Tour de France kämpft gegen beispiellose Hitze, Fahrer fordern Kalenderreform
Erstmals seit über einem Jahrhundert musste die Tour de France wegen extremer Hitze ihr Programm anpassen.
Zum ersten Mal seit ihrer Gründung vor über hundert Jahren wurde die Tour de France gezwungen, ihr Programm wegen extremer Hitze zu ändern. Sieben Tage in Folge lagen die Temperaturen über 35 °C, auf mehreren Etappen sogar über 40 °C. Die unerbittliche Hitze erhöhte nicht nur die körperliche Belastung der Radfahrer, sondern führte auch zur Absage einer Etappe und zur Verkürzung einer weiteren, Meilensteine, die es in der 110‑jährigen Geschichte des Rennens noch nie gab.
Radsportler erleiden schwere physiologische Belastungen
Die Konkurrenten berichteten von Krämpfen, Erschöpfung und in einigen Fällen von Hitzschlag, wobei die Körpertemperatur kurzzeitig über 40 °C stieg. Ein Fahrer gab an, während einer einzigen Etappe 4,5 kg Körpergewicht verloren zu haben. Ein anderer schilderte die Bedingungen eindringlich: "Die Luft war so heiß, dass es sich anfühlte, als würde man eine Ofentür öffnen".
Teams kämpfen um Abkühlung der Fahrer
Die Betreuer der Teams haben eine Reihe von Kühlmaßnahmen eingeführt. Vor dem Start erhalten die Radfahrer kühlende Westen, die mit Eis gefüllt sind, und tauchen ihre Unterarme in Behälter mit gekühltem Wasser. Entlang der Strecke bekommen die Fahrer Eis‑Slush‑Gele, mit Eis gefüllte Socken und zusätzliche Trinkstationen. In einer besonders heißen Etappe konsumierte ein Team etwa 180 Wasserflaschen, rund 11 Liter pro Fahrer, und viele Radfahrer sprangen unmittelbar nach Zielankunft in Eis‑Bäder.
Forderungen nach struktureller Veränderung von der Elite des Sports
Vierfach‑Champion Tadej Pogačar, der das Rennen derzeit dominiert, hat ein grundlegendes Umdenken des Kalenders gefordert. Er sagte: "Wenn ich die Macht hätte, würde ich den gesamten Kalender ändern und im Juli und August nicht an heißen Orten fahren". Klimaforscher Benjamin Sultan, Mitautor einer Studie des World Climate Council zur Tour, warnte, dass die derzeitigen Maßnahmen nicht ausreichen, und plädierte dafür, mehr Etappen nach Nordfrankreich zu verlegen oder die Rennen bereits um 05:00 Uhr zu starten, um die Spitzensonne zu vermeiden.
Veranstalter berufen sich auf bestehende Protokolle
Tour‑Direktor Christian Prudhomme erinnerte die Teilnehmer daran, dass die Union Cycliste Internationale (UCI) bereits eine "Anpassungs"‑Klausel in ihren Regelungen verankert hat. Er verwies auf das offizielle Hitze‑Protokoll, das Schattenzonen, zusätzliche Trinkstationen und in extremen Fällen die vollständige Absage einer Etappe vorsieht, ein Mittel, das bis jetzt nie angewendet wurde.
Wirtschaftliche Überlegungen stehen im Konflikt mit Gesundheitsaspekten
Veranstalter argumentieren, dass ein früherer Start oder eine Verlagerung nach Norden die Fernsehzuschauerzahlen und die Zuschauer am Straßenrand verringern würde, wodurch die Sichtbarkeit für Sponsoren sinkt. Sultan betonte das empfindliche Gleichgewicht zwischen kommerziellen Interessen und öffentlicher Gesundheit und fügte hinzu, dass Sponsoren stark auf Prime‑Time‑Präsenz angewiesen sind und jede Planungsänderung finanzielle Risiken birgt.
Zukünftige Hitzewellen im Blick
Klimaprognosen zeigen, dass Hitzewellen in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich doppelt so häufig auftreten werden. Sultan schloss, dass das Rennen unvermeidlich einer Abrechnung gegenüberstehen wird, wenn extreme Temperaturen zur Norm werden.
Hitzeprobleme betreffen den europäischen Sport insgesamt
Die Tour ist nicht allein mit brennenden Bedingungen konfrontiert. Die French Open in diesem Frühjahr sah einen Spieler zusammenbrechen, der das Umfeld als "wahnsinnig" bezeichnete, während die Australian Open ihr Extrem‑Hitze‑Protokoll aktivierten, die Dächer schlossen und das Spiel im Freien aussetzten.
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