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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Wirtschaft05. August 2026

Deutsche Exportkreditgarantie unterstützt brasilianische Gasbohrungen trotz strengerer Klimaregeln

Eine von Euler Hermes im Februar 2024 gewährte Exportkreditgarantie für eine Bohrinsel von Herrenknecht wird von Umweltaktivisten kritisiert, weil sie die Gasförderung im Amazonasgebiet fördert.

Deutsche Exportkreditgarantie unterstützt brasilianische Gasbohrungen trotz strengerer Klimaregeln

Im Februar 2024 stellte Euler Hermes eine Exportkreditgarantie für eine Bohrinsel aus, die vom deutschen Ingenieurunternehmen Herrenknecht gebaut und von dem brasilianischen Energiekonzern Eneva gekauft wurde. Die Garantie wurde von der deutschen Regierung nach Einführung verschärfter Exportkredit‑Klimaregelungen am 1. November 2023 genehmigt.

Berliner Begründung und Gegenwind von Aktivisten

Die deutschen Behörden argumentierten, die Bohrinsel ersetze lediglich ältere Geräte, erhöhe nicht die Gesamtkapazität und verlängere die Lebensdauer des Feldes nicht. Die Kampagnengruppe Oil Change International (OCI) wies jedoch auf die Garantie und den geplanten Einsatz der Bohrinsel hin und stellte Berlins Behauptung, das Projekt erhöhe die Förderkapazität nicht, in Frage.

Von der Verschiffung bis zum Bohren im Amazonas

Die Bohrinsel, genannt Eneva Explorer, wurde im April 2025 verschifft und im Mai 2025 im Parnaíba-Becken im Bundesstaat Maranhão installiert. Innerhalb von sechs Monaten bohrte sie sieben Brunnen, von denen sechs im rechtlich definierten Amazonasgebiet Brasiliens liegen. Im Januar 2026 gab Eneva bekannt, dass die Brunnen ein geschätztes Gasvolumen von 2,2 bis 4 Milliarden Kubikmetern enthalten.

Soziale und ökologische Bedenken

Eine im Jahr 2022 in der Revista de Políticas Públicas begutachtete Studie verknüpfte Enevas Gas‑ und Kohleanlagen in Maranhão mit Vertreibung von Gemeinschaften, Umweltverschmutzung und Ernährungsunsicherheit. Das brasilianische Medium ClimaInfo berichtete, dass Staatsanwälte Eneva vorwerfen, indigene Völker bei Projekten im Amazonas nicht konsultiert zu haben, was zu rechtlichen Auseinandersetzungen führte.

Antwort von Euler Hermes

Euler Hermes antwortete OCI, dass das Unternehmen nie Beschwerden über Enevas Explorationsaktivitäten erhalten habe.

Deutschlands Verpflichtungen zur Klimafinanzierung

Deutschland trat 2021 der Clean Energy Transition Partnership bei und versprach, die Finanzierung von fossilen Projekten im Ausland zu beenden. Die Exportkredit‑Klimaregeln von 2023 sollten die Finanzierung an das 1,5‑Grad‑Ziel des Pariser Abkommens anpassen, enthalten jedoch Ausnahmen für Projekte, die als wasserstoffbereit gelten, mit CO₂‑Abscheidung ausgestattet sind oder als geopolitisch strategisch für die Versorgungssicherheit Deutschlands eingestuft werden.

OCI berechnete, dass Deutschland in den Jahren 2023‑24 etwa 1,5 Milliarden US‑Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) an fossilen Projekten genehmigt habe, die zweitgrößte Verletzung des CETP‑Versprechens nach Italien.

Politischer Kurswechsel und bevorstehende Revisionen

Die aktuelle Koalition aus CDU, CSU und SPD signalisiert in ihrem Koalitionsvertrag eine Hinwendung zu flexibleren Exportkredit‑Leitlinien. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie arbeitet an einer Überarbeitung der Exportkredit‑Regeln; ein Konsultationspapier soll bald veröffentlicht werden, obwohl das Ministerium vor der Veröffentlichung des Berichts nicht auf Anfragen von OCI reagierte.

Weiterer politischer Kontext

Im Mai stimmte Berlin für eine UN‑Resolution, die die Staaten auffordert, ihre rechtlichen Klimaverpflichtungen zu erfüllen. Gewerkschaften und Umweltverbände in ganz Europa beobachten den Fall und argumentieren, dass die Unterstützung ausländischer fossiler Förderung die EU‑Klimaziele untergräbt und die Energiepreise der Haushalte erhöht. Sie fordern eine strenge Auslegung des 1,5‑Grad‑Limits bei allen Exportkredit‑Entscheidungen.

Die deutsche Exportkreditgarantie bleibt in Kraft. Die neu gebohrten Brunnen sollen den wachsenden Gasmarkt Brasiliens bedienen und könnten die Abhängigkeit des Landes von fossilen Brennstoffen erhöhen, während die EU eine rasche Umstellung auf erneuerbare Energien vorantreibt. Kritiker warnen, dass die Lockerung der Regeln und die steigende Abhängigkeit von Gasimporten Deutschland weniger sicher, weniger wettbewerbsfähig und international weniger glaubwürdig machen würden.

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