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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Wirtschaft24. Juli 2026

EU‑Aserbaidschan-Energiepakt unter wachsender Sorge um die Pressefreiheit unterzeichnet

Der am 21. Juli geschlossene Energiepartnerschaftsvertrag soll die EU von russischem Gas und Öl unabhängig machen, doch Menschenrechtsgruppen kritisieren die Inhaftierung von Journalisten in Aserbaidschan.

EU‑Aserbaidschan-Energiepakt unter wachsender Sorge um die Pressefreiheit unterzeichnet

Deutschland und Aserbaidschan haben am 21. Juli eine Energiepartnerschaft unterzeichnet, ein Abkommen, das laut deutscher Seite der Europäischen Union helfen soll, russisches Gas und Öl durch Lieferungen aus dem Südkaukasus zu ersetzen. Der Vertrag wurde wenige Wochen nach dem Besuch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Baku abgeschlossen, bei dem sie das Potenzial Aserbaidschans zur Förderung regionaler Stabilität lobte.

Energiensicherheit versus Menschenrechte

Deutsche Beamte betonten, dass die EU zuverlässige und diversifizierte Energiequellen benötige, und wiesen auf die Öl‑ und Gasfelder Aserbaidschans als Grundpfeiler für stabilere Gaslieferungen an europäische Haushalte hin, mit der Aussicht auf niedrigere Winterpreise. Die Partnerschaft wird zudem als Reaktion auf die Blockade des Persischen Golfs im Jahr 2026 gesehen, die die globale Energiemarktvolatilität erhöht hat.

Gleichzeitig hat das Abkommen Kritik von Menschenrechtsorganisationen ausgelöst. Reporter ohne Grenzen schätzt, dass mindestens 25 Journalist*innen in Aserbaidschan inhaftiert sind, und das Land belegt im World Press Freedom Index 2026 den 171. Platz, zwei Plätze über Russland. Mehr als zwei Dutzend Journalist*innen sitzen laut dem Bericht im Gefängnis.

Seit der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar, wo Präsident Ilham Aliyev erklärte, "es gibt keine unabhängige Medien in der Welt", haben sich die Verfolgungen von Journalist*innen der Abzas Media, Meydan TV und Toplum TV verstärkt. Die Anklagepunkte reichten von angeblichem Währungsschmuggel bis zu Bedrohungen der nationalen Sicherheit, Vorwürfe, die zuvor zurückgewiesen wurden.

Sevinj Vagifgizi, Chefredakteurin der Abzas Media, wurde im November 2023 am Flughafen Baku festgenommen, nachdem sie Untersuchungen zur Aliyev‑Familie veröffentlicht hatte. Im Juni 2025 verurteilte ein Prozess Vagifgizi und sechs Kolleg*innen zu neun Jahren Haft; das Urteil wurde später vom Obersten Gericht bestätigt. Vagifgizi befindet sich nun im Gefängnis von Lankaran, nahe der iranischen Grenze.

Aus dem Lankaran‑Gefängnis geschmuggelte Briefe beschreiben tägliche Foltersitzungen, die zwischen 9 und 10 Uhr morgens beginnen, falsche Schwangerschaftsdiagnosen für eine Frau, die bereits eine Hysterektomie hatte, sowie Drohungen mit sexueller Gewalt und erniedrigender Behandlung durch das Gefängnispersonal. Diese Zeugnisse wurden angeblich von mitfühlenden Wächtern und Rechtsbeiständen weitergegeben.

EU‑Reaktion und Forderungen

EU-Außenpolitikchefin Kaja Kallas besuchte im Mai Baku und bezeichnete Aserbaidschan als "wertvollen Energiepartner", während sie betonte, dass ein "offener Dialog über Menschenrechte" nötig sei. Dennoch hat keine EU‑Delegation in den letzten Besuchen Familien der inhaftierten Journalist*innen oder unabhängige zivilgesellschaftliche Gruppen getroffen.

Verbraucherorganisationen und der Europäische Gewerkschaftsbund warnen, dass Energieabkommen nicht zum Freibrief für die Missachtung grundlegender Freiheiten werden dürfen, und fordern die Europäische Kommission auf, Menschenrechtsklauseln in zukünftige Verträge aufzunehmen. Reporter ohne Grenzen, Amnesty International und das European Centre for Press Freedom haben einen offenen Brief an von der Leyen und den Europäischen Rat entworfen, in dem sie eine klare Position zu den inhaftierten Journalist*innen verlangen.

Einige EU‑Beamte haben die Idee gezielter Sanktionen gegen Verantwortliche der Medienunterdrückung diskutiert, doch konkrete Maßnahmen wurden bislang nicht angekündigt. Der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres des Europäischen Parlaments plant, nächsten Monat eine Entschließung zu debattieren, die zukünftige Energieverträge an messbare Verbesserungen der Pressefreiheit knüpfen würde.

Kommerzielle Verflechtungen

Parallel dazu betreiben mehrere aserbaidschanische Reedereien Schiffe, die zur russischen "Schattenflotte" gehören und dazu genutzt werden, EU‑Sanktionen zu umgehen. Sanktionen‑Umgehungsberichte haben diese Tanker als Transportmittel für Öl und Gas identifiziert, das sonst blockiert worden wäre.

Die Energiepartnerschaft steht damit an einem Scheideweg: Sie verspricht mehr Energiesicherheit für die EU, während sie gleichzeitig eine deutliche Spannung zwischen kommerziellen Interessen und dem erklärten EU‑Engagement für Pressefreiheit offenbart.

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