EU‑Revisoren warnen: Renovierungsprogramm erzielt deutlich weniger Energieeinsparungen als geplant
Ein Bericht des Europäischen Rechnungshofs zeigt, dass das nachpandemische Sanierungsprogramm der EU kaum die erwarteten Energieeinsparungen liefert.

Der Europäische Rechnungshof hat eine Warnung ausgesprochen: Das nachpandemische Gebäudesanierungsprogramm der EU erzielt weitaus weniger Energieeinsparungen als vorgesehen. Die Warnung folgt einem am 7. Juli veröffentlichten Bericht, der 111 Sanierungsprojekte untersuchte, die über den Wiederaufbau‑ und Resilienz‑Fonds (RRF) finanziert wurden.
Ergebnisse der Prüfung
Nur drei der geprüften Projekte enthielten explizite Ziele für Energieeinsparungen. Die meisten Projekte wurden nach der Anzahl renovierter Wohneinheiten oder der sanierten Fläche bewertet, nicht nach der Menge an vermiedenen Kilowattstunden Wärme oder Strom. Die Revisoren stellen fest, dass der aktuelle Ansatz Quantität über Qualität belohnt und fügen hinzu: "Der aktuelle Ansatz belohnt Quantität über Qualität." Sie warnen zudem, dass er ein Flickwerk fördere, das spätere tiefgreifende, teurere Sanierungen erschwere, und zitieren: "Er fördert ein Flickwerk, das später tiefere, kostspieligere Sanierungen erschweren kann."
Die häufigsten Maßnahmen in der EU sind der Austausch von Fenstern, die Installation von Solaranlagen und die Modernisierung von Heizsystemen. Im Gegensatz dazu erhalten umfassende Dämmpakete, die den Energieverbrauch eines Gebäudes um mehr als 60 % senken können, nur einen geringen Anteil der verfügbaren Fördermittel.
Kosteneffizienz und nationale Programme
Italiens Superbonus erstattet 110 % der förderfähigen Sanierungskosten. Laut den Revisoren kostet die Energieeinsparung pro Einheit unter Italiens Programm fast das Vierfache des ursprünglich geplanten Betrags.
In den von den Revisoren besuchten Ländern gibt es keine systematische Methode, Sanierungsvorschläge nach erwarteten Energieeinsparungen zu ranken. Die Revisoren argumentieren, dass der aktuelle Ansatz Quantität über Qualität belohnt und ein Flickwerk fördert, das spätere tiefgreifende, teurere Sanierungen erschwere.
Folgen für die EU‑Klimaziele
Wohngebäude machen etwa ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs Europas aus, und rund drei Viertel des Wohnungsbestands sind schlecht gedämmt. Die Europäische Kommission hat angekündigt, dass der nächste langfristige EU‑Haushalt für 2028‑2034 weiterhin energieeffiziente Sanierungen finanziert. Die Revisoren warnen jedoch, dass ohne stärkere Betonung tiefer Sanierungen die EU ihre Klimaziele für 2030 und 2050 verfehlen wird.
Reaktionen und Vorschläge
Gewerkschaftsführer und Umwelt‑NGOs fordern eine Überarbeitung der RRF‑Förderregeln. Sie schlagen vor, dass der RRF eine Mindestenergieeinsparungs‑Schwelle für jedes geförderte Projekt festlegt und nationale Behörden transparente Daten zu Kilowattstunden‑Reduktionen veröffentlichen.
Industrieverbände argumentieren, dass strenge Energieeinsparungskriterien die Sanierungstätigkeit verlangsamen und den Verwaltungsaufwand für kleine Unternehmen erhöhen könnten. Sie behaupten, dass die aktuelle Flexibilität den Markt aktiv gehalten und Beschäftigung in einem noch von der Pandemie erholenden Sektor geschaffen habe.
Vorgeschlagene Politikänderungen umfassen ein gestuftes Fördermodell, das höhere Erstattungsraten für tiefgreifende Sanierungspakete mit definierten Leistungsstandards bietet und niedrigere Raten für oberflächliche Aufrüstungen, sowie die Schaffung einer EU‑weiten Datenbank, die die Energieperformance renovierter Gebäude erfasst.
Die Mitgliedstaaten stehen unter Druck, ihre nationalen Sanierungspläne zu überarbeiten, bevor die nächste Tranche der RRF‑Finanzierung zugewiesen wird. Die Europäische Investitionsbank, die viele Sanierungsprojekte mitfinanziert, wurde von mehreren Mitgliedern des Europäischen Parlaments aufgefordert, ihre Förderkriterien zu verschärfen und die tatsächlichen Energieergebnisse der von ihr unterstützten Kredite zu überwachen.
Empfehlungen der Revisoren
Die Revisoren empfehlen, dass Regierungen den Erfolg von Sanierungen nicht mehr ausschließlich an der Anzahl ersetzter Fenster oder installierter Solaranlagen messen, sondern messbare Energieeinsparungsziele festlegen, die Daten veröffentlichen und die Fördermittel anhand der Leistung anpassen.
