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Vol. XV · N°259
Mittwoch, 16. September 2026
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Wirtschaft09. Juli 2026

Wissenschaftler fordern Rücktritt Irlands aus EU‑Präsidentschaft bei Steuer‑ und Digitalreformen

Eine Koalition von sechzig führenden Wissenschaftlern verlangt, dass Irland sich aus den Verhandlungen zum Steuer‑Omnibus und Digital‑Omnibus zurückzieht.

Wissenschaftler fordern Rücktritt Irlands aus EU‑Präsidentschaft bei Steuer‑ und Digitalreformen

Ein Bündnis von sechzig hochrangigen Wissenschaftlern hat ein offenes Schreiben veröffentlicht, in dem sie die irischen Amtsträger, die derzeit die rotierende EU‑Präsidentschaft innehaben, auffordern, sich aus der Arbeit an zwei Schlüsselprojekten, dem Steuer‑Omnibus und dem Digital‑Omnibus, zurückzuziehen. Die Forscher argumentieren, dass die langjährige Zusammenarbeit zwischen aufeinanderfolgenden irischen Regierungen und einer Gruppe multinationaler Technologieunternehmen das Risiko birgt, dass Irland nicht als neutraler Vermittler in EU‑weiter Steuer‑ und Digitalpolitik agieren kann.

Warum die irische Präsidentschaft wichtig ist

Irland übernahm im Juli die rotierende Präsidentschaft des EU‑Rates. Diese Rolle umfasst die Steuerung der Arbeit des Rates am Steuer‑Omnibus, einem im Februar von der Europäischen Kommission gestarteten Paket, sowie am Digital‑Omnibus, das die Regelungen für Online‑Plattformen im gesamten Block harmonisieren soll. Die Wissenschaftler sehen die Position Irlands als kompromittiert an, weil das Land als Niedrigsteuerjurisdiktion gilt, mit einem Körperschaftsteuersatz von 12,5 % das niedrigste unter den EU‑Mitgliedstaaten, und weil zahlreiche große Tech‑Firmen in Dublin ansässig sind.

Google, Meta, Apple, Microsoft, OpenAI, TikTok und X haben ihre europäischen Hauptsitze in der irischen Hauptstadt, während Amazon und der chinesische Einzelhändler Temu ebenfalls dort operieren. Die irische Datenschutzkommission, die als wichtigste Regulierungsbehörde für den EU‑weiten Datenschutz gilt, wird von Niamh Sweeney geleitet, einer ehemaligen Lobbyistin für Meta, die im Oktober ernannt wurde.

Aktueller rechtlicher Hintergrund

Im Jahr 2024 entschied der Europäische Gerichtshof, dass Apple 13 Milliarden Euro an rückständigen Steuern zahlen muss, weil das Steuerabkommen von 2015 mit Irland als illegale staatliche Beihilfe eingestuft wurde. Die Summe von 13 Milliarden Euro wurde ursprünglich 2016 von der Europäischen Kommission berechnet; die irischen Behörden hatten die Forderung zunächst angefochten und Rechtsmittel eingelegt.

Vorschlag der Wissenschaftler

Die Unterzeichner, zu denen prominente Persönlichkeiten wie Shoshana Zuboff von der Harvard University, Mariana Mazzucato von der University College London, Isabella Weber von der University of Massachusetts Amherst, Jason Hickel von der Universitat Autònoma de Barcelona, Abeba Birhane vom Trinity College Dublin und Alberto Alemanno von der HEC Paris gehören, schlagen vor, dass Litauen, das im Januar 2025 die EU‑Präsidentschaft übernehmen wird, die Verantwortung für die Steuer‑ und Digitalverhandlungen übernehmen soll.

Reaktionen aus Dublin und Brüssel

Während einer Plenarsitzung in Straßburg bestätigte der irische Ministerpräsident Micheál Martin, dass Irland als ehrlicher Vermittler bei Angelegenheiten mit Technologieunternehmen auftreten werde. Ein Sprecher der irischen Präsidentschaft bekräftigte diese Haltung und erklärte, dass die Regierung ihre Aufgaben mit völliger Unparteilichkeit ausführe und sich darauf konzentriere, die Agenda „Ein Europa, ein Markt" umzusetzen, einschließlich der digitalen Prioritäten.

Die Europäische Kommission, die die Vorschläge zum Steuer‑ und Digital‑Omnibus erarbeitet hat, erwartet, dass die rotierende Präsidentschaft ein Einvernehmen unter den 27 Mitgliedstaaten fördert. Union‑Beamte haben bislang nicht auf die Bitte der Wissenschaftler reagiert, die irische Präsidentschaft von den Verhandlungen auszuschließen.

Weitergehende Bedeutung

Der Vorfall wirft ein Licht auf die breitere Debatte darüber, wie die EU mögliche Interessenkonflikte handhaben soll, wenn ein Mitgliedstaat mit engen Unternehmensverbindungen die rotierende Präsidentschaft innehat. Die Forscher warnen, dass Irlands Abhängigkeit von multinationalen Konzernen die Glaubwürdigkeit der EU‑weiten Politikgestaltung in den Bereichen Besteuerung und digitale Regulierung untergraben könnte.

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