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Vol. XV · N°258
Dienstag, 15. September 2026
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Wirtschaft15. September 2026

EU-Wettbewerbsfonds löst US-Warnung zu "Made in Europe"-Regeln aus

Ein informelles Schreiben der USA kritisiert die geplante Bevorzugung europäischer Unternehmen im neuen EU‑Wettbewerbsfonds und droht mit Gegenmaßnahmen.

EU-Wettbewerbsfonds löst US-Warnung zu "Made in Europe"-Regeln aus

EU‑Beamte stehen nach einem informellen Hinweis der Vereinigten Staaten vor einem diplomatischen Streit. Die USA äußerten Bedenken gegenüber dem geplanten Wettbewerbsfonds der Union, der Projekte mit Sitz in Europa bevorzugen soll.

Der Fonds im Überblick

Der Entwurf ist Teil der breiteren europäischen Industriestrategie und soll öffentliche Mittel in strategische Sektoren wie fortschrittliche Fertigung, saubere Energie und digitale Technologien lenken. Laut Vorschlag könnte die Förderfähigkeit für bestimmte Ausschreibungen davon abhängen, dass der Antragsteller innerhalb der Union ansässig ist, ein Kriterium, das die USA als Hindernis für ihre Unternehmen ansehen, die in europäische Projekte investieren oder diese beliefern wollen.

US‑EU‑Korrespondenz

Washington argumentierte, die Regel zwinge amerikanische Investoren, entweder auf die Förderung zu verzichten oder die Produktion nach Europa zu verlagern, was europäischen Firmen einen unfairen Vorteil verschaffe. In dem Schreiben wurde zudem gewarnt, dass die USA bei Nichtänderung der Präferenzklausel mit Gegenbeschränkungen für europäische Exporteure reagieren könnten.

„Amerikanische Unternehmen können weiterhin in Europa investieren", sagte ein hochrangiger EU‑Beamter, „sie werden jedoch nicht für die spezifischen Subventionen in Frage kommen, die an die Präferenzregel geknüpft sind." Der Beamte fügte hinzu, dass der Fonds heimische Lieferketten stärken, die Abhängigkeit von externen Quellen reduzieren und die strategische Autonomie der Union fördern solle.

Mögliche Auswege und Kosten der Assoziation

Ein von den USA vorgeschlagener Weg sei ein Assoziierungsabkommen, das amerikanischen Unternehmen eine gleichberechtigte Teilnahme neben europäischen Firmen ermögliche. Ähnliche Regelungen existieren bereits für Kanada und das Vereinigte Königreich im Rahmen von Horizon Europe, dem EU‑Forschungsprogramm, bei dem Partner finanziell beitragen, um Zugang zu erhalten.

Die USA signalisierten jedoch, keine finanzielle Beteiligung leisten zu wollen. „Wir wollen nicht für einen Fonds zahlen, der im Wesentlichen eine Subvention für europäische Wettbewerber darstellt", hieß es in dem US‑Hinweis. Das stellt die EU vor ein Dilemma: Die Präferenzklausel aufgeben, den Fonds für US‑Firmen ohne Beitrag öffnen oder das Risiko eines Handelsstreits eingehen.

Handelspolitische Spielräume

Handelsexperten sehen die Möglichkeit, ein umfassenderes Paket zu verhandeln, das den Fonds mit Zugeständnissen zu anderen Themen, etwa US‑Zöllen auf europäischen Stahl, verknüpft. Europäische Regierungen fordern seit langem den Abbau dieser Zölle, und ein Quid‑pro‑Quo‑Abkommen könnte die Spannungen mildern.

Auswirkungen auf europäische Arbeitskräfte und Lieferketten

Für europäische Unternehmen könnte die Präferenzregel eine Umgestaltung der Lieferketten bedeuten. Ein deutscher Unternehmer, der ein High‑Tech‑Projekt mit US‑Komponenten entwickelt, müsste möglicherweise auf Alternativen aus der EU umsteigen, um Fördermittel zu erhalten. Das könnte neue Chancen für heimische Zulieferer schaffen, aber auch Kosten erhöhen und Zeitpläne verzögern, wenn geeignete Ersatzprodukte nicht sofort verfügbar sind.

Gewerkschaften auf dem Kontinent begrüßen die Aussicht auf eine stärkere heimische Industriepolitik, weil sie Arbeitsplätze in strategischen Sektoren sichern und die Anfälligkeit der Union für externe Schocks reduzieren könnte. Gleichzeitig warnen sie, dass steigende Produktionskosten an die Verbraucher weitergegeben werden könnten, insbesondere wenn Unternehmen billigere Importe ersetzen müssen.

Ein wachsender Riss zwischen Paris und Berlin

Der Streit verdeutlicht eine wachsende Kluft zwischen Paris und Berlin, den beiden größten Befürwortern industrieller Souveränität in der EU. Beide Hauptstädte unterstützen ein "Made in Europe"‑Label, unterscheiden sich jedoch darin, wie aggressiv die Union dem US‑Handelsdruck entgegentreten soll. Frankreich signalisiert die Bereitschaft, an der Präferenzregel festzuhalten, während Deutschland vorsichtiger ist und eine mögliche Vergeltungsmaßnahme fürchtet, die die exportorientierte Wirtschaft des Landes treffen könnte.

Analyse und Ausblick

Analysten weisen darauf hin, dass die USA eine Geschichte haben, Handelsmaßnahmen zum Schutz eigener Industrien einzusetzen, und die aktuelle Warnung diesem Muster entspricht. "Die USA sind ein harter Verhandlungspartner und werden die Grenzen der Entschlossenheit der EU testen", sagte ein erfahrener Handelskommentator.

Entscheidet sich die EU, das aktuelle Design des Fonds beizubehalten, muss sie die US‑Reaktionen genau beobachten. Gegenmaßnahmen wie Zölle auf europäischen Stahl, Autos oder andere Güter könnten schnell die Beschäftigung in betroffenen Regionen beeinträchtigen. Andererseits könnte die Öffnung des Fonds für US‑Teilnehmer ohne finanzielle Beteiligung das Ziel, europäisch geführte Innovation zu fördern, verwässern.

Derzeit bleiben die nächsten Schritte der EU unklar. Die Europäische Kommission soll noch in diesem Jahr den endgültigen Text des Wettbewerbsfonds vorlegen, wonach die Mitgliedstaaten über das Gleichgewicht zwischen strategischer Autonomie und dem Risiko eines Handelskonflikts mit Washington debattieren werden. Das Ergebnis wird nicht nur die Zukunft der europäischen Industrie prägen, sondern auch die breiteren Dynamiken der EU‑US‑Wirtschaftsbeziehungen beeinflussen.

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