Hunde übertreffen Kinder unter 15 in einem Dutzend EU‑Staaten bei einem Tiermarkt von 54 Milliarden Euro
Zwölf Mitgliedsstaaten der EU haben mehr Hunde als Kinder unter 15 Jahren – ein Trend, der den wachsenden Tierkonsum auf über 54 Milliarden Euro im Jahr 2023 widerspiegelt.
Laut den neuesten Zahlen der European Pet Food Association (EFRA) gibt es in zwölf EU‑Mitgliedstaaten mehr Hunde als Kinder unter 15 Jahren. Dieser Trend spiegelt einen breiteren demografischen Wandel und einen Boom im Ausgabenverhalten für Haustiere wider, der 2023 mehr als 54 Milliarden Euro für Futter, Zubehör und Dienstleistungen generierte.
Wo das Ungleichgewicht am größten ist
Portugal führt 2024 mit über drei Millionen Hunden, die Wahrscheinlichkeit, einem Hund zu begegnen, ist hier höher als einem Kind unter 15, das etwa 1,4 Millionen zählt. Ungarn, die Slowakei, Polen und Malta vervollständigen die fünf Länder mit der schärfsten Diskrepanz zwischen Haustieren und jungen Menschen.
In ganz Europa beläuft sich die Gesamtzahl der Haustiere, einschließlich Hunde, Katzen, Vögel, Fische und Reptilien, auf 326 Millionen. Ein Drittel aller Haushalte hält mindestens einen Hund, ein weiteres Drittel besitzt mindestens eine Katze, was die zentrale Rolle vierbeiniger Begleiter im Alltag unterstreicht.
Emotionale Bindungen treiben höhere Ausgaben
Forscherinnen wie Svenja Springer, Assistenzprofessorin an der Veterinäruniversität Wien, haben den finanziellen Einfluss von Tierliebe dokumentiert. In einer 2024 veröffentlichten Studie stellte Springer fest, dass Besitzer, die ihre Tiere als „Fellbabys" bezeichnen, eher bereit sind, kostspielige oder langwierige tierärztliche Behandlungen zu finanzieren, manchmal sogar zulasten ihrer eigenen Gesundheitsausgaben.
Die Pandemie verstärkte dieses Muster: Home‑Office ermöglichte mehr Zeit mit den Tieren, und viele begannen, Haustiere als Ersatz für fehlende familiäre Netzwerke zu sehen. Die gleiche Forschung zeigt, dass eine starke emotionale Bindung zu häufigeren hedonistischen Käufen führt, Premium‑Futter, spezialisierte Spielsachen und Wellness‑Dienstleistungen.
Wirtschaft der Tierbranche
2023 war der europäische Markt für Tierfutter allein 29 Milliarden Euro wert, während Zubehör und Dienstleistungen fast 25 Milliarden Euro beitrugen. Analysten erwarten, dass der Aufwärtstrend anhält, befeuert durch eine stabile oder wachsende Basis von Tierhaltern in vielen Ländern.
Einzelhändler passen sich bereits an. In mehreren Städten wurden traditionelle Spielwarengeschäfte durch große Fachmärkte für Haustiere ersetzt, wie ein kürzlich erfolgter Umbau in einem Einkaufszentrum nahe einem Wiener Wohnblock zeigt. Premium‑Marken werben zunehmend mit hochwertigen Zutaten und nachhaltiger Verpackung, um die Nachfrage nach ethisch produzierten Produkten zu befriedigen, was kleineren Unternehmen, die mit steigenden Qualitäts‑ und Marketingkosten kämpfen, Druck auferlegt.
Rechtliche Anerkennung und Auswirkungen am Arbeitsplatz
Der Besitz von Haustieren dringt zunehmend in den Rechtsbereich vor. Spanische Gerichte können nun im Scheidungsfall das gemeinsame Sorgerecht für Hunde zusprechen, ein Modell, das derzeit in Frankreich und Portugal diskutiert wird. Ein kürzliches Urteil aus Barcelona bezeichnete die Kündigung eines Arbeitnehmers wegen eines akuten tierärztlichen Notfalls als "unmoralisch" und stellte fest, dass das Verlängern des Leidens des Tieres nicht durch betriebliche Interessen gerechtfertigt werden könne.
Mobilitätsmuster verstärken den Trend ebenfalls. Immer mehr Familien leben weit von Verwandten entfernt und wenden sich an Haustiere für emotionale Stabilität, was Reisegewohnheiten verändert, Urlaube werden zunehmend um die Bedürfnisse der Tiere geplant. Wien beispielsweise verfügt über mehr als 200 ausgewiesene Zonen, in denen Hunde frei laufen dürfen, und senkt damit Hürden für potenzielle Tierhalter.
Zukünftige Herausforderungen
Der Wandel von Kindern zu Haustieren als gesellschaftliche Priorität wirft Fragen zum sozialen Gefüge Europas auf. Während Tierhalter emotionale Unterstützung und gesteigerte Konsumausgaben genießen, könnte die steigende Kosten für hochwertige tierärztliche Versorgung Haushaltsbudgets belasten, besonders in einkommensschwächeren Regionen.
Politiker stehen vor einem Dilemma: Sollten Steueranreize eingeführt werden, um die Tierwirtschaft zu stärken, oder sollten Ressourcen umgeleitet werden, um dem Rückgang der Kinderzahl entgegenzuwirken? Die Debatte bleibt offen, doch eines ist klar, Haustiere haben sich von einfachen Begleitern zu zentralen Akteuren in Europas Konsum‑ und Soziallandschaft entwickelt.
Erstmals berichtet von der European Pet Food Association (EFRA).
