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Vol. XV · N°259
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Wirtschaft17. Juli 2026

Europäische Abgeordnete fordern dänische Werft zum Stopp der Wartung russischer LNG-Tanker auf

101 Parlamentarier aus 16 EU‑Staaten schreiben an den CEO der dänischen Werft Fayard und fordern ein sofortiges Ende aller Reparaturarbeiten an den russischen Arc7‑Eistankern.

Europäische Abgeordnete fordern dänische Werft zum Stopp der Wartung russischer LNG-Tanker auf

Europäische Parlamentarier und nationale Gesetzgeber haben an den Vorstandsvorsitzenden der dänischen Werft Fayard geschrieben und gefordert, dass das Unternehmen sämtliche Reparatur- und Wartungsarbeiten an den spezialisierten Arc7‑Eistankern, die russisches Flüssigerdgas (LNG) aus der Arktis transportieren, einstellt. Der offene Brief, unterzeichnet von 101 Abgeordneten aus 16 EU‑Mitgliedstaaten, argumentiert, dass die Fortsetzung der Wartung die Wirkung der geplanten EU‑Sanktionen von 2027 auf russisches LNG untergraben würde.

Brief fordert öffentliches Versprechen

Der Appell, koordiniert von dem dänischen Grünen Europaabgeordneten Villy Søvndal, wurde durch die Ankunft des Schiffes Rudolf Samoylovich am 30. Juni bei Fayard ausgelöst. Das Schiff ist das erste von bis zu sechs Arc7‑Trägern, die voraussichtlich vor dem Inkrafttreten des 20. Sanktionspakets im Januar 2027 einer Wartung bedürfen, das ein vollständiges Embargo für russisches LNG vorsieht.

In dem an Fayards CEO Thomas Andersen gerichteten Schreiben fordern die Unterzeichner die Werft auf, jegliche weitere Arbeit an Arc7‑Tanker, die am russischen Arktis‑LNG‑Export beteiligt sind, abzulehnen und öffentlich auszuschließen, im Jahr 2026 weitere solche Schiffe anzunehmen. "Dies ist nicht nur eine kommerzielle Angelegenheit. Es geht um die Sicherheit Europas, die Glaubwürdigkeit Dänemarks und die Solidarität mit der Ukraine", heißt es im Brief.

Warum das Timing wichtig ist

Forscher von den NGOs Urgewald, B4Ukraine und Razom We Stand haben Fayard als die letzte Werft in der EU identifiziert, die noch bereit ist, die Arc7‑Flotte zu warten, nachdem die niederländische Werft Damen Shiprepair Brest 2024 die Annahme der Schiffe eingestellt hat. Laut Urgewald hat jeder der sechs in diesem Jahr zur Wartung vorgesehenen Arc7‑Tanker seit dem Einmarsch in die Ukraine durchschnittlich 5,3 Millionen Tonnen russisches LNG transportiert, was Ladungen im Wert von rund 4 Milliarden Euro pro Schiff entspricht.

Sanctions‑Aktivist Alexander Kirk warnte, dass "jeder in Dänemark gewartete Arc7‑Tanker die russischen Arktis‑LNG‑Exporte über Jahre hinweg verlängern und Millionen mehr zurück zum Kreml bringen könnte". Er fügte hinzu, dass präventive Reparaturen es den Schiffen ermöglichen würden, weit nach dem Inkrafttreten des Embargos 2027 betriebsbereit zu bleiben und damit die Durchschlagskraft der EU‑Sanktionen zu schwächen.

Politischer Druck steigt

In Dänemark ist das Thema zu einem Brennpunkt geworden. Premierministerin Mette Frederiksen hat bereits angedeutet, dass die Arbeit von Fayard indirekt die Kriegsanstrengungen Russlands unterstütze. Die Werft betont ihrerseits, dass sie die geltenden EU‑Vorschriften einhalte und ihre Dienstleistungen für die maritime Sicherheit unverzichtbar seien. "Es gibt nach wie vor erheblichen Handel zwischen der EU und Russland bei Gütern, die europäische Länder benötigen", erklärte Fayard einem EU‑Beobachter und fügte hinzu, dass sie nicht speziell russische Schiffe, sondern Schiffe von internationalen Betreibern, die zwischen dem Yamal‑Terminal und europäischen Häfen verkehren, bediene.

Das Unternehmen kündigte zudem an, dass die Aufträge im Zusammenhang mit der Arc7‑Flotte gemäß den EU‑Entscheidungen zum Jahresende eingestellt werden. Dennoch argumentieren die Abgeordneten, dass bereits die Vorbereitung der Schiffe jetzt Russland einen logistischen Vorteil verschaffe, den es unter dem bevorstehenden Embargo nicht mehr hätte.

Breitere Implikationen für die europäische Politik

Der Aufruf zu einem präventiven Stopp spiegelt eine breitere Debatte innerhalb der EU wider, wie Lücken geschlossen werden können, die Sanktionen untergraben könnten. Der schwedische Linke Europaabgeordnete Jonas Sjöstedt warnte, dass "jede geöffnete Lücke und jede Dienstleistung für diese Schiffe unsere Sanktionen schwächer und Russland mehr Spielraum zur Finanzierung seines Krieges gebe".

Erfüllt Fayard die Forderungen, würde das einen Präzedenzfall für andere europäische Werften schaffen, die noch spezialisierte Arktikschiffe warten, und die kollektive Haltung des Blocks in Fragen der Energiesicherheit und Solidarität mit der Ukraine stärken. Ein Ablehnen könnte hingegen die Spannungen zwischen kommerziellen Interessen, nationalen Beschäftigungsaspekten und den strategischen Zielen der EU offenbaren.

Gewerkschaftsvertreter wurden im Brief nicht zitiert, doch das Thema berührt breitere Bedenken über die Rolle der europäischen Industrie bei der Unterstützung oder Behinderung der Einnahmequellen des Kreml. Mit dem bevorstehenden historischen Embargo der EU für russisches LNG werden die nächsten Monate zeigen, ob Unternehmen der Mitgliedstaaten bereit sind, ihre kommerziellen Entscheidungen mit den geopolitischen Zielen des Blocks in Einklang zu bringen.

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