Birkenau.
Die tschechische Grüne Catarina Vieira erinnerte die Kolleg*innen daran, dass das Leben jenseits digitaler Benachrichtigungen existiert, und die deutsche Grüne Hannah Neumann sagte, sie bereite sich darauf vor, nach den Ferien weiterhin Faschisten und Autokraten entgegenzutreten.
Die Bandbreite der Aktivitäten, von Familienzusammenkünften und Saunagängen bis zu Radtouren und Gesetzesentwürfen, verdeutlicht die persönliche Vielfalt der europäischen Gesetzgeber während der Sommerpause des Parlaments.