EU-Parlament unterstützt Entwurf für digitalen Euro, doch Lobbyeinfluss der Banken bleibt spürbar
Der Europäische Parlamentsausschuss hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Bürgern den Besitz und die Nutzung von Zentralbankgeld in digitaler Form ermöglichen soll.

Das Europäische Parlament hat dem Gesetzentwurf zugestimmt, der es Einzelpersonen erlauben würde, Zentralbankgeld in digitaler Form zu halten und zu nutzen. Der Text, erarbeitet von der Generaldirektion Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmärkte (DG FISMA) der Europäischen Kommission, stellt den bislang fortschrittlichsten legislativen Schritt für den digitalen Euro dar.
Einfluss des Bankensektors auf den Entwurf
Verhandlungsführer geben zu, dass der Druck des Bankensektors das ursprüngliche Design verändert hat. Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte den digitalen Euro zunächst als Erweiterung ihres Allein‑Aussteller‑Mandats vor, ein sicheres, zinsfreies Konto, das über das Smartphone erreichbar ist. Da jedoch ein klares politisches Mandat fehlte, blieb das Projekt anfällig für Lobbyarbeit von Bankenverbänden, die argumentierten, dass eine öffentlich ausgegebene digitale Währung einen Ansturm auf Bankeinlagen auslösen könnte.
Analysten halten dieses Risiko jedoch für übertrieben. Der Entwurf beschränkt daher die Definition des digitalen Euro auf ein Zahlungsinstrument und nicht auf eine vollwertige Geldform und stellt ausdrücklich fest, dass der digitale Euro keine Zinsen erwirtschaften wird.
Haltegrenzen und deren Festlegung
Alle drei Gesetzesentwürfe, von Parlament, Kommission und Rat, enthalten Bestimmungen zu Haltegrenzen für digitale Euro‑Bestände. Der Rat schlägt vor, dass nationale Finanzminister die Obergrenzen festlegen, während die Kommission empfiehlt, dass die EZB diese bestimmt. Das Parlament bevorzugt einen hybriden Ansatz: Die EZB würde die Grenzen auf Basis einer Empfehlung festlegen, wobei sowohl das Parlament als auch der Rat Aufsicht führen und eine Rückfallregel für die EZB vorgesehen ist, falls der Prozess ins Stocken gerät.
Kritiker warnen, dass jede Haltegrenze dem Ziel einer uneingeschränkten bargeldähnlichen Nutzung zuwiderläuft. Zudem garantieren die aktuellen Entwürfe keinen staatlich organisierten Vertrieb, der alle Bürger, einschließlich vulnerabler Gruppen, erreicht.
Inter‑Provider‑Transfers und Datenschutz
Parlament und Kommission schlagen vor, dass Transfers zwischen Anbietern als kostenloser Basisdienst angeboten werden. Der Rat hingegen erlaubt Banken, die Verknüpfung von Konten verschiedener Anbieter abzulehnen. Zum Datenschutz verbietet die Regel des Rates der EZB, Nutzer aus Abrechnungsdaten zu identifizieren, während die Regel des Parlaments eine ausdrückliche Einwilligung verlangt, bevor Offline‑Transaktionsdaten an die EZB oder Banken weitergegeben werden dürfen.
Verbraucher‑ und Gewerkschaftsbedenken
Verbraucherschützer warnen, dass Beschränkungen die Ungleichheit verstärken könnten. Ein Sprecher einer paneuropäischen Verbraucherverbandes sagte: "Wenn Sie Ihre digitale Geldbörse nicht aufladen können, weil Ihre Bank nicht kooperiert, sind Sie praktisch von einer öffentlichen Dienstleistung ausgeschlossen." Gewerkschaften betonen, dass der digitale Euro das Bargeld ergänzen und nicht seine Rolle als Sicherheitsnetz untergraben sollte.
Potenzielle Vorteile und geopolitische Dimension
Ursprünglich sollte ein souveränes, inklusives Zahlungssystem geschaffen werden, das die Abhängigkeit von privaten Plattformen wie Apple Pay und Google Pay reduziert. Eine öffentliche digitale Währung könnte die Lohnabrechnung für grenzüberschreitende Arbeitnehmer vereinfachen und kleinen Unternehmen niedrigere Transaktionskosten im Vergleich zu Kartennetzwerken bieten.
Einige Mitglieder des Europäischen Parlaments haben den digitalen Euro als geopolitische Notwendigkeit bezeichnet, um US‑Zahlungsinfrastrukturen entgegenzuwirken.
Ausblick und nächste Schritte
Die Verhandlungsführer haben nur einen begrenzten Zeitraum, bevor der Trilog‑Text finalisiert wird. Wenn das Parlament den hybriden Grenzmechanismus, eine öffentliche Vertriebsgarantie, kostenlose grenzüberschreitende Finanzierung und starke Datenschutzregeln sichert, könnte der digitale Euro als öffentliches Versorgungswerk fungieren. Dominieren die Vorschläge des Rates, könnte der digitale Euro zu einer kostspieligen Ergänzung für Banken werden, die nur begrenzte Auswirkungen auf das Zahlungssystem hat.
Die EZB hat signalisiert, dass sie eingreifen würde, falls Liquiditätsdruck entsteht. Ein EZB‑Beamter erklärte: "Der Erfolg des digitalen Euro hängt von seiner Attraktivität für die Bürger ab, nicht davon, Bankguthaben zu schützen." In den kommenden Wochen werden die Europäische Kommission, der Rat und das Europäische Parlament zusammenkommen, um die verbleibenden Differenzen zu lösen.
