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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Wirtschaft15. Juli 2026

EU-Pestizidregelungen stehen vor intensivem Lobbying vor Parlamentsabstimmung

Am 15. Juli treffen sich die Agrarverbände Copa‑Cogeda und Croplife EU in Brüssel, um Änderungen am Omnibus‑Vorschlag der Kommission zu pushen.

EU-Pestizidregelungen stehen vor intensivem Lobbying vor Parlamentsabstimmung

Am 15. Juli wird das Büro der Agrarlobby in Brüssel ein gemeinsames Lobby‑Meeting ausrichten, das vom europäischen Landwirtschaftsverband Copa‑Cogeda und dem Pestizid‑Handelsverband Croplife EU organisiert wird. Mehrere Mitglieder des Europäischen Parlaments sollen anwesend sein.

Lobbying‑Aktion

Das Treffen zielt darauf ab, Änderungen am Omnibus‑Vorschlag der Europäischen Kommission zu Ernährung und Futtermitteln zu fördern. Der zentrale Änderungsantrag, der diskutiert wird, würde die periodischen Erneuerungsbewertungen abschaffen, die derzeit verlangen, dass Pestizide neu bewertet werden, sobald neue wissenschaftliche Daten vorliegen. Diese Erneuerungsbewertungen sind derzeit das einzige formelle Instrument, das zu einem Widerruf einer Pestizidgenehmigung nach der Erstzulassung führen kann.

Befürworter der Änderung argumentieren, dass das bestehende Bewertungssystem regulatorische Belastungen erzeugt und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft schädigt. Sie behaupten, dass das Wegfallen der Erneuerungschecks den Genehmigungsprozess vereinfachen würde.

Gesundheits‑ und Umweltbedenken

Gegner warnen, dass das Abschaffen der Erneuerungschecks ein wichtiges Instrument zum Handeln bei neuen Gesundheits‑ oder Umweltnachweisen entfernen würde. Aktuelle Forschung verbindet Pestizidexposition mit höheren Raten von Parkinson, Krebs und Neurotoxizität. Ein niederländischer Neurologe hat epidemiologische Studien hervorgehoben, die einen Zusammenhang zwischen Pestizidexposition und einer erhöhten Parkinson‑Inzidenz zeigen.

Das von der EU geförderte SPRINT‑Projekt berichtete von durchschnittlich 80 Pestizidverbindungen im Hausstaub von konventionellen Höfen, ein höherer Wert als im Staub von Bio‑Betrieben. Deutschland, Frankreich und Italien haben Parkinson offiziell als Berufskrankheit für Landarbeiter anerkannt, die Pestizide handhaben.

Verbotene Substanzen können jahrelang im Boden und Wasser verbleiben und potenziell gesundheitliche Auswirkungen haben, lange nachdem ihr Einsatz eingestellt wurde. Kommissionsmitarbeiter haben signalisiert, dass die geplanten Änderungen den Schutz für Verbraucher und landwirtschaftliche Beschäftigte senken würden.

Politische Dynamik

Herbert Dorfmann, Mitglied des Europäischen Parlaments von der Europäischen Volkspartei und ehemaliger Lobbyist, steuert den Omnibus‑Vorschlag durch das Parlament. Der italienische Abgeordnete Michele Picaro, dem rechten Fratelli‑Gruppierung zugehörig, arbeitet mit Dorfmann an Änderungen, die den Gesundheitsschutz weiter reduzieren würden. Die Frist für Abgeordnete, Änderungsanträge einzureichen, liegt in derselben Woche wie das Lobby‑Meeting.

Eine Untersuchung von Corporate Europe Observatory aus dem Jahr 2021 ergab, dass Copa‑Cogeda und Croplife EU zuvor eine gemeinsame Kampagne gegen die EU‑Strategie „Farm to Fork" koordiniert hatten, wobei sie Wirkungsstudien der Wageningen‑Universität nutzten, die später ihre Beteiligung entschuldigten.

Mögliche Auswirkungen

Croplife EU vertritt große Pestizidhersteller, darunter Bayer und Syngenta. Der Verband hat zudem für das EU‑Mercosur‑Freihandelsabkommen lobbyiert, das trotz Widerstands von Agrargewerkschaften im Dezember unterzeichnet wurde. Croplife und seine Mitgliedsunternehmen haben versucht, EU‑Beschränkungen für Importe von Substanzen, die in der EU verboten sind, zu lockern, mit dem Argument, dass strenge Regeln den Handel verzerren würden.

Würden die Omnibus‑Reformen angenommen, könnten gefährliche Chemikalien länger auf dem Markt bleiben, was das Expositionsrisiko für Landarbeiter, deren Familien und Anwohner erhöht. Zukünftige Gesundheitskosten würden hauptsächlich von Einzelpersonen und nationalen Gesundheitssystemen getragen, nicht von den Chemieproduzenten.

Gewerkschaften warnen, dass eine Abschwächung der Pestizidvorschriften Ungleichheiten verschärfen würde, insbesondere für kleine Landwirte, die keine Schutzausrüstung oder alternative Schädlingsbekämpfungsoptionen haben. Große Agrarbetriebe, die stark auf chemische Mittel setzen, könnten einen Wettbewerbsvorteil erlangen, was zu einer Konsolidierung der Marktmacht und einer Schwächung der Verhandlungsposition unabhängiger Bauern führen könnte.

Kritik und Forderungen

Kritiker fordern, dass Copa‑Cogeda sich für stärkeren Gesundheitsschutz einsetzen sollte, etwa durch eine EU‑weite Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit und Entschädigungsregelungen für betroffene Arbeiter. Sie verlangen zudem ein vorsorgliches Pestizid‑Rahmenwerk, das integrierte Schädlingsbekämpfung priorisiert und die Abhängigkeit von synthetischen Chemikalien reduziert.

Umwelt‑NGOs, nationale Bauernverbände und weitere Interessengruppen beobachten die bevorstehende Parlamentsabstimmung zum Vorschlag aufmerksam.

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