Spanische Supermärkte stehen wegen Datteln, Mandeln und Erdnüssen aus israelischen Siedlungen in der Kritik
Seit dem Inkrafttreten des königlichen Dekrets 10/2025 müssen spanische Händler Produkte aus besetzten palästinensischen Gebieten ablehnen, doch mehrere Unternehmen werben weiterhin mit ihren Waren.

Im Februar 2026 hat Spanien das Königliche Dekret‑Gesetz 10/2025 erlassen, um das beratende Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2024 umzusetzen. Das Gesetz kriminalisiert den Import, das Marketing und den Verkauf von Waren, die in israelischen Siedlungen auf besetztem palästinensischem Gebiet hergestellt werden. Damit schließt sich Spanien einer wachsenden Zahl von EU‑Mitgliedstaaten an, die ein umfassendes Verbot von Siedlungsprodukten fordern.
Unternehmen werben weiterhin für den spanischen Markt
Field Produce Marketing, Hadiklaim und Agrifood Marketing, alle besitzen Farmen und Verarbeitungsanlagen im Westjordanland und auf den Golanhöhen, Gebieten, die die Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof als illegal besetzt einstufen, bewerben weiterhin ihre Datteln, Mandeln und Erdnüsse als in spanischen Supermärkten erhältlich.
Field Produce betreibt vier Verarbeitungsstätten, von denen eine in der Siedlung Yafit im Jordantal liegt. Auf seiner Website werden drei spanische Vertriebspartner genannt, Delinuts, Importaco und La Piedra Redonda, und die "strategische Lage" der Westjordanland‑Standorte hervorgehoben, ohne den Rechtsstatus des Landes zu erwähnen. Das Unternehmen exportiert etwa 65 % seiner Produktion nach Europa.
Hadiklaim, eine Genossenschaft, die neun Dattelsorten unter den Marken MyJool, Jordan River und King Salomon Dates vermarktet, zeigt eine Karte, auf der Spanien als Schlüsselmärkte hervorgehoben wird. Die Plantagen liegen in den Siedlungen Yafit, Galil, Almog, Beit Ha'arava und Tomer. Vor dem Beschluss im Februar 2026 wurden die Datteln von Aldi, El Corte Inglés, Lidl, Carrefour und Mercadona verkauft. Nach dem Verbot teilten Carrefour und Mercadona dem Diario Público mit, dass sie keine Waren mehr aus den besetzten Gebieten führen; andere Einzelhändler antworteten nicht.
Agrifood Marketing behauptet, dank des Klimas im Jordantal und im Toten Meer das ganze Jahr über alle Dattelsorten liefern zu können. Auf seiner Online‑Karte wird Spanien als eines von einem Dutzend Exportzielen genannt, jedoch nennt das Unternehmen keine konkreten spanischen Abnehmer und verweigert Auskünfte zur Einhaltung des spanischen Dekrets.
Reaktionen der Einzelhändler und Durchsetzungslücken
Große spanische Einzelhändler haben öffentlich ihre Unterstützung für den Beschluss der staatlichen Steuerbehörde (AEAT) im Februar 2026 bekräftigt. Carrefour Spanien erklärte, es verkaufe "keine Produkte, die aus Israel oder Palästina stammen" in Spanien. Lidl betonte sein "festes Engagement für Menschenrechte" und die Einhaltung eines strengen internationalen Lieferantenkodex, ohne jedoch Prüfungsdetails zu nennen. Eroski gab an, seine Einkaufspolitik respektiere Menschenrechte und Würde. Mercadona informiere seine Lieferanten über die gesetzliche Vorgabe, beschrieb jedoch nicht, wie die Herkunft der Produkte überprüft wird. Aldi, Ahorramás, Alcampo, Dia und El Corte Inglés lehnten Kommentare ab oder reagierten nicht.
Die AEAT teilte dem Diario Público mit, dass Sanktionsfälle von den einzelnen Zollämtern bearbeitet werden und die Daten nicht zentral automatisiert seien. Zollbeamte prüfen Ursprungszertifikate, doch komplexe Lieferketten, Umverpackungen und Drittvertriebspartner können die wahre Herkunft verschleiern. Einige Produkte werden allgemein als "mediterrane Datteln" oder "nahöstliche Nüsse" gekennzeichnet, was die Rückverfolgung erschwert.
Untersuchungen zeigen Diskrepanzen
Eine Untersuchung des französischen Netzwerks CIDSE und des israelischen Forschungszentrums Who Profits, die dem Diario Público gemeldet wurde, ergab, dass die drei Unternehmen Mitte Juli 2026 weiterhin ihre Präsenz auf dem spanischen Markt bewarben. Die Forschenden verglichen die eigenen Marketingangaben der Firmen mit Zollunterlagen und fanden Unstimmigkeiten, die auf mögliche Schlupflöcher oder schwache Durchsetzung hindeuten.
Field Produce betont in seinem Werbematerial die Produktqualität und die strategische Lage seiner Westjordanland‑Standorte, ohne den Rechtsstatus des Landes zu erwähnen. Hadiklaim erhielt zwischen 2019 und 2021 etwa drei Millionen Euro vom israelischen Wirtschaftsministerium als Entschädigung für Exportverluste, die durch frühere Handelsbeschränkungen entstanden waren. Agrifood Marketing nennt seine spanischen Abnehmer nicht, wodurch die Überprüfung der Einhaltung besonders undurchsichtig bleibt.
Rechtlicher und politischer Kontext
EU‑Recht verpflichtet die Mitgliedstaaten, das beratende Gutachten des IStGH umzusetzen, doch die nationale Anwendung ist uneinheitlich. Frankreich und Irland haben vergleichbare Verbote angekündigt, während die Europäische Kommission bislang keine verbindliche Regel für einheitliche Kontrollen erlassen hat. Belgien und die Niederlande haben nationale Gesetze verabschiedet; andere Länder setzen auf freiwillige Unternehmenskodizes.
Rechtsexperten gehen davon aus, dass spanische Gerichte den Umfang des Dekrets interpretieren müssen, wenn ein Einzelhändler beim Verkauf von Siedlungs‑Datteln erwischt wird. Dies könnte zu strengeren Zollkontrollen und einer EU‑weiten Koordination führen. Menschenrechtsorganisationen argumentieren, dass jeder Handel, der die Siedlungswirtschaft unterstützt, die Besatzung legitimiert und die Aussichten auf eine Zwei‑Staaten‑Lösung untergräbt.
Forderungen nach stärkerer Aufsicht
Spanische Gewerkschaften fordern strengere Kontrollen und schlagen vor, die Herkunftsnachweise den Exporteuren aufzubürden sowie eine EU‑weite zertifizierte Herkunftsdatenbank einzurichten. NGOs planen, die Regale der Supermärkte weiter zu beobachten und Transparenzberichte zu veröffentlichen; CIDSE und Who Profits wollen ihre Datenbank aktualisieren und die AEAT auffordern, aggregierte Durchsetzungsdaten zu veröffentlichen.
Der fortgesetzte Export von Siedlungsprodukten verringert den Marktanteil palästinensischer Landwirte und verstärkt den wirtschaftlichen Druck auf sie, ein Punkt, den das IStGH‑Gutachten betont, das den Handel mit Siedlungswaren als Legitimierung der Besatzung ansieht.
